Der
Erzknappe vom Wellisberg
Teil II:
800-400 v. Chr., 1529, 1536 n. Chr.
Teil
III: Aufhausen, abgegangene Siedlung bei Küpfendorf
Der
Herr der Heidenheimer Eisenschmiede ritt durch das Ugental hinauf nach
Uffhausen. Seine Leute suchten dort nach Bohnerz. Mürrisch ließ er seinen
Erzknappen herbeirufen, denn dieser hatte die vergangenen Wochen nur wenig
Erz zum Schmelzofen nach Heidenheim gebracht.
"Zeige
mir die Örter, an denen Du graben lässt!" fuhr er den Erzknappen an.
Der
Erzknappe ging dem Herrn, hoch zu Ross, mit hastigen Schritten voraus. Da
lag das Gelände vor ihnen, von den Erzgräbern reichlich durchwühlt. Ein
Trichter und ein aufgeworfener Schutthügel reihte sich an den anderen. Der
Erzknappe wies auf das Gelände und sagte:
"Exzellenz, wir haben hier Fuß um Fuß nach Bohnerz gegraben, wie Ihr uns
angewiesen habt, es fand sich welches, aber nicht in der Menge wie
erhofft".

(Bohnerz
von Jasmin Feiler)
"Und
wie ist die Ergiebigkeit auf dem Feld dort oben?" damit wies der Herr zur
Waldweide hinauf.
"Exzellenz, dort oben graben meine Leute nicht, nicht um alles in der
Welt! Ihr wisst, die Hügel dort sind nicht von der Natur geschaffen.
Niemand weiß um ihre Herkunft. Wir haben Angst. Wenn wir dort eingreifen,
könnte uns etwas Schreckliches zustoßen!"
"Feiglinge seid ihr alle zusammen!" brüllte der Herr, "ich werde Euch
Gehorsam lehren! Gleich morgen grabt ihr dort und das Ergebnis meldest Du
mir selbst". Damit gab der Herr seinem Ross die Sporen und galoppierte
davon.
Der
Erzknappe hatte in der Nacht einen schrecklichen Traum: Er stand vor den
Hügeln auf der Waldweide. Der Vollmond übergoss mit seinem silbrigem Licht
Wiese, Baum und Strauch. Leichter Nebel wallte darüber. Der Erzknappe
wollte mit seinem Spaten die erste Erdscholle abstechen, doch so sehr er
sich auch abmühte, sein Spaten drang nicht ins Erdreich. Er versuchte es
an anderer Stelle noch ein zweites Mal, doch es schien, als wenn das
Erdreich nur aus hartem Felsgestein bestünde. Beim dritten Versuch
entstieg dem nächstgelegenen Hügel eine Gestalt auf einem Pferd. Der
Reiter trug an der Seite ein Schwert und einen Speer hielt er in der Hand.
Doch sein Kopf fehlte, dennoch sprach er mit hohler Grabesstimme:
"Habe der Erde das Eisen entnommen,
habe
geschmiedet und habe gegossen.
Habe
auf Pferden viel Länder gewonnen,
habe
gekämpft und mein Blut ward vergossen.
Lustig klingt Eisen wenn Schmiede es schlagen,
hoch
ist der Stolz im Tragen der Wehr!
Doch
dann kommt Sorge, kommt Elend, kommt Klagen,
Wo
bleibt die Lust, die Liebe, die Ehr?
Lasse das Bohnerz im Schoße der Erde,
hüte
das Grabland, den heiligen Boden.
Lasse die Weide, das Gras, für die Pferde,
hüte
Dich, Mann, wegen Erz hier zu roden."
Damit
wendete der Reiter langsam sein Pferd und stieg wieder hinab in sein Grab.
Eine schwarze Wolke zog über den Mond und tiefe Nacht lastete auf der
Seele des Erzknappen.
Andern
Tags ging der Erzknappe zu Fuß hinunter an den Brenzsee zum Schmelzofen
und berichtete seinem Herrn von seinem Traum. Dieser jedoch wurde zornig
und schalt ihn einen ungetreuen, ungehorsamen und böswilligen Arbeiter.
Zur Strafe ließ er den Erzknappen in Eisen schlagen und zur Abschreckung
den anderen Arbeitern vorführen.
Der
unheimliche Reiter aus dem Grab, so schien es dem Erzknappen, begleitete
ihn immer noch auf Schritt und Tritt und bei Tag und bei Nacht.
Und
als der Erzknappe wieder von seinen Fesseln befreit war, schulterte er
seine wenigen Habseligkeiten und begab sich auf eine lange Wanderung. Er
pilgerte zum Grab des heiligen Jakobus, weit im Westen, dorthin wo das
Land an der Felsenküste des großen Ozeans endet. Er hegte die Hoffnung,
der unglückliche keltische Reiter möge dort von ihm lassen.
Der
Herr der Eisenschmelze zwang jetzt aber die Zurückgebliebenen mit Gewalt,
auf dem Gräberfeld nach Bohnerz zu graben. So sehr sich aber die Erzgräber
bemühten, sie fanden dort nichts - wenn auch der Herr der Eisenschmelze
noch so tobte.
Bald
darauf verließen die Menschen den kleinen Ort "Uffhausen, underthalb
Kirpfendorf" und die Holzhäuser zerfielen. Aber am Wellisberg liegen die
Bohnerzgruben noch offen da - und im Hügelgräberfeld seht ihr noch heute,
wo die Bergleute vergeblich nach Bohnerz schürfen mussten.
Informationen zu „Der Erzknappe vom Wellisberg“
Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden
Württemberg, 7. Auflage 1994
Nr.
7326 – Heidenheim an der Brenz
Wellesberg und Grabhügel, Höhenlinie 590/600 m 545,6 im Planquadrat
80-81/90.
Die
Grabhügel um Steinheim - insb. im Grothau und südl. Küpfendorf im
Küpfendorfer Holz - aus der älteren (800-700 v. Chr.) und der jüngeren
Hallstattkultur (600 - 400 v. Chr.) sind vermutlich im Zusammenhang zu
sehen mit je einer keltischen Viereckschanze, die nicht mehr auszumachen
ist. Die Viereckschanzen waren mit größter Wahrscheinlichkeit keltische
Kultstätten. (Peter Goessler und Friedrich Hertlein - Prof. Kurt Bittel
ging davon aus, daß die Entfernung der Viereckschanzen zu den Grabhügeln
kaum mehr als 300 m betrug.)
Die
Hügelgräber südl. Küpfendorf könnten mit den Bohnerzlagern am Wellesberg
zusammenhängen (siehe auch Weiherwiesen).
1529
erscheint der Begründer der industriellen Eisenverarbeitung im Brenztal:
Georg Besserer, geb. 1502, aus Ulm.
Besserer ist Spross einer Ulmer Patrizierfamilie, die über lange Jahre
auch den Bürgermeister von Ulm stellt. Ihr Vermögen hatte die Familie aus
dem Wollhandel des 14. Jahrhunderts und aus dem Handel des 16. Jhds. mit
Kürschnerwaren, Barchent, Leinwand und Wein nach Italien und in die
Donauländer, woher sie Baumwolle, Stahl, Eisen, italienischen und
ungarischen Wein, Ochsenhäute und Salz als Rückfracht importierten.
1529
werden Besserer drei erzhaltende Berge zur Nutzung angewiesen für die
Zeit, da er selbst die Schmiede betreibt: Rauhenbuch (Rauhbuch, östlich
Schäfhalde), Ratzenberg (Retzenberg, südöstlich Küpfendorf, Ostseite des
Ugentales) und Wellisberg (Wellesberg, südöstlich Küpfendorf, Westseite
des Ugentales).
Diese
frühe Industrialisierung führt zur Spezialisierung der Berufe: Erzknappen,
Erzführer, Holzhauer, Köhler, Kohlenführer, Ofenknechte, Aufsetzer,
Schmelzer, Schlackenschieber, Hammerschmiede, Former, Gießer und Gussputzer.
Das
Holz zur Verkohlung und damit zur Eisenverhüttung wird Besserer vom Ulmer
Rat aus den Heidenheimer Wäldern kontingentiert.
1536
lässt sich Besserer, nachdem die Herrschaft wieder württembergisch
geworden ist, von Herzog Ulrich von Württemberg das Erzlehen, mit der
Beschränkung der Holznutzung, bestätigen. Für die Begünstigung des
Herzogtums bei der Belieferung von Eisenprodukten erhält er das Recht,
seine ungetreuen, ungehorsamen und böswilligen Arbeiter zu "gehorsamen",
indem diese in Eisen geschlagen werden können, jedoch nur mit Wissen des
herzoglichen Kastners zu Heidenheim. Bei Malefiz oder Frevel kann der
Betreffende nur vom Herzog zur Verantwortung gezogen werden.
Aufhausen
abgegangene Siedlung bei Küpfendorf, die Lage ist nicht bekannt,
vermutlich zwischen Wellesberg und Brünnelesäcker.
Urkundlich belegt:
·
1143 "...in locis ... Ufhusen..." - unter den Gütern des Klosters
Anhausen wohl schon seit 1125 oder gar seit 1113 -
·
1471 "... Uffhausen, underthalb Kirpfendorff gelegen." (Küpfendorf
ist zu dieser Zeit abgegangen, es stand dort vermutlich nur noch die
Johanniskirche.)