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Spuren auf dem Albuch

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I

Irmannsweiler

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 6. Auflage 1994

Nr. 7226 -Oberkochen

Irmannsweiler im Planquadrat 02/75

Geologische Grundlage: Feuersteinreiche Lehmüberlagerung des Weißjura mit Erzeinschlüssen (Bohnerz).

Das vorchristliche Irmannsweiler teilt vermutlich das Schicksal der keltischen Eisengewinnung bei den Weiherwiesen.

"Siedlung des Irminbold"

Es ist nicht ausgeschlossen, daß durch germanische Einflüsse, auf der höchsten Erhebung, eine Irminsäule stand.

Irminsäulen: "... demselben Gotte waren auch wohl die sogenannten Irmensäulen (Irminsul) geweiht, wie im uneigentlichen Sinne dieser Ausdruck zur Bezeichnung großer Säulenschäfte oder Standbilder von fränkischen Schriftstellern bis ins 14. Jahrhundert gebraucht wird."

Irmannsweiler, Weiler mit abgegangener Burg nnw von Steinheim (in der Nachbarschaft Erchenbrechtesberc, Fachensol, Machalmeswilare, Wenelenwilare, Hohensol, Louveswilare, Babenwanc, Chorben)

("... dazu kommen im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts eine Anzahl von "...weiler-Orten", sowie Siedlungen mit den Grundwörtern "-berg" und "-sohl").

Mehrere Orte der Ausbauzeit sind wohl nach Angehörigen der alemannischen Herzogsfamilie benannt (Beispiel: Geroldsweiler war benannt nach dem Bayernpräfekten Gerold (+799), einem Urenkel Huochings. In Itzelberg steckt der Name Utzilo, den ein Bruder Gerolds trug).

Urkundlich belegt:

1143 "... in locis ... Irmboldeswilare" Besitz des Klosters Anhausen - wohl schon seit 1125 oder gar seit 1113 (siehe unten „Das Haus der Pfalzgrafen)

1349-1364 - Diemar der Essinger von Irmboltzweiler - Irmannsweiler ist dem Ritter Diemar von Essingen versetzt, der auf der dortigen Burg seinen Wohnsitz hatte.

1354 löst Gräfin Maria von Helfenstein die Pfandschaft für Irmboltzwiler ein.

1356 Yrmelboltzwiler

1358 verzichtet der Abt von Anhausen auf die Rechte an „Irmboltzwiler, Rehwasser, Rächenzell, Vachensohl und Mackmanswiler, die damit endgültig an die Herrschaft Helfenstein kamen.

1463 Irmansweyler

1492/94 "... Uff dem Albuch liegt ein Burgkstal und weylerstat genant Irmanssweyler."

1556 hat Gertraud Rossnagel „der Herrschaft aigen wayd Irmezwyler sampt Rechenwasser und Rechenzell ... inne“

1557 Ermanschweiller

1576 kauft die Herrschaft Heidenheim von den Erbinhabern Irmannsweiler zurück und baut ein Forsthaus darauf.

1580 stehen außer dem Forsthaus wieder zwei Bauernhöfe in Irmansweyller. Irmannsweiler ist nach Steinheim verpfarrt, der Zehnte geht an die Herrschaft.

1619 Irrmannsweiler

1844 Irrmansweiler

Wie weit lässt sich die Ansiedlung Irmannsweiler geschichtlich zurückverfolgen?  

(Im Albuch-Bote (ext.) am 30.08.2001 veröffentlicht)

Finden wir einen Anhaltspunkt zur Namensgebung und damit zu einer zeitlichen Fixierung der Gründung? Diesen Fragen wollen wir nachgehen ohne jedoch einen wissenschaftlichen Anspruch erheben zu wollen.

Im Ortsnamenbuch des Kreises Heidenheim, einer Veröffentlichung der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (1987), finden wir als Deutung des Ortsnamens: „Siedlung des Irminbold“. Damit könnten wir uns begnügen, wenn wir wüssten, wer Irminbold ist. Nachgewiesen ist, dass Orte, gegründet während der Ausbauzeit (ca. 8. Jahrhundert n. Chr.) nach Angehörigen der alemannischen Herzogsfamilie benannt wurden (Beispiel: ehem. Geroldsweiler, zwischen dem Wental und Steinheim, nach dem Bayernpräfekten Gerold, gestorben 799), doch für Irminbold fehlen entsprechende Informationen.

Lassen Sie uns weiter suchen:

...weiler-Gründungen wie Irmannsweiler sind dem 8. und 9. Jahrhundert zuzuordnen, was nicht heißt, dass dort nicht schon vorher eine Ansiedlung bestand. Allein der Name Irmin weist auf Zusammenhänge einer germanischen, einer vorchristlichen Tradition hin. Wir leben auf dem Albuch in „keltischem Gebiet“. Zwischen die keltische und römische Zeit schieben sich jedoch germanische Einflüsse, womit wir im Grenzbereich des Mythischen stehen. Irmin war zumindest für zwei germanische Hauptstämme der Stammesgott, er entsprach dem römischen Kriegsgott Mars. Nach Tacitus reichte der Einflussbereich des Germanenstammes, der „Hermiones“, bis zu uns nach Süden herunter.

 

Vor wenigen Jahren fanden sich bei Grabungen in den Weiherwiesen Reste eines römischen Kastells des Alblimes mit Resten der keltischen und der späteren alemannischen Eisengewinnung. Es ist anzunehmen, dass Irmannsweiler an der Eisengewinnung beteiligt war. Die ausgesetzte Anhöhe mit ihrem Wasservorkommen, auf der Irmannsweiler erbaut ist, legt den Betrieb von Rennöfen (Eisenschmelzen) nahe. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Germanen, im südlichsten Gebiet ihres Einflussbereichs eine Irminsäule errichtet hatten. (Als Beispiel für aufgerichtete Steine siehe auch 1. Buch Mose, 28.Kapitel, Verse 11-19: Jakob spricht: ...hier ist die Pforte des Himmels ... und er richtet einen Stein auf zu einem Mal und nennt die Stätte Beth-El).

Damit könnte der erste Teil des Namens  I r m i n bold erklärt sein. Zum zweiten Teil darf ebenfalls eine Annahme dienen: Das Germanische und das Römische mischten sich im Bereich des Alblimes. Bolus bedeutet im Lateinischen die Tonerde, weiße Tonerde oder eisenerzhaltige Tonerde... diese Erde ist um Irmannsweiler zu finden. Könnte es sein, dass sich Irminbold sowohl auf den Germanischen Kriegsgott wie auch auf das irdische Pendant, auf das Eisenerz bezieht?

 

Nun schauen wir auf das geschichtliche Umfeld:

Gegen Ende des 6. Jahrhunderts missionierten iroschottische Mönche, die religiöse Stammessitten tolerierten, von Würzburg aus auch dieses Gebiet. Im Westen, in Sichtweite von Irmannsweiler, erhebt sich der Kolmannsberg mit Resten einer ehemaligen Kapelle an der römischen Heerstrasse Hammerstadt (Aalen) - Weiherwiesenkastell – Kastell Urspring. Ein Strassenname in den Heidhöfen weist auf den Heiligen Coloman hin.

Bonifatius, der Gründer des Klosters Fulda, führte im 8. Jahrhundert das „iroschottische Christentum“ der katholischen Kirche zu. Irmannsweiler lag zwischen den fuldaischen Besitztümern Hammerstadt (Aalen) und Steinheim. Aus dieser Zeit gibt es keine urkundlichen Nachweise der Existenz von Irmannsweiler. Doch es scheint, dass der Platz auch während der Herrschaft des Alemannenherzogs Gotefried (gestorben 709) besiedelt war. Aus diesem Erbe, über die Karolinger und/oder über die Bertholdsippe, scheint großer Besitz an die Herren von Stubersheim-Ravenstein (die Adalbertsippe) gegangen zu sein. Die Tochter Adelheid (1089) brachte Güter auf dem Albuch in erheblichem Umfang ein in die Ehe mit Pfalzgraf Manegold, dem Herrn von Moropolis (dem alten Heidenheim). Irmannsweiler lag am „Pfalzgrafenweg“ zwischen Lutterburch (Lauterburg) und Moropolis.

 

Pfalzgraf Manegold gilt als der Initiator des Benediktinerklosters Anhausen. Seine Söhne gründeten dieses zunächst im umtriebigen Langenau, siedelten es aber dann um nach „Husen an der Ach“, nach Anhausen. Aus der Stubersheimer Mitgift der Adelheid ging Irmannsweiler an das Kloster Anhausen, wenn nicht schon 1113, dann aber 1125.

1143 ist Irmannsweiler als Irmboldeswilare im Güterverzeichnis des Klosters Anhausen erstmals urkundlich benannt. Die Benennung des Ortes wandelt sich oft , fast bis zur Unkenntlichkeit.

Ulrich III. von Helfenstein (1273-1315) hält die Vogteien ... Anhausen ... und ist damit auch Herr von Irmannsweiler.

1349-1364 ist „Diemar der Essinger“ Herr von „Irmboltzweiler“. Die Helfensteiner mussten Irmannsweiler aus Geldmangel an ihn verpfänden. In dieser Zeit ist sogar die Existenz einer kleinen Wasserburg auf Irmannsweiler wahrscheinlich.

1354 löst Gräfin Maria von Helfenstein die Pfandschaft ein.

1356 erscheint Irmannsweiler als Yrmelboltzwiler, 1463 als Irmansweyler

1492/94 erscheint im Württembergischen Lagerbuch: ...uff dem Albuch liegt ein Burgkstal (Burgstall) und weylerstat genant Irmanssweyler“

1557 wird unser Weiler gar Ermanschweiller genannt

1576 kauft die Herrschaft (Haus Württemberg) von den Erbinhabern Irmannsweiler zurück und baut ein Forsthaus darauf. 

1580 stehen außer dem Forsthaus wieder zwei Bauernhöfe in Irmansweyller. Irmannsweiler ist nach Steinheim verpfarrt, der Zehnte geht an die Herrschaft (HausWürttemberg).

Irmannsweiler teilt fortan das Schicksal der größeren Ansiedlungen auf dem Albuch.

 

Irmannsweiler ist einer der 70 Ansiedlungen auf dem Albuch, die in der Arbeit „Spuren auf dem Albuch“ von Adalbert Feiler beschrieben sind. Im historischen Teil der Arbeit finden Sie außerdem eine chronologische Beschreibung der kosmischen, mythischen und historischen Zeitabschnitte unserer näheren Heimat. Hauptgegenstand des Buches sind jedoch Erzählungen. Zum aktuellen Thema finden Sie die Erzählung Die Irminsäule zu Irmannsweiler“.

 

Itzelberg

„Siedlung des Utzilo“

Mehrere Orte der Ausbauzeit sind wohl nach Angehörigen der alemannischen Herzogsfamilie benannt. Beispiel: "Geroldsweiler war benannt nach dem Bayernpräfekten Gerold (+799), einem Urenkel Huochings. In Itzelberg steckt der Name Utzilo (Ulrich), den ein Bruder Gerolds trug."

"... dazu kommen im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts eine Anzahl von "...weiler-Orten", sowie Siedlungen mit den Grundwörtern "-berg" und "-sohl".

Urkundlich erwähnt:

1302 Der Ort wird als „Utzelenberg“ erstmals unter den Gütern genannt, die König Albrecht I. zur Ausstattung des Klosters Königsbronn erworben hatte.

1471 war der ursprünglich nicht unbedeutende Ort fast ausgestorben.

1479 überträgt Abt Johannes den Eisenschmieden Hans und Jörg Weinhart die dortige Eisenschmiede ... mit Äckern, Mühlgarten, Wiesenmahd sowie das Mahd zu Breitensohl.

Um 1538 standen bereits wieder 22 Häuser, die Behausungen der Tagelöhner und der Schmiede.

1576 hat das Kloster die Eisenschmiede zurückgekauft und abgebrochen und an ihrer Stelle einen Schmelzofen mit einer Kohlhütte und einen Pochhammer erbaut.

 

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