Radwanderung
Mit dem Evangelischen Kirchenchor Steinheim
wollten wir im Rahmen des Ferienprogrammes 2006 im August zu den Tongruben
im Untertal am Rauhbuch. Diese Tongruben waren den Teilnehmern, obwohl auf
Steinheimer Markung gelegen, nicht bekannt. Dazu wählten wir, da wir nur
gegen Abend unterwegs waren, einen kombinierten Fahrrad- und Fußweg. Wir
starteten „Am Brünnele“ in der Hauptstraße in Steinheim. Für „Insider“
gibt es einen verkehrsarmen Weg bis hinunter zum östlichen Ortsrand.
Ortsfremde fahren jedoch besser die
Hauptstraße nach Osten, dabei sieht man schon die Ostseite des
Kraterrandes, die Schäfhalde mit seiner Lindenallee, in deren Nähe wir zu
einem Waldsträßchen gelangen werden. Auf der Hauptstraße bleiben wir bis
zu einem Kreisverkehr in dem wir Richtung Heidenheim, der ersten Ausfahrt
rechts, abbiegen. Bei nächster Gelegenheit fahren wir auf den rechts zur
Fahrstraße parallel laufenden Radweg, der am Ende einer großen Fabrikhalle
unter der Landesstraße L 1163 hindurchführt. Knappe 500 m nach dieser
Unterführung, vom Mühlweg, zweigt links ein Asphaltweg ab (weitere 100 m
weiter geht rechts das Sträßchen zum Haus des Schützenvereins ab). Dieser
links abgehende Asphaltweg führt ein Stück den Berg, die Schäfhalde,
hinauf. Er wird aber bald, an der Grenze zur Heide, ein
Kalkschottersträßchen. Dieses kann bis zum Waldrand hinauf nach starken
Regenfällen ausgewaschen sein. In der Regel sollte man dort mit einem
„normalen“ Fahrrad für ein paar Minuten absteigen und schieben. Dieses
Finkenbuschsträßchen steigt nach rechts an und schwenkt am Waldrand, auf
halber Höhe des bewaldeten Hanges, nach Südosten ein. Wir folgen dem
leicht welligen Waldsträßchen für einen knappen Kilometer, dort biegt das
Sträßchen fast unmerklich für einen weiteren knappen Kilometer auf
Nordosten um. Stets liegt über uns am Waldrand das Steinheimer
Segelfluggelände und der untere Waldrand geht in Heide über. Teilweise, je
nach Belaubung, hat man einen schönen Blick auf das Steinheimer Becken,
den Steinheimer Meteorkrater. Das Sträßchen fällt nun leicht und man
gelangt im spitzen Winkel auf das Sträßchen im Untertal. Dieses fahren wir
bergauf. Nach 100 m kommt von rechts das Rehbergsträßchen heran, und nach
weiteren 500 m kommt, ebenfalls von rechts, das Laborantensträßchen, das
halblinks weiterführt.. Hier jedoch geht ein grüner Graswaldweg im
Talgrund geradeaus weiter. Wir sind in der Abteilung Tongruben. An einem
der nächsten Bäume stellen wir die Fahrräder ab, wir können sie ja
sichern, und gehen zu Fuß den Waldweg etwas bergan. Nach 50 m zweigt ein
Waldweg nach links ab und einer nach rechts. Gehen wir rechts, finden wir
nach 150 m links eine wassergefüllte bewachsene Tongrube. Gehen wir nach
links finden wir wie aufgereiht einige kleine Tongruben auf der linken
Waldwegseite. Im Sommer wird man vom Ton nicht viel sehen, weil die
Vegetation dann sehr üppig ist. Die beste Zeit für dieses Gelände ist wohl
das Frühjahr, auch der Wasserstand in den Gruben kann nach der
Schneeschmelze sehr reichlich sein. Diese Tongruben sind tatsächlich von
Menschenhand durch viele Jahrhunderte entstanden im Gegensatz zu den
wassergefüllten Dolinen oder im Gegensatz zu den künstlich geschaffenen
Wasserstellen für Mensch und Vieh auf dem karstigen Albuch während des
Mittelalters.
Für den Rückweg können wir unser bisheriges
Sträßchen, jetzt Laborantensträßchen genannt, benutzen, 300 m hinauf zu
einer Kreuzung. Dort fahren wir im spitzen Winkel nach links. Nach einem
knappen halben Kilometer sind wir am Waldrand, wo ein Sträßchen links zu
einer bewirtschafteten Hütte führt, der „Heiderose“. Andernfalls erwartet
uns nun eine schöne Abfahrt durch Heide, Wiesen und durch Felder bis
Steinheim.
Das Töpfern reicht in unserer Gegend weit
in die Vergangenheit, mindestens bis in die keltische Zeit, zurück. Das
Handwerk mit Organisationsstruktur ist jedoch erst seit dem
Hochmittelalter, der Helfensteiner Zeit, nachweisbar.
Das Töpferhandwerk war ein Privileg der
Bürgerschaft. Die Hafner hatten Lehmsteuer zu entrichten. 1557 erhielt die
Heidenheimer Hafnerzunft besondere Privilegien. Sie gehörte zur Zunftlade
Ludwigsburg.
Die Lehrzeit der Hafner betrug zwei bis
vier Jahre, anschließend musste ein Gesellenstück gefertigt werden. Zur
Meisterprüfung war das Setzen eines Kachelofens mit 3 Simsen und die
Herstellung eines Kruges und eines Hafens Pflicht.
Die Hafner durften keine Backsteine und Dachziegel herstellen. Eine
Ausnahme war die Herstellung von bunten glasierten Dachplatten für die
Heidenheimer Kirchtürme.
1580 durften Heidenheimer Hafner gegen
Bezahlung auf dem Steinheimer Rauhbuch – auf Steinheimer Markung - Tonerde
abbauen. Man sagt, dass dort im 19 Jahrhundert zwei Hafner beim
Tonerdegraben verschüttet wurden und dort „geblieben“ sind.

Kurz skizziert bestand die Arbeit der
Hafner aus Tonerde graben, Kneten, Walzen und entfernen von
Gesteinspartikeln und Kalkeinschlüssen. Dann folgte die Formgebung in der
Regel auf der Töpferscheibe, Das Produkt wurde mit einem Draht von der
Töpferscheibe gelöst und anschließend zum Trocknen aufgesetzt. Danach
wurde das Produkt mit farbigem Tonschlamm eingefärbt und bemalt sowie die
Glasur aufgetragen. Nach dem vollständigen Trocknen folgte das Einsetzen
und Brennen im Ofen. Nach dem Abkühlen wurde nach Qualität sortiert und
die Ware zum Verkauf bereitgestellt.
Hafner gab es praktisch in jedem Ort, so in
Heidenheim, Schnaitheim, Königsbronn, Zang, Dettingen, Herbrechtingen und
natürlich in Steinheim. Deren Gebrauchsprodukte wurden als geschätztes
„Heidenheimer Geschirr“ europaweit verkauft. 1846 arbeiteten in Steinheim
noch drei Familien Zimmermann und drei Familien Wannenwetsch als Hafner.
Die Hafner waren in der Regel Selbstvermarkter. Die einheimische
Bevölkerung kaufte direkt beim Hafner. Jedes Mal, wenn eine Kuh „kalbte“,
wurden neue „Scherben“, neue flache Tonschüsseln, angeschafft, die zum
Aufstellen der Milch dienten. Die Milchwirtschaft war noch nicht
organisiert. Die Bauern verarbeiteten ihre Milch selbst und „vermarkteten“
ihre Produkte so gut es ging. So gewannen die Bauern selbst Sauerrahm und
Sauermilch, Butter und Käse. Dazu wurden die sogenannten „Scherben“ mit
der frischen Milch gefüllt und übereinandergestapelt. Dazwischen legte man
als Zwischenlagen roh geschlitzte Holzbretter aus Weißbuchenholz, die an
den 4 Ecken abgeschrägt waren Die Milchsäure setzte den Tonwaren
offensichtlich so zu, dass die Glasur mit der Zeit ausblühte und rotes
Tonmehl in die Milch gelangte, wodurch das Geschirr unbrauchbar wurde.
Die Hafner waren entweder Marktfahrer mit eigenen Fuhrwerken oder
Reffverkäufer – diese trugen ihre Ware „auf dem Reff“, auf dem
Traggestell. Auf den Märkten in Ulm, Schwäbisch Hall, Tübingen, Stuttgart,
Nürnberg durften sie nur ihre eigene Ware selbst verkaufen. Nicht
verkaufte Ware musste den dort ansässigen Händlern zu billigsten Preisen
überlassen werden. Ein Rücktransport ihrer Ware war den Hafnern untersagt.
„Heidenheimer Geschirr“ durfte am Produktionsort nur auf Wagen von fremden
Fuhrleuten verladen werden, wenn dieses für das Ausland bestimmt war.
Schwerpunkte des Exports waren Tirol und die Schweiz. Ein Planwagen fasste
bis zu 2000 Einzelstücke.
Die Produktpalette war umfangreich. Eine Vielfalt an Ofenkacheln wurde
gefertigt und das Setzen der Kachelöfen gehörte zum Handwerk. Sogar für
den herzoglichen Hof in Ludwigsburg wurde geliefert.
Für das „bessere“ weisse Geschirr wurde dunkler Ton verwendet, der beim
Brennen weiss wurde. Die Gebrauchsware bestand aus braun glasiertem
Tongeschirr. Und die Gebrauchsware war vielfältig: Gutterkrüge für den
Most, Milchhäfen, Pfitzaufmodel, Gugelhupfformen, Bratenschüsseln,
Stielkächele zum Schmälzen der Brotsuppe, Schmalzhäfen zum Aufbewahren von
ausgelassenem Schweineschmalz, Gänsekacheln und Backschüsseln mit Deckel
für Dampfnudeln. Dann für das körperliche Wohlbefinden Bettflaschen,
Nachthäfen für die nächtliche Notdurft, Kammergeschirr zur morgendlichen
Toilette und schließlich für die tierischen Hausbewohner Trinknäpfe für
das Federvieh.
Diese Töpferware war schlichte, einfache Volkskunst, in der Regel mit
dunkelbrauner Glasur, selten verziert mit Punkten, Linien, einfachen
Ornamenten, später mit Texten für besondere Anlässe: Liebeserklärungen,
Texte für Aussteuern und Hochzeiten.
Niemand dachte daran diese schlichte Volkskunst zu erhalten – es war eben
Gebrauchsgeschirr das damals beliebig erneuert werden konnte. Und als die
hiesigen Handwerker ihr Handwerk aufgaben stand der erste Weltkrieg vor
der Tür und danach war vom Üriggebliebenen nicht mehr viel da. Die
industrielle Fertigung hat von nun an Gebrauchsgeschirr als Massenware
hergestellt.