Spätmittelalter
Cantico del Sole
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
Dein
sind das Lob, der Ruhm, die Ehr und aller Segen.
Dir
gehören sie, Höchster, allein.
Kein
Mensch ist wert, Dich zu nennen.
Gelobt seist Du, mein Herr, samt all Deinen Kindern
Und
der Schwester Sonne besonders,
denn
am Tage zündst Du für uns sie an!
Schön ist sie und strahlt in großem Glanze.
Von
Dir, o Höchster, bringt sie Kunde.
Gelobt seist Du, mein Herr, für Bruder Wind
und
Luft und Wolken, freundliches und jedes Wetter!
Mit
ihnen hegst Du Deine Kinder.
Gelobt seist Du, mein Herr, um Wassers Willen!
Das
ist so nützlich, schmiegsam, keusch.
Gelobt seist Du, mein Herr, für Bruder Feuer!
Die
Nacht erhellst Du uns mit ihm
Und
schön ist er und munter und gewaltig und stark.
Gelobt seist Du mein Herr, für unsere Mutter Erde!
Die
hegt und trägt uns,
Und
vielerlei Frucht und farbige Blumen treibt sie und Gras.
Gelobt seist Du, mein Herr, für alle, die verzeihen
Und
Krankheit dulden und Mühsal Dir zulieb!
Selig, wer es in Frieden erduldet,
Denn
von Dir, Höchster, wird er gekrönt.
Gelobt seist Du, mein Herr, für unsern Bruder, den fleischlichen Tod,
Dem
kann kein lebender Mensch entgehen;
Weh
denen, die in Todsünden sterben!
Doch
selig, wen Du hältst in Deinem heiligen Willen,
Ihm
tut der zweite Tod kein Leid.
Lobet und preiset meinen Herrn und danket ihm
Und
dient ihm in herzlicher Demut.
(Sonnengesang des Franziskus von Assisi (1181-1226), übertragen von Karl
Vossler)
1284
wird in Venedig der Zecchino, der sog. Dukat, ein Goldstück (3,49 g, 0,986
fein) geprägt, der vom Wert her
dem Gulden entspricht. Der Dukat ist eine der stabilsten Münzen über
Jahrhunderte. Die Reinheit des Metalls, das Gewicht und die Prägung
blieben gleich. Der Name Dukat leitet sich von der Umschrift der
venezianischen Münze ab: Sit tibi Christe datus quem tu regis iste d u c a
t u s (dieses Herzogtum, das Du regierst, sei Dir, Christe, geweiht).
Die
kriegsbedingte Verschuldung des Ulrich II. von Helfenstein führt dazu,
dass Ulrich III. im Dienste König Albrechts I. (Sohn des
Habsburgers Rudolf I.) 1295 am Feldzug nach Thüringen teilnimmt,
wofür der König Ulrichs Gläubiger zufriedenstellt.
Die
Helfensteiner sind bei den Rittern von Rechberg mit 800 Mark Silber
verschuldet (1 Mark = 233,856 g Silber, 800 Mark = 187,085 kg Silber).
Auch deshalb ist dann Graf Ulrich gezwungen, Herwartstein zu verkaufen
König
Albrecht kauft die Burg Herwartstein (1302)
mit den dazugehörigen Wäldern, Wiesen,
Weiden und Feldern, mit Bännen, Gerichtsbarkeit und allen sonstigen
Rechten, auch Springen, mit dem Patronatsrecht der Kirche und die Weiler
und Burgen ... Spicht , Weikersberg, Utzmannsweiler, Hermannsweiler,
Bibersohl, ... Itzelberg, Zahnberg und außerdem die Vogtei des
Klösterleins (Chorherrenstift) zu Steinheim mit all seinen Besitzungen und
Rechten. Dies kauft König Albrecht nicht als König - er betrachtete wohl
Herwartstein ohnehin als Reichseigentum - sondern als Privatperson,
um frei darüber verfügen zu können. Dagegen verpfändet König Albrecht I.
die Burg Hellenstein mit der Stadt und dem Dorf Heidenheim an Herzog
Albrecht von Rechberg, Verwalter der Reichsvogtei im Unterland.
Graf
Ulrich soll die Güter dem Abt des Zisterzienserklosters in Salem
übertragen, der den Plan des Königs auszuführen und die neue Abtei damit
auszustatten hat. Salem am Bodensee wird dadurch Mutterkloster von
Königsbronn.
Graf
Ulrich III behält sich seine Dienstleute sowie das Jagdrecht vor, doch
soll auf den genannten Gütern nicht mehr gejagt werden.
Die
Zisterzienser
Am 21.
März 1098 lässt sich Robert von Molesme, bis dahin Prior eines
Benediktinerklosters, mit 21 Gefährten an einem unwirtlichen Flecken, nahe
Dijon, in Citeaux nieder. Er gründet einen neuen Orden. Zu den Regeln des
rasch von Rom anerkannten Ordens gehören die Verpflichtung zu Armut,
Ehelosigkeit, Gehorsam, körperlicher Arbeit sowie Gründung neuer Klöster
in abgelegenen Gegenden. Der Name Zisterzienser leitet sich ab von dem
Mutterort Citeaux.
Die
Zisterzienser leisten Pionierarbeit bei der Kultivierung des Landes,
betreiben Fischzucht und errichten Mühlen, Schmieden sowie Brauereien.
Anfang
des 14. Jahrhunderts bestehen bereits 700 Klöster.
Die
Hauptklöster der "weißen Mönche" sind in Süddeutschland Maulbronn (1139),
Salem (1139), Herrenalb (1149), Schöntal (1157) und Bebenhausen (1190).
Königsbronn ist das letzte in Schwaben gegründete Kloster des
Zisterzienserordens, der die
Regel des heiligen Benedikt (siehe Benedikt 529 n. Chr.) in der strengsten
Form wieder aufnimmt und die Rückkehr zur Einfachheit und Armut des
ursprünglichen Klosterlebens erstrebt . Die Stiftungsurkunde des Königs
Albrecht I. von Habsburg datiert vom 1. Mai 1302. Das Kloster
Königsbronn kann sich jedoch auf
die alte Tradition des Augustiner-Chorherrenstifts Steinheim (1190)
berufen, das Bestandteil der königsbronner Klostergründung ist.
Im
Jahre 1303 wird der Abt von Salem von König Albrecht I. beauftragt,
unterhalb der Burg Herwartstein das Zisterziensterkloster einzurichten. Es
erscheint 1308 erstmals unter dem Namen Königsbronn.
1310
wird mit dem Bau des Klosters Königsbronn begonnen,
nachdem Streitigkeiten zwischen der Witwe des Königs, dem Salemer Abt und
Graf Ulrich beigelegt sind.
1325
sind die Arbeiten am Kloster noch nicht abgeschlossen.
Noch
im 14. Jahrhundert sitzen in den Niederadel abgesunkene "von Böbingen" auf
Michelstein.
1343
ist die Burg Michelstein Eigenbesitz des Grafen von Oettingen, der sie dem
Hochstift Würzburg zu Lehen aufträgt.
Aus
der Leinenweberordnung Ulms aus dem Jahr 1346 geht hervor,
dass außer Ulmer Bürgern auch Fremde - Heidenheimer Weber - ungebleichte
Leinwand in Ulm beschauen ließen. In der Herrschaft Heidenheim wird schon
sehr früh in größerem Umfang Flachs angebaut. Durch Riffeln,
Rotten, Trocknen, Brechen, Schwingen und Hecheln werden die Fasern aus dem
Flachsstängel gewonnen und mit Hilfe der Kunkel und des Spinnrades von Alt
und Jung, beiderlei Geschlechts, zu Garn versponnen. Aus dem Abfall beim
hecheln , dem sogenannten Werg, fertigt man Rupfentuche, Sackleinen u.a..
Den in der Herrschaft Heidenheim angepflanzten Hanf verarbeitet man
zu Seilen, auch zu Fangseilen für die Jagd und zu Peitschenschnüren. In
Heidenheim und in den Landgemeinden fabrizieren die Weber zuerst
gewöhnliche Leinwand, die man Golschen nennt und die teils gebleicht,
teils in verschiedenen Feinheiten, teils gefärbt in den Handel kommen.
Eine Verbesserung des Leinengarnes erfolgt durch das Sieden desselben. Aus
Heidenheim kommt gesottenes Garn schon im 15. Jahrhundert auf die Ulmer
Schau. Die Heidenheimer Leinwand geht (im 16. Jhdt.) über Ulm nach
Venedig, Genua, Lyon, Antwerpen und Spanien. Auf den Messen in Nördlingen,
Augsburg, Nürnberg und Frankfurt a. M. wird Heidenheimer Leinwand
verkauft.
1346
bis 1351 wütet die Pest, sie
rafft 1/4 der Bevölkerung Europas dahin. Die furchtbare indische Pest
verheert, ausgehend von Südfrankreich, den ganzen Kontinent. (siehe auch
Abt. Wendelin 1015)
1353
verpfändet König Karl IV. von
Luxemburg (1346-1378), einer der bedeutendsten Könige und Kaiser, (er
macht Prag zu seiner Hauptstadt und gründet dort die erste deutsche
Universität) den Grafen Ulrich d.Ä. und Ulrich d.J. von Helfenstein, Söhne
des Grafen Ulrich IV, die Vogtei
des Klosters Königsbronn für 600 Mark Silber (1 Mark = 233,856 g Silber).
1354
bringen die Grafen Ulrich d.Ä., Ulrich d.J. und Johannes von Helfenstein,
die Orte Irmannsweiler mit Rechenwasser, Rechenzell, Fachensohl und
Mackmannsweiler auf dem Albuch an sich. Diese Stiftungsgüter des Klosters
Anhausen waren als Pfand an Diemar von Essingen gelangt und Ulrichs d.Ä.
Gemahlin Maria löst die Pfandschaft 1354 ein und behält sie zunächst als
Eigenbesitz.
1356
wird die Grafschaft Helfenstein geteilt:
Graf Ulrich d.Ä. erhält Geislingen .... und die Burg Helfenstein. Der
Anteil des Ulrich d.J. umfasst ...Hellenstein mit Heidenheim, Anhausen,
Herbrechtingen und Königsbronn.
Die
Westgrenze der neuen Herrschaft Brenztal bestimmt die Linie Gerstetten -
Heuchstetten - Söhnstetten - Hof Hohenberg - Irmannsweiler (Yrmelboltzweiler).
Der
Wildbann wird geteilt entlang der Linie Bargauer Steige - Zang -
Heidenheim - entlang der Brenz bis zur Mündung in die Donau. Der östliche
Teil gehört zur Herrschaft Brenztal, der westliche Teil zur Herrschaft
Helfenstein.
Der
Vertrag bestimmt, dass die in jedem der beiden Teile sitzenden Leute,
gleichgültig, ob sie zu Klöstern, Kirchen oder Altären gehörten, ob eigen
oder Lehen, künftig bei diesem Teile bleiben sollen.
Alle
Zölle und Geleite in der gesamten Herrschaft sollen gemeinsam bleiben.
Auch alle Mannslehen sollen gemeinsam verliehen werden.
Ab
diesem Vertragsdatum (1356) gibt es eine eigene "Herrschaft das Brenztal".
Heidenheim verdankt dem Grafen Ulrich d.J. seinen Aufstieg zur Stadt.
Am 16. August 1356 erlangt Graf
Ulrich in Prag von Kaiser Karl das Privileg, aus seinem Dorf zu Heidenheim
einen Markt zu machen. Damit ist die Erhebung zur Stadt verbunden.
Er und
seine Nachfolger wohnen ab 1378 auf der Feste Heidenheim. Dort aber, am
Fuße des Hellensteins, unabhängig vom Dorfe Heidenheim, das draußen an der
Brenz am Fuße des heutigen Totenbergs liegt, entwickelt sich im Laufe der
Zeit eine kleine gewerbliche Siedlung. In ihren Anfängen geht sie wohl
schon auf die frühen Herren von Hellenstein zurück, die hier die zur Burg
gehörigen Knechte und das Gesinde ansiedelten, da das Dorf Heidenheim zu
weit abgelegen war. Diese Siedlung hat man schon früh in das
Verteidigungssystem der Feste mit einbezogen und mit Mauern umgeben. 1333
ist die Rede vom "unteren Tor"
1361
hat das Dorf Springen eine eigene Pfarrei, Marktrecht und ein eigenes
Gericht. Springen solle nach
Seegarten verlegt werden aber dies gelingt nicht; doch ist dann Springen
durch Bauernlegen des Klosters und vielleicht auch durch Seuchen fast ganz
verschwunden.
Graf
Ulrich d.J. stirbt 1361. Sein Sohn, ebenfalls Ulrich d.J. genannt,
wird früh an Anna v. Öttingen verheiratet. Als er volljährig ist,
überträgt ihm Karl IV. in Prag das Reichslehen ... die Burg Hellenstein
und die Stadt Heidenheim.
Erst
unter Kaiser Karl IV. erfolgt der endgültige Ausbau des Klosters
Königsbronn. 1366 erlaubt er das in der Gegend vorkommende Bohnerz
auszubeuten.
Kurz
zuvor, am 14. April 1365 verleiht Kaiser Karl IV. den
Helfensteinern das Recht der Erzschürfung. Dieses stellt die
Rechtsgrundlage dar für die Errichtung einer Eisenhütte in Heidenheim
am "See" (WCM), die für die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts
nachweisbar ist.
1368
erwirbt Abt Heinrich des Klosters Königsbronn,
von der Propstei Roggenburg, auf dem Albuch den Hof auf dem Hohenberg,
den Felgenhof, den Hof Tentzenwiese (bei Bibersohl) und den Berchtenbühl.
Auf
dem Hohenberg (Homberg) betreibt das Kloster Königsbronn ohne Zweifel eine
Expositur, eine Tochterkirche (Klösterle), die Königsbronn vom
Prämonstratenserstift Roggenburg übernommen hat.
ca.
1370 erwirbt das Kloster Königsbronn das Patronatsrecht über die
Kirche in Söhnstetten (Martinskirche).
Als
Graf Ulrich d.J.(II.) 1375 stirbt, hinterlässt er beträchtliche
Schulden. Als Ursache hat man die unglücklichen Ereignisse jener Zeit zu
betrachten, insbesondere die Pestepidemie. Güter werden an Albrecht von
Rechberg für 8000 Pfund Heller versetzt. Gräfin Anna von Helfenstein hält
den Besitz so gut es geht zusammen. Ihr Sohn, Graf Johann, wird 1387 mit
dem Reichslehen Hellenstein belehnt.
1378
ist Giengen reichsunmittelbar und damit unabhängig von den Helfensteinern.
Heidenheim wird 1378 Verwaltungsmittelpunkt der "Herrschaft". Die
Helfensteiner übersiedeln auf den Hellenstein.
Noch
im Jahr 1405 erwirbt Gräfin Anna Güter in Küpfendorf. Sie stirbt
1411.
In
vielen Laubwäldern kommt das kleine Immergrün (vinca minor) vor -
mutmaßlich keine einheimische Wildpflanze, sondern eine schon vor Zeiten
aus Süd(west)europa eingeführte Art, die fallweise auch als
Burggartenflüchtling gilt. Unstrittig ist ihre Vorliebe für sehr
nährstoffreiche Standorte, so dass sie besonders häufig im Bereich von
(ehemaligen) Siedlungen auftritt. Diesen Umstand nützen neuerdings
Archäologen: Mit Hilfe von Vinca-Vorkommen spüren sie alte
Siedlungswüstungen auf, die längst zu Waldstandorten wurden. Wie F. Hörter
vom Eifeler Landschaftsmuseum (Mayen) feststellte, zeigt vinca im
Rheinland sehr zuverlässig auch römerzeitliche Siedlungs- und andere
Aktionsplätze an. Somit gewinnen spezielle Pflanzen und Bewuchsmerkmale in
der Prospektion von Bodendenkmälern zunehmend Bedeutung. (Aus Kosmos 6/95,
Seite 8 - Bruno P. Krämer)
In
"Die Ostalb erzählt" ist erwähnt:
... in
dem jetzt trockenen Busental scheint eine Mühle gestanden zu haben, wie
der Name Mühlhalde andeutet.
Waldweide bzw. Waldnutzung durch
die Bevölkerung:
Die
Bürger von Heidenheim dürfen ihre Trogschweine, die sie zu ihrem
Hausgebrauch aufziehen, zur Eckerichzeit auf die Weide in die
Wälder treiben, ohne dafür Abgaben zu zahlen. Wenn sie darüber hinaus
Schweine mästen, müssen sie das Eckerichgeld geben. Dies sei gem.
einer Urkunde von 1426 zufolge schon im 14. Jahrhundert so gewesen.
Seit
alters haben die Heidenheim ferner das Recht, im Forst Eicheln und
Wildobst (im Aalener Forst: Obst nach St. Margareten) zu lesen, doch
nicht zu schütteln oder herunterzuschlagen. Ein Befehl von 1550 schränkt
diese Freiheit ein, dass aus jedem Haus, in dem Rauch gehalten wird, nur
von zwei Personen und nur an drei Wochentagen gesammelt werden darf und
nur in Gemeindewäldern, nicht in Wäldern der Herrschaft. Die
Eckerichsgerechtigkeit für Heidenheim gilt auch für die umliegenden
Orte ... auf dem Albuch und für die drei Brenztalklöster und deren
Untertanen.
Die
Schäfer, die im Forst ihren Pferch aufschlagen,
sind der Herrschaft jährlich 1 Käs schuldig. Die Köhler müssen sich mit
dem Forstmeister über ein Entgelt für die Ausübung ihres Gewerbes einigen.
Zur
Ausübung der Aufsicht im Forstbezirk durch die Forstknechte werden in ...
Zang, Irmannsweiler .. Forsthäuser unterhalten.
Steinheim ist Hauptort des Kloster-Territoriums.
Das mit dem Marktrecht verbundene Halsgericht ist zentrales Gericht der
Kloster-Herrschaft. Kaiser Friedrich III. freit 1446 die Klosterleute
von fremden Gerichten.
1446
gibt das Kloster Königsbronn bekannt, dass das Steinheimer Halsgericht mit
verständigen Leuten aus dem Dorf Westhaim zu besetzen ist.