Radwanderung 29 km
Steinheim-Tauchenweiler-Weiherwiesen-Wental-Steinheim
Eine Tages-Radwanderung für die Familie
mit Einkehr- und Grillmöglichkeiten: Schneller Anstieg auf
"Wasserscheidenniveau" (auch Europäische Wasserscheide), bequeme
Höhen-Wegführung im Wald, an Hülben am Wegrand vorbei, Beobachtung von
Haus- und Wildtieren, von Wildblumen und Wildbeeren je nach Jahreszeit
mit Insekten wie Schmetterlingen, Libellen, Waldameisen. Nach halber
Strecke abfallender Weg durch feuchtes Naturschutzgebiet mit seltener
Flora und Fauna, dann durch Talauen, Heidelandschaften mit Calluna
vulgaris, durch offene Feldflur, durch bizarres Felsental und Hochwald.
Gesamtstrecke 29 km, angegebene Strecken
sind grundsätzlich ca-Werte!
(Klicken Sie auf die Landkarte, um eine
größere Ansicht zu erhalten, die Sie auch ausdrucken können)
Wir starten vom Parkplatz beim Steinheimer
Rathaus (540 Höhenmeter) und fahren zwischen dem Rathaus und dem
Pennymarkt hindurch nördlich, überqueren die Albuchstraße und nehmen links
den weiterführenden Buchenweg, der später nach einer Rechtsbiegung in den
Kerbenweg einmündet. Dort fahren wir nach links bis nach guten 100 m
rechts nach Norden zu die Höllentalstraße abbiegt. Nach etwa 200 m
gelangen wir auf freies Feld. Wir bleiben im Talgrund, auf einem
Kalksträßchen links am Kleintiergehege vorbei und fahren leicht ansteigend
bis hinauf zum Waldrand (580 Höhenmeter). Dort ist das Sträßchen flankiert
von den beiden Bettelbuchen, zu denen, so sagt man, einst vom Dorfe heraus
Essen gebracht wurde für pestkranke Wanderer, buchstäblich für arme
Teufel. Doch ein anderes Thema behandelt die Erzählung „Das
Höllental“.
Das Höllentalsträßchen überwindet ab dem
Waldrand auf 600 Metern 60 Höhenmeter. Wir gehen diesen Teil unserer
Radwanderung am besten zu Fuß im Schatten in aromatischer Waldluft hinauf
zum Quersträßchen, zur sog. Querplanie, der zweiten Wegekreuzung fast auf
der Höhe. Der Querplanie folgen wir nach Osten. Sie bringt uns im Hochwald
mit dem nächsten viertel Kilometer um weitere 10 Meter auf 650 Höhenmeter
zur Kreuzung mit dem Feldhülbensträßchen (dessen Asphaltbelag dort rechts
endet). Hier biegen wir nach links nach Norden in Richtung Zang ab und
fahren leicht bergan. Nach einem ¾ Kilometer öffnet sich rechts das Zanger
Feld mit einer vor Jahren neu gepflanzten Hochstamm-Obstwiese. Wir folgen
dem linken Waldrand noch einen halben Kilometer, wo der Waldrand nach NW
zurückgeht. Wir bleiben auf unserem Fahrsträßchen 100 m und biegen nach
der Viehweide links in das asphaltierte Feldsträßchen ein, das hinaufführt
auf die Höhe 670,2 m zu einem einsam in der Flur stehenden Kirschbaum.
Dort ist unser Scheitelpunkt: Von hier ab
bewegen wir uns 9 Kilometer bis fast zur Weiherwiese auf der
Wasserscheide: rechts geht es hinab zum Brenztal, später zum Kochertal und
zuletzt zum Remstal. Die andere Seite der Wasserscheide nimmt das Wental
ein.

Noch wenige Meter und es quert das Zanger
Sträßle. In dieses biegen wir nach rechts ein und gelangen bald zur
Hauptstraße in Zang, zum Schul- und Rathaus. Hier fahren wir kurz links,
um nach wenigen Metern rechts in den vom Albverein bezeichneten Weg
Richtung Tauchenweiler (7 km) einzubiegen.
Bald sind wir am Parkplatz am Waldrand, wo
wir, geradeaus, dem rechten Kalksträßchen, dem Bretterweg, folgen.
Entlang des fast durchgehenden Bretterwegs
finden wir immer wieder Hülben, die vor Jahrhunderten angelegt wurden.
Dies zeigt, dass unser Weg viele Jahrhunderte als Überlandweg genutzt
wurde. Heute ist das Kalksträßchen von Fahrradfahrern gern angenommen, die
weitab des Autoverkehrs große Strecken fahren wollen.
Die Stürme im letzten Jahrzehnt haben große
Wunden in den Baumbestand gerissen, doch die Natur heilt die Wunden
schnell: Jetzt blühen im Juli weite Bestände der
Digitalis, des
roten und des weißen Fingerhuts, oft mannshoch. Nahtlos geht diese Blüte
über in das Purpur des
Waldweidenröschens.

Vor der Grenzstockhütte laufen 6
Waldsträßchen zusammen. Wir fahren das Kalksträßchen, den Bretterweg,
rechts der Hütte weiter (nicht geradeaus!), in großem Linksbogen, dann
aber geradeaus nach Nordwesten. Der Albverein hat den Weg nach
Tauchenweiler unmissverständlich gekennzeichnet. Wo es früher einen
Kilometer auf sumpfigem Waldweg durch „Niemandsland“ ging, ist in den Weg
zum Abtransport des Lothar-Sturmholzes ein rauer Kalkschotter eingebracht
worden - bis auf restliche 100 Meter! Kurz davor liegt links noch eine
wunderschöne Hülbe.
Bald darauf stoßen wir auf das von rechts
heraufkommende Altburrensträßle im Bereich des ehemaligen
Würzbossenbrunnens. Kurz darauf steht die Gotthilf-Hartmann-Eiche am Weg.
Mit fast 700 Höhenmetern haben wir den höchsten Teil unserer Radwanderung
erreicht. Links drüben sehen wir durch den sturmgelichteten Wald
Bartholomä liegen. Der Weg senkt sich nun leicht, um am Waldrand noch
einmal zum Wirtshaus Tauchenweiler anzusteigen. Hier sind wir nicht nur
auf der örtlichen Wasserscheide, auch die Europäische Wasserscheide
(Nordsee / Schwarzes Meer) verläuft hier oben.
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Kurz vor dem Wirtshaus finden wir ein für den Albuch typisches
Naturdenkmal. Links in der Wiese (bitte nur außerhalb der
Vegetationszeit betreten!) liegt eine
Doline (Erdfall), eine
liebliche trockene Wiesenwanne. Gleich daneben, etwas höher gelegen,
liegt eine von einer Quelle gespeiste Hülbe. Öfter finden wir in der
Höhe, an Gratsituationen, solche Wasseraustritte. Und wie dieses
Wasser zutagetritt, verschwindet es auch gleich wieder im Karst des
Albuch. In großem Rahmen sehen wir dies bald drüben um die
Weiherwiesen.
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Das Wirtshaus Tauchenweiler ist derzeit
montags und dienstags geschlossen. Man sollte sich wegen der
Öffnungszeiten ggf. bei der Gemeinde Essingen erkundigen.
Für Romantiker gilt der von zwei mächtigen
Rosskastanienbäumen beschattete Wirtsgarten durchaus als lohnenswertes
Ziel (auch mit dem Auto über Essingen zu erreichen).
Wir fahren 100 Meter das asphaltierte
Sträßchen nach Norden bergab, biegen dann aber vorsichtig (Kalkschotter)
nach links ab. Eine kleine Anhöhe ist zu meistern, dann empfängt uns
wieder ein Asphaltsträßchen, das Eisengrubensträßchen, auf dem wir uns
rechts halten und weiterfahren, bis links Wiesen und Felder durch den
Waldrand sichtbar werden. Ein Kalksträßchen führt geradeaus weiter, dem
wir jedoch n i c h t folgen. Das Asphaltsträßchen endet hinter der
Einbiegung nach links am Waldrand. Wir sehen in den Wiesenauen den oberen
See liegen zu dem wir über einen schlechten Feldweg hinabfahren.
Wir haben ein außerordentlich schönes aber
auch empfindliches Feuchtbiotop vor uns. Der Albabbruch zum Remstal hin
ist kaum einen halben Kilometer entfernt. Es gibt selten eine schönere,
reichhaltigere Pflanzenwelt auf saurem Boden als hier. Aber es lohnt sich
zu jeder Jahreszeit, auch zu den "unwirtlichen Zeiten", hier
heraufzukommen.

Bitte beachten Sie unbedingt die
Hinweise zum Schutz dieses Naturschutzgebietes.


Das Naturschutzgebiet im Oktober:



Wenn jemand denkt, dies sei schon immer
pure Natur, der irrt. Hier oben war „Bergwerksgelände“:
Bohnerz wurde hier in größeren Mengen abgebaut. Schon von den
Kelten wissen wir das und die Alemannen haben hier oben ebenfalls Eisen
verhüttet. Seit ein paar Jahren wissen wir außerdem, dass unmittelbar
hinter dem nördlichen Waldstreifen der Weiherwiesen ein römisches Kastell
lag (zwischen Hammerstadt bei Aalen und Urspring).
Wir fahren weiter: ein kleiner Fußpfad
führt nach Osten, am unteren See links entlang. Bald stoßen wir auf ein
querendes Kalksträßchen, dem wir nach rechts folgen. In einem feuchten
Frühjahr speisen die Seen ein kleines Rinnsal, das aus dem
Weiherwiesentälchen kommt, durch den Fichtenbestand fließt, unter dem
Kalksträßchen hindurchläuft und links in einer großen Doline mit Abbrüchen
verschwindet; dies wird der „Wasserfall“ genannt. Auch dem Wasserlauf
entlang, bis zum Wasserfall, hat sich die Gelbe Schwertlilie (Iris
pseudacorus) wie auch der Blutweiderich angesiedelt. Das Kalksträßchen
führt bald wieder den Berg hinan in den Wald hinein. Wir bleiben jedoch im
Talgrund und fahren auf dem Grasweg durch die Heide, umsäumt von Fichten,
deren Zweige bis zum Boden herabreichen. Immer wieder kommen wir an
kleinen Dolinen vorbei. Das Kalkgebirge scheint hier vollkommen
durchlöchert zu sein.

Am Ausgang dieses Heidetälchens quert
wieder ein Kalksträßchen. Nur 25 Meter fahren wir dieses nach links und
biegen dann rechts in den Feldweg ein der durch die Felder hinaufführt.
Auch hier treffen wir wieder auf ein Kalksträßchen am Waldrand, das wir
rechts fahren und das nach Irmannsweiler hinaufführt. Bevor wir jedoch
den Waldrand verlassen, liegt links die „Tiefe Hülbe“. Im Sommer weiß man,
warum sie so benannt ist: Der Wasserspiegel liegt tief unten. Im
Frühjahr, wenn das Schmelzwasser von den Feldern und Wäldern um
Irmannsweiler herabkommt, Ist dieser Trichter, diese Doline, randvoll mit
gelbbraunem Wasser. Der oberirdische Ablauf wird jedoch wohl kaum einmal
Wasser sehen, weil das unterirdische Abflusssystem kontinuierlich Wasser
ableitet.
Weiter fahren wir das Sträßchen bergan,
einiges vor Irmannsweiler ist es asphaltiert.
Wieder haben wir eine Hülbe, mitten im Ort,
gegenüber dem Gasthaus, fast auf dem höchsten Punkt des Berges. Diese
wird auch aus dem Untergrund gespeist.
Irmannsweiler war schon immer ein
besonderer Ort, sogar mit Burg und Wassergraben, man könnte deshalb auch
von einer ehemaligen Wasserburg sprechen. Über eine noch frühere Zeit
berichtet die Erzählung „Die
Irminsäule zu Irmannsweiler“.
Jetzt geht es nur noch bergab! In der
Ortsmitte (nach dem Brunnen) fahren wir rechts die Straße Richtung
Bartholomä. Aber schon unmittelbar nach dem Ortsende geht links ein
asphaltierter Feldweg ab, der nach 200 Metern nach rechts durch die Felder
und Wiesen hinabführt in das obere Wental. Wo dieser Weg zusammentrifft
mit dem Sträßchen, das rechts von Bartholomä herunterführt, steht rechts
ein Gedenkstein für den Pfarrer Weng, der hier im Dreissigjährigen Krieg
von den kaiserlichen Truppen erschossen wurde, weil er sich geweigert
hatte, die restlichen Lebensmittel und das Geld der Gemeinde auszuliefern.
Und gleich über dem Weg liegen zwei
mächtige Dolinen, deren Öffnungen künstlich erweitert wurden. Hier wird
das geklärte Abwasser und das Oberflächenwasser der Gemeinde Bartholomä in
den Karst eingeleitet. Am 20. September 1968 wurde bei einem Färbeversuch
festgestellt, dass dieses Wasser nach 68 Stunden ausschließlich in der
Brenzquelle, dem Brenztopf in Königsbronn austritt. Das Wasser durchläuft
ein unbekanntes Labyrinth und unterfließt die Wasserscheide – die direkte
Entfernung beträgt nahezu 8 Kilometer.
Weiter fahren wir das obere Wental
hinunter, zunächst durch Heidegrund und an kleineren Felsen vorbei, dann
aber gelangen wir in das „Felsenmeer" mit seinen Dolomitfelsen und
natürlich mit den viel benutzten Grillplätzen.

Die Landesstrasse L1165 von Bartholomä nach
Steinheim quert bald das Tal, Auch hier finden wir eine Gaststätte, bevor
wir das letzte Stück, das eigentliche
Wental (ext.), die letzten zehn Kilometer
hinabfahren. Unser Weg führt uns rechts der Landesstrasse nach Süden in
den schmalen Taleinschnitt hinein.


Das Wental im einzelnen zu beschreiben wäre
einerseits zu umfangreich, andererseits sind der Waldlehrpfad und die
Besonderheiten dort so gut beschildert und beschrieben, dass es jedem
überlassen bleibt, wieweit er sich dort kundig macht. Doch auf vier Dinge
möchte ich hinweisen: Auf die Spechthöhlen in den alten Fichten, auf die
Felsformation Wentalweible, wozu auf die Erzählung „Das
Wentalweible“ verwiesen wird, auf das liebliche Gnannental – auch
eine Heidelandschaft , die insbesondere Mitte August während der
Heideblüte, der Calluna vulgaris besonders reizvoll ist (Erzählung „Das
Gnannental“) und schließlich auf die Felsformation am Ausgang des
Wentals, auf den Hirschfelsen (Erzählung „Der
Hirschfelsen“ ).
Am Ausgang des Tales treffen wir auf die
Gemeindestraße Steinheim - Neuselhalden. Hier halten wir uns zunächst
links auf dem Rad- und Gehweg, müssen uns dann aber schließlich doch
wieder an den geregelten Straßenverkehr gewöhnen.
Die weitere Orientierung ist leicht: Es
geht nur noch nach Osten, hinein nach Steinheim, bis wir bei unserem Auto
am Rathaus ankommen.