www.feilerseiten.de

 

Spuren auf dem Albuch

Zurück Nach oben Weiter

 

Württemberg

Ein feste Burg ist unser Gott,

Ein gute Wehr und Waffen.

Er hilft uns frei aus aller Not,

die uns jetzt hat betroffen.

Der alt böse Feind

mit Ernst er's jetzt meint,

groß Macht und viel List

sein grausam Rüstung ist,

auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unserer Macht ist nichts getan,

wir sind gar bald verloren;

Es streit für uns der rechte Mann,

den Gott hat selbst erkoren.

Fragst du, wer der ist?

Er heißt Jesus Christ,

der Herr Zebaoth,

und ist kein andrer Gott,

das Feld muß er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär

und wollt uns gar verschlingen,

so fürchten wir uns nicht so sehr,

es soll uns doch gelingen.

Der Fürst dieser Welt,

wie sau'r er sich stellt,

tut er uns doch nicht:

das macht, er ist gericht'

ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn

und kein' Dank dazu haben;

er ist bei uns wohl auf dem Plan

mit seinem Geist und Gaben.

Nehmen sie den Leib,

Gut, Ehr, Kind und Weib:

laß fahren dahin,

sie haben's kein' Gewinn,

das Reich muß uns doch bleiben.

(Text und Melodie Martin Luther, 1529)

 

1448 verkaufen die Brüder Ulrich und Konrad, Grafen von Helfenstein um 58 300 Rheinische Gulden die Herrschaft Hellenstein bzw. die Herrschaft Brenztal an Graf Ulrich d. Vielgeliebten von Württemberg. Dazu gehört Steinheim mit Umland "mit aller unserer Herrlichkeit, Gewaltsamen, Lehenschaften, geistlichen und weltlichen Vogteien, Gerichten, Zwingen und Bännen, Freveln, Fällen, Diensten und Gülten, Burgställen, Höfen, Holz, Feld und Wasser samt dem Wildbann."

Der Übergang dieser Herrschaft an Württemberg ist zunächst keine glückliche Lösung, da die Region durch das Territorium der Stadt Ulm und die Herren von Rechberg von Württemberg abgetrennt ist.

Durch die Interessen des württembergischen Staates und infolge der Reformation kommt es zu einer immer stärkeren Abschließung gegenüber den katholischen Nachbargebieten im Osten.

Das große Interesse der württembergischen Herrscher kommt darin zum Ausdruck, dass Herzog Friedrich I (1593-1608) die Bedeutung der Eisenwerke erkennt und sich den Titel "Herr zu Heidenheim" zulegt. Herzog Eberhard Ludwig (1693-1733) nimmt später das Schild der Herrschaft Heidenheim in das Wappen seines Hauses auf.

Als die Heidenheimer Herrschaft 1448 württembergisch wird, ist die Heidenheimer Eisenhütte wieder abgegangen.

Württemberg behält die Herrschaft im Brenztal zunächst nur zweieinhalb Jahre. 1449 beginnt der Krieg der schwäbischen und fränkischen Städte gegen den Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach. Im September brennen die Ulmer die Klöster Herbrechtingen und Anhausen nieder. Graf Ulrich (der Vielgeliebte) von Württemberg verkauft die Herrschaft im Brenztal für 60.000 Rheinische Gulden an seinen Schwager, Herzog Ludwig den Reichen von Bayern. Die Herrschaft im Brenztal ist vom Kern des Landes Württemberg zu weit entlegen und lässt sich im Kriegsfall kaum behaupten.

Im 15. Jahrhundert entstehen Eisenschmieden in Springen am Brenz-Quelltopf und in Itzelberg.

Um die Mitte des 15. Jhdts. gibt es in Springen nur zwölf armselige Söldhäuslein, deren Inhaber nur über kleine Hausgärten verfügen. Es sind wohl Tagelöhner und Schmiede des Eisenwerkes.

Zwischen 1450 und 1504, als die Herrschaft Heidenheim bei Bayern ist, wird die Wiedererrichtung einer Eisenschmiede erwogen, jedoch erst 1511 wird die Eisenschmiede in Heidenheim unter Herzog Ulrich von Württemberg wieder neu errichtet.

1463 wird der Zustand des Waldes beschrieben: "Es statt aber in sollchem Platz nit sonderlich guat Holltz. In den mehrer taihls Bürckken undt wenig Buechenn auch etlich Aichen - liederlich untauglich Holltz."

Zur Zeit der Abfassung des Heidenheimer Salbuchs (Zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts) liegt Küpfendorf öde. Das Salbuch sagt: "Kirppfendorf ist vor 60 Jahren ein Dorf gewesen und hat der Abt von Königsbronn dasselbst ein Widdumhof und 17 Söld und Hofstett gehabt, die Herrschaft ein Gut und Anhausen ein Gut. Dasselb Dorf ist ganz unpewlich geworden und die Leut nymer dasein." Wann Küpfendorf wieder aufgebaut wird, ist unbekannt.

Die Eigenleute des Klosters Königsbronn sind annähernd aufgrund des Lagerbuchs von 1471 bekannt. Ihm zufolge denn die Eigenleute der Herrschaft in ... sowie die Königsbronnischen Leibeigenen in Springen hat Königsbronn in Steinheim einen Mann und eine Frau und ihre Kinder zu eigen. Diese Eigenleute leben vermutlich auf dem, dem Kloster gehörenden Hof St. Margareth (unbekannt abgegangen), und Steinheim sind im Lagerbuch nicht verzeichnet, da sie, solange sie in diesen mit Stadtrecht bzw. Marktrecht begabten Orten sitzen, als Bürger gelten und weder Leibsteuer, Todfall noch Brautlauf zu reichen brauchen.

Michelstein erscheint 1471 als "Burgstall" im Besitz des Klosters Königsbronn.

Zum Amt Anhausen gehören im Jahre 1474 (Lagerbuch) das Kloster Anhausen ...die Weiden auf dem Albuch (Hesselschwang und Hohensohl) und ... der Ort Söhnstetten.

Kaiser Friedrich III. verleiht 1491 den Blutbann für das Steinheimer Gericht. Das Hals(Hoch)gericht war zunächst nur auf sühnbare Vergehen beschränkt. Erst mit dem 1491 vom Kaiser übertragenen Blutbann können Todesurteile gesprochen und vollstreckt werden. Das Steinheimer Gericht bleibt bis 1553 höchstes Gericht für die Untertanen des Königsbronner Klosters.

Die höchste Gerichtsbarkeit, die Blut- oder Malefizgerichtsbarkeit, die sich im Gefolge der Landfriedensgesetzgebung seit dem 12. Jhdt. entwickelt hat, umfasst alle todeswürdigen Verbrechen, wie Mord, Totschlag, Notzucht, Raub und gewohnheitsmäßigen Diebstahl. Sie bleibt dem mit dem Blutbann ausgestatteten Hochgericht vorbehalten, dessen Symbole Stock und Galgen sind.

1504 wird nach dem Krieg das Brenztal dem Herzog Ulrich v. Württemberg ausgehändigt.

Im 16. Jhdt. wird Irmansweiler von der Herrschaft neu gegründet.

1511 wird die Eisenschmiede in Heidenheim unter Herzog Ulrich von Württemberg neu wiedererrichtet.

Der Bauernaufruhr des "Armen Konrad" 1514 findet auch im Brenztal Widerhall. Die königsbronnischen Bauern in Steinheim fordern, daß der Abt die ihnen nachteilige Schäferei auf dem Klosterhof aufgibt.. Es kommt zu Gewalttätigkeiten, was der Abt als "Conspiration" und "böse Vereinigung" ansieht. Die Rädelsführer werden verhaftet und mit einer Geldstrafe belegt. Die übrigen sollen 20 Tage fronen. Auf Fürsprache der benachbarten Prälaten wird jedoch die Fron in eine Geldbuße umgewandelt.

 

Frondienste:

Ein Bericht, den der Heidenheimer Kastner auf Verlangen des Herzogs Ulrich 1515 nach Stuttgart einreicht und der wörtlich ins Lagerbuch von 1556/57 übernommen wird, besagt, daß alle Dienste, zu denen die Bauernschaft verpflichtet ist, als Reallast den Gütern anhängt: Jeder Bauer dient seit alters mit demselben "Rüst" (Gespann) mit dem er aufs Feld zu fahren pflegt, d.h. die Vollbauern mit der ganzen "Menin" (Möhne =

Viergespann), die übrigen je nachdem, mit einem oder mit zwei Rossen. Die Söldner dagegen sind verpflichtet, so oft sie angefordert werden, mit der Axt, der Hacke oder der Schaufel zu dienen.

Regelmäßige oder "gewöhnliche" Fronen werden in allen Flecken für die Amtleute der Herrschaft geleistet. Jeder Amtsknecht hat Anspruch darauf, dass ihm seine Amtverwandten je zwei Jauchert Acker (1 Jauchert ist ein Joch, d.h. ein Feldstück, das an einem Tag mit einem Ochsengespann umgepflügt werden kann = ca. 5000 qm) und mit Winterfrucht und mit Sommerfrucht in Fron bauen. Dabei sollen diejenigen, die keine ganze Menin sondern nur eines oder zwei Rosse haben, zusammenspannen und dem Amtsknecht in jeder Saat mit der Egge dienen.

Auch haben die Amtverwandten den Amtsknecht zu "beholzen", teils aus Gemeindewäldern, teils aus Wäldern der Herrschaft. Dabei haben die Söldner das Holz zu fällen und in Scheite zu zerkleinern, die Bauern aber die Fuhrdienste zu leisten. Als Entgelt erhalten die Froner vom Amtmann meist ein Fronbrot, in der Wintersaat auch ein Mahl, die Spanndienste leistenden Bauern Futter für ihre Pferde.

In Steinheim, in Küpfendorf und Sontheim i. St. dienen die Vollbauern jährlich 5 Tage mit der ganzen Möhne und 6 Tage mit der Hand, die Inhaber von Lehen nur mit halber Möhne und die Söldner 6 Tage mit der Hand ( 2 Mäherdienste, 2 Heudienste, 2 Schnitterdienste)

Der Inhaber des Klosterhofes in Steinheim hat mit einer guten Möhne mit vier starken Rossen eine Fuhre Wein von Reutlingen ins Kloster Königsbronn zu bringen.

In allen Königsbronnischen Flecken steht es im Ermessen des Klosters, für die Dienste Geld zu fordern, z.B. von den zu täglichen Diensten verpflichteten Bauern in Söhnstetten jährlich 1 fl. (1 fl = Abkürzung für Florin = wertmäßig 1 Gulden - siehe auch Dukat 1284).

Zu diesen "gewöhnlichen" Fronen, die regelmäßig für die Amtleute der Herrschaft bzw. für die Klöster geleistet werden, kommen unregelmäßige Fronen, die der Landesherr in Anspruch nimmt für Straßenbau, Vorspanndienste, Hilfeleistungen in Kriegs- und Notzeiten. Hierher gehören auch die Fronen für den Bau, den Unterhalt und die Beholzung der Burgen, Amtshäuser und sonstige herrschaftliche Gebäude.

Auch von den Klöstern werden von der Herrschaft Dienste verlangt.

Für das Kloster wird festgelegt: "Die Herrschafft mögen jährlich ihr Jäger mit sammt Knechten, Pferden und Hunden sechs Wochen in das Kloster legen. Desgleichen mag die Herrschafft etliche Schwein in das Closter schicken und sechs Wochen darinnen lassen, allda uss- und aintreiben alls andere ihre Schwein."

(Die Prälaten von ... Königsbronn schenkten dem Pfleger zu Weihnachten freiwillig ein Schwein im Wert von 4 oder 5 Gulden).

1519 wird Herzog Ulrich von Württemberg vom Schwäbischen Bund aus dem Brenztal vertrieben und die Besitzungen gehen 1529 von Kaiser Karl V. von Österreich für 45.000 Rheinische Gulden an die Stadt Ulm.

1529 wird durch Abt Melchior Ruof in Königsbronn ein neuer Anfang gesetzt für die Eisenschmieden in Königsbronn.

1529 erscheint der Begründer der industriellen Eisenverarbeitung im Brenztal: Georg Besserer, geb. 1502, aus Ulm.

Besserer ist Spross einer Ulmer Patrizierfamilie, die über lange Jahre auch den Bürgermeister von Ulm stellte. Ihr Vermögen hatte die Familie aus dem Wollhandel des 14. Jahrhunderts und aus dem Handel des 16. Jhds. mit Kürschnerwaren, Barchent, Leinwand und Wein nach Italien und in die Donauländer, woher sie Baumwolle, Stahl, Eisen, italienischen und ungarischen Wein, Ochsenhäute und Salz als Rückfracht importierten.

1529 werden Besserer drei erzhaltende Berge zur Nutzung angewiesen für die Zeit, da er selbst die Schmiede betrieb: Rauhenbuch (Rauhbuch, östlich Schäfhalde), Ratzenberg (Retzenberg, südöstlich Küpfendorf, Ostseite des Ugentales) und Wellisberg (Wellesberg, südöstlich Küpfendorf, Westseite des Ugentales).

Diese frühe Industrialisierung führt zur Spezialisierung der Berufe: Erzknappen, Erzführer, Holzhauer, Köhler, Kohlenführer, Ofenknechte, Aufsetzer, Schmelzer, Schlackenschieber, Hammerschmiede, Former, Gießer und Gußputzer.

Das Holz zur Verkohlung und damit zur Eisenverhüttung wird Besserer vom Ulmer Rat aus den Heidenheimer Wäldern kontingentiert.

Auf dem Albuch künden verlassene Köhlerplatten, auch Kohlplatten genannt, von der einstigen Tätigkeit der Köhler. In unserer Nähe finden wir diese zwischen dem Steinhirn und der Mühlhalde. An der Straßenkreuzung der Königsbronner- und der Zangerstraße, oben am Walddistrikt Hitzingsweiler, ist eine Köhlerplatte wieder in Betrieb.

Eine Köhlerplatte ist eine in der Mitte etwas erhöhte kreisrunde Erdplatte mit einem Durchmesser von 6 bis 8 m. Darauf wird der Meiler gebaut: meterlange Laubholzprügel werden senkrecht oder leicht geneigt in zwei Etagen aufeinandergeschichtet und mit einer luftabschließenden feuerfesten Decke abgedichtet. Diese Decke hat zwei Schichten: das "Rauhdach" aus Gras, Laub und Moos und darüber das Erddach aus Erde und einer Erdmischung früherer Kohlungen. Ein Meiler fasst ca. 25 Raummeter Holz. Der Meiler wird oben in der Mitte entzündet. Der Abbrand erfolgt kegelförmig mit der Spitze nach unten und von der Mitte nach außen. Erst steigt weisser Rauch (Wasserdampf) auf, dann gelblicher mit stechendem Geruch. Schließlich brennt eine blaue Kohlenoxidflamme.

Der Meiler brennt 4 bis 6 Tage. In dieser Zeit muß er ständig sorgfältig gewartet werden. Durch Öffnungen wird mit entsprechender Sauerstoffzufuhr der Abbrand reguliert. Zum Abkühlen wird der Meiler mit dem Störhaken auseinandergezogen.

Abhängig von der Holzart, vom Wetter, insbesondere vom Wind und vom Können des Köhlers verbleiben als Holzkohle, fast reiner Kohlenstoff, etwa 50-60% des ursprünglichen Holzvolumens oder 25% des ursprünglichen Holzgewichtes.

Abt Melchior Ruoff (1513-1539) des Klosters Königsbronn lässt auch Stückkugeln und Ofenplatten gießen. Er betreibt ab 1532 aber auch die Wiederbesiedelung des Albuchs, wo seit dem 14. Jahrhundert (Pestauswirkung) mehrere Höfe und Weiler abgegangen sind. Ihm verdanken wir das heutige Siedlungsbild auf dem Albuch. Die um die Mitte des 16. Jahrhunderts wieder aufgebauten oder völlig neu gegründeten Siedlungen unterscheiden sich deutlich in reine Arbeitersiedlungen in der näheren Umgebung des Klosters und in rein bäuerliche Siedlungen auf dem Albuch.

1534 verlieren das Stift Herbrechtingen und das Kloster Anhausen ihre Selbständigkeit an Herzog Ulrich von Württemberg.

Am 8. Mai 1536 gibt die Stadt Ulm gegen Erstattung der 45.000 Rheinischen Gulden das Brenztal an Herzog Ulrich von Württemberg zurück.

1536 lässt sich Besserer, nachdem die Herrschaft wieder württembergisch ist, von Herzog Ulrich von Württemberg das Erzlehen, mit der Beschränkung der Holznutzung, bestätigen. Für die Begünstigung des Herzogtums bei der Belieferung von Eisenprodukten erhält er das Recht, seine ungetreuen, ungehorsamen und böswilligen Arbeiter zu "gehorsamen", indem diese in Eisen geschlagen werden können, jedoch nur mit Wissen des herzoglichen Kastners zu Heidenheim. Bei Malefiz oder Frevel kann der Betreffende nur vom Herzog zur Verantwortung gezogen werden.

 

Zurück Nach oben Weiter