Fuß- oder
Radwanderung
Steinheim - Klösterle - Bibersohl (Hohensohl)
- Wental (Mühlgrund) - Wentalweible - Gnannental - Steinheim
Diese Radwanderung ist n i c h t die
Meteortour, wenn man auch da und dort auf das entsprechende Hinweisschild
stößt.
Gesamtstrecke 20 km, davon nach Belieben
Rundwanderung Klösterle 1 km
und Hohensohl insg.3 km.
Höhenunterschied insg. 170 m: Steinheim –
Klösterle, auch Bibersohl 100 m, zusätzlich nach Hohensohl 70 m

(Klicken Sie auf die
Landkarte, um eine größere Ansicht zu erhalten, die Sie auch ausdrucken
können)
Diese Wanderung ist
problemlos auch zu Fuß möglich und reizvoll. Die Wanderstrecke wird auf 12
km reduziert, wenn sie am Parkplatz beim Hirschfelsen begonnen wird und
wenn auf den Abstecher von
Bibersohl nach Hohensohl
hinauf verzichtet wird. Wenn man sich dann noch traut, den „Urweg“ vom
„Neuen Hof Hohenberg“ auf
verwachsenem Waldweg hinunter zum Tannenäckerweg zu gehen wird die Strecke
zusätzlich um über 1 km kürzer. Das wird eine schöne gemütliche
Tageswanderung. Ein Gasthof liegt allerdings nicht am Weg, wohl aber zwei
Grillplätze auf dem letzten Viertel der Wanderung.
Nachdem die Forstleute das
Sturmholz des Sturms Lothar in mühevoller Arbeit ausgeräumt haben,
entwickelt sich auf den hoch gelegenen Waldlichtungen für ein paar Jahre
eine flächendeckende reiche Blumenpracht, seien es die Digitalis,
der weisse und der rote Fingerhut in Mannshöhe, der gelbe Flor des
Johanniskrauts (Hypericum) oder das rosafarbene Waldweidenröschen.
Auch der seltene weisse Eisenhut gedeiht um das Wentalweible prächtig.
Doch auch Historisches und
Sagenhaftes gibt es zu sehen.
Lassen Sie uns mit unserer Wanderung
beginnen und scheuen Sie sich nicht diese umfangreiche Beschreibung zu
lesen: Die Radler treffen sich auf dem Parkplatz am Steinheimer Rathaus
auf 540 Höhenmetern und fahren die Hauptstrasse westwärts, immer
geradeaus, Richtung Gnannenweiler. Bald verläuft neben der Fahrstrasse
rechterhand der Fuß- und Radweg bis zur Einmündung rechts ins Wental. Dort
sehen wir den mächtigen Hirschfelsen aufragen. Die Fußwanderer
parken hier auf dem Parkplatz ihr Fahrzeug. Am Fuße des Hirschfelsens geht
es nordwestlich weiter, auf Asphaltsträsschen durch Fichtenwald, leicht
ansteigend. Das Sträßchen zweigt nach einem halben Kilometer rechts zur
Staudammkrone ab, unser Weg geht jedoch 1 ½ km geradeaus weiter, auf
Kalksträßchen die „Rauhe Steig“ hinauf. Hier öffnet sich eine Wiesen- und
Heideflur auf 640 Höhenmetern, womit wir nach knapp 4 ½ km (vom
Hirschfelsen 2 km) unsere Wanderhöhe erreicht haben.
Stellen wir ruhig unsere Fahrräder unter
den alten Weidebuchen ab und wandern zu Fuß hinüber über die Wiesenaue zum
gegenüberliegenden nördlichen Waldrand. Kurz davor stoßen wir rechterhand,
auf einer Wiese in einem Gebüsch, auf einen Tiefbrunnen aus alter Zeit, er
misst oben etwa zwei Meter und ist noch nicht ganz verlandet.

Am Waldrand finden sich die Spuren des
Hofes zum Hohen Berge und 200 Meter westlich davon die des „Alten
Hohenberges“ Die Steinquader von den ehemaligen Höfen sind in
Gnannenweiler in alten Häusern verbaut, vielleicht auch im Kalkofen
verarbeitet.
Aus uralter Überlieferung wird dieser Platz
„Das Klösterle“ genannt. Der Platz ist wohl schon vor über tausend Jahren
besiedelt gewesen, denn im Jahre 1126 übertrugen ihn die Herren von
Stubersheim dem Prämonstratenserstift Roggenburg bei Krumbach als
Stiftungsgut.
Im Jahr 1226 findet sich in den
vatikanischen Registern ein Eintrag. In diese Zeit kann die Erzählung „Das
Klösterle oder die Höfe zum Hohen Berge“ gedacht werden. Erst im
Jahre 1368, nach der großen Pest, wurden die beiden Höfe vom
Zisterzienserkloster Königsbronn erworben, doch das Kloster konnte
offensichtlich die Höfe nicht bewirtschaften, die Menschen fehlten einfach
nach der Pest, und so wuchs Wald darüber.
Wohl über hundert Jahre später wurde die
Flur wieder beweidet und bewirtschaftet. Stammt aus dieser Zeit die
Homberghülbe am Hombergweg oder bestand diese auch schon vor tausend
Jahren inmitten des Weidelandes? Auf der Südseite der Klösterlesflur war
vor hundert Jahren ein Kalkofen in Betrieb.
Wenn sich die Fußwanderer trauen, können
sie nun den „Urweg“ vom „Neuen Hof Hohenberg“ auf verwachsenem Waldweg in
Richtung Nordwesten hinunter zum Tannenäckerweg gehen. Die Strecke wird
dadurch um über 1 km kürzer.
Die Radfahrer folgen aber unserem
Kalksträßchen zunächst nach Osten, wo es bald im Wald in einem leichten
Bogen nach Nordosten und schließlich nach Nordwesten abbiegt Wir sind auf
dem Klösterlessträßle. Dies führt nach 2 ½ km auf die Verbindungsstraße
Gnannenweiler -.Bibersohl, wobei die zweite Hälfte der Strecke als
Tannenäckerweg bezeichnet ist.
Sind wir auf der Kalkstrasse nach Bibersohl
kommen wir nach 100 m wieder auf eine Feldflur und nach weiteren 400 m
sind wir an den Gebäuden von Bibersohl, das ursprünglich zu Herwartstein
über dem Brenztopf mit Springen gehörte Die Staufer übernahmen diesen
Besitz wahrscheinlich direkt von den Saliern – bauliche Reste fand man in
Königsbronn aus dem Jahr 1030. Schauen wir uns ruhig die schöne Lage mit
den verschiedenen Hülben an. Hohensohl, das heute am Albvereinsweg zu den
Heidhöfen und 70 m höher liegt, scheint noch älter zu sein, denn es führte
daran auf der Höhe der Urweg, der heute noch benannte „Zigeunerweg“,
vorbei von Norden nach Süden, - doch finden wir oben auf Hohensohl nur
noch wenige Mauerreste, die derzeit aber total überwachsen sind. Im
Hochwald liegen auch auf Hohensohl Hülben und auf dem Weg dorthin öffnet
sich linkerhand eine große Doline. Oben auf dem Kamm, wo der „Alte
Zigeunerweg“ kreuzt, beginnt unser Rückweg, wieder hinunter nach Bibersohl,
und nun geht es bis Steinheim nur noch angenehm bergab.
In Bibersohl angekommen wenden wir uns nach
Süden, einige Meter zurück zum Waldrand. Hier biegen wir links ins Wental
ab. Nach 1 km sind wir im Mühlgrund, dem Talgrund im Wental, wo unser Weg
talabwärts nach rechts geht. 200 m weiter steht rechts an einer leichten
Linkskurve ein etwa 3 m hoher gespaltener Fels. An dessen Fuß finden wir
einen Grenzstein mit einem Ulmer Wappen: Unversehens sind wir in die
örtliche Historie eingebunden: 1519 wurde Herzog Ulrich von Wirtemberg vom
Schwäbischen Bund aus dem Brenztal vertrieben und die Besitzungen gingen
1529 von Kaiser Karl V. für 45.000 Rheinische Gulden an die Stadt Ulm, die
das Brenztal am 8. Mai 1536 gegen Erstattung dieses Betrages an Herzog
Ulrich zurückgab. In die Zeit der ulmischen Hoheit (1521-1539?) über die
„Herrschaft Heidenheim“ fielen die Anfänge der Reformation aber auch der
Beginn der Eisenverhüttung im Brenztal mit der Holznutzung zur Verkohlung.
Dass Teile des Steinheimer Waldes bis 1773 der Reichsstadt Ulm gehörte,
wie die Infotafel am Grenzstein sagt, mag sein; dass die Ulmer den Wald
aber von den Helfensteinern erworben haben, muss bezweifelt werden, weil
die beiden letzten Helfensteiner Brüder Konrad und Ulrich ihre „Herrschaft
Blaubeuren“ und die „Herrschaft das Brenztal“ an den Grafen von
Württemberg schon im Jahre 1447/1448 verkauft haben.
Achten wir im weiteren Verlauf unserer
Wanderung auf den Lehrpfad: Es finden sich hier durchaus seltene Baumarten
wie der Elsbeerbaum, eine mittel- und südeuropäische Baumart oder die
inzwischen seltene Ulme, die das Rüsterholz liefert. Die Heckenkirsche
trifft man dagegen überall an; sie lieferte das Weissbesenreisig, aus dem
noch vor nicht allzu langer Zeit Besen gefertigt wurden. Und Löcher des
Schwarzspechts sind in den großen Fichten zu sehen.
Nur 700 m nach dem Ulmer Grenzstein kommen
wir an einen weniger geschichtsträchtigen aber nicht minder
schicksalsbeladenen Ort. Links von uns ragt das Wentalweible in den
Himmel. Es ist die markanteste Felsformation im Wental, um die sich eine
Sage rankt in verschiedenen Variationen. Von drei Varianten weiß ich, Eine
davon wird frei erzählt, eine steht im Sagenbuch „Die Ostalb erzählt“ von
Fritz Schneider und die dritte kann man auf der Infotafel am Fuße des
Felsens lesen:
Die Sage vom Wentalweible
Vor Zeiten lebte in Steinheim eine
Krämerin. Sie war geizig und hartherzig. Auch in Zeiten der Not und
Teuerung betrog sie ihre Kunden noch bei Maß und Gewicht.
Eines Tages geriet sie auf dem Heimweg
durch das Wental in ein fürchterliches Gewitter. Ein gewaltiger
Blitzstrahl fuhr mit Donnerschlag vom Himmel und verwandelte sie zu Stein.
So steht sie nun seit langem in dieser
Felsenschlucht. Nur in den Herbststürmen der Andreasnacht, vom 30.
November auf den 1. Dezember, soll sie alljährlich unterwegs sein und wild
heulend ihr Schicksal bejammern:
Drei Vierleng send koi Pfond,
drei Schoppen isch koi Mauß.
Ei, ei, ei, und au,. au, au,
o hätt i no des Deng et dau
no müaßt i net em Wental gau.
Für Kinder gibt es noch eine weitere
größere Fassung über „Das
Wentalweible“.
300 m talabwärts kommen wir durch eine
düstere Engstelle des Tals mit schroffen Felswänden. Man sieht förmlich
das sich hindurchzwängende Wildwasser im Tertiär. Bei Regen empfängt uns
hier die Schutzhütte.
Einen Kilometer weiter gelangen wir in ein
liebliches Heidetal. Im Frühsommer blüht hier der Thymian und im August
das Heidekraut, die Calluna. Kurz bevor der Wald rechts an den
Heideweg heranführt steht ein kleiner Gedenkstein: „K. Birkhold, 1816“,
auf der Rückseite ist ein schönes Kreuz abgebildet.
Nun haben wir genügend Wissen angehäuft und
so ist eine gemütliche Rast mit Würstlebraten angesagt. Bald steht am Weg
rechts eine Ruhebank mit Tisch und an der linken Talseite verbirgt sich
zwischen Fichten der Grillplatz im Gnannental. Sollte diese Grillstelle
jedoch einmal überbelegt sein, finden wir noch eine Grillstelle 1 km
weiter unten, am Fuße des Staudamms talwärts.
Irgendwann wird es wieder Zeit zum
abendlichen Aufbruch. Noch knappe zwei Kilometer sind es bis zum Parkplatz
am Hirschfelsen für die Fußwanderer - und 4 ½ km bis zum Rathaus in
Steinheim. Noch einen Blick werfen wir auf der Staudammkrone hinüber zum
dunklen gegenüberliegenden Wald: Dort ragt ein Fels aus dem Grün. Der Fels
– so sagt man - sei ein Steinheimer, der immer noch auf Wasser hinter dem
Staudamm wartet. Tatsächlich gab es noch vor dem Staudammbau in den
vergangenen Fünfziger Jahren im Frühjahr eine mächtige Flut von
Schmelzwasser, dem Wedel, der von der Hochfläche des Albuch
herunterrauschte, mit Überschwemmungen in Steinheim und Heidenheim.