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Spuren auf dem Albuch

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Die Wölfin

Teil II: 700 n. Chr.

Teil III: Louveswilare, Wenelenwilare,

 

Draußen, wo heute die Gemeintalhütte steht, lag, vor weit über tausend Jahren, ein kleiner Weiler. Dort lebten wenige Menschen, darunter auch Uta. Sie lebten recht und schlecht von ihren Haustieren und von der Hirse, die in guten, warmen Jahren reichlich wuchs. In schlechten, nassen Jahren war der Hunger jedoch der tägliche Gast.

Weiter unten im Tal, wo die königlichen Jäger zuweilen ihren Wohnsitz nahmen, in Wenelenwilare, herrschte dagegen des fränkischen Königs Forstknecht.

Einst begab es sich, dass des Königs Forstknecht alle Männer zur Wildschweinjagd aufbot. Die Bauern aus der ganzen Gegend versammelten sich vor dem Forsthaus in Wenelenwilare. Gegen Abend kamen die königlichen Jäger geritten. Sie waren angetan mit schönem Tuch, verbrämt mit goldbraunem, weichem Fell. Ein Jäger aber trug ein Wams aus rotem Tuch, verziert mit weißem Hermelinfell. Alle Jäger hatten einen Umhang über die Schultern geworfen aus schwerem, dunklem Wolltuch und die Filzhüte waren geschmückt mit Federn vom Goldfasan und vom Adler. Schwere Spieße staken im Sattelzeug und auf dem Rücken trugen die Jäger in Köchern Pfeile und daneben Bogen aus elastischem Eibenholz. Eine Meute Jagdhunde begleitete die Jagdgesellschaft.

Ehrerbietig grüßten die Bauern die hohen Herren.

Am nämlichen Abend zogen Schneewolken auf. Ein eisiger Wind fegte über die Alb und nach kurzem war das Land mit einer dünnen Schneedecke überzogen.

Uta lockte ihren Tieren: Der Esel kam angetrottet, die Ziegen und die Schafe zogen heran, die Enten watschelten vom kleinen Teich herunter und die Hühner flogen über den Gartenzaun, direkt vor Utas Füße. Alle Tiere durften in das Holzhaus, wo jedes seinen Platz hatte. Hinten im Haus lebten die Menschen und weiter vorne, mehr am Hauseingang, verbrachten die Tiere die Nacht. Hinten, im Küchenbereich, brannte das Feuer auf der Feuerstelle und der Rauch stieg aus einer Luke im Dachfirst hinaus und verlor sich im kahlen Geäst der umstehenden Buchen und Eichen.

Im flackernden Lichtschein des Feuers sah Uta, dass der Platz eines Huhnes auf der Stange leer war. "Sieh da!" sagte sie, "wo treibt sich die Picksuse wieder herum? Fast jeden Abend lässt sie sich extra bitten".

Damit ging Uta wieder hinaus in den kalten, kahlen Wald. Die Dämmerung lag schon stark im Wald und so konnte Uta die Bäume nur noch an ihren Umrissen erkennen. Zuerst ging sie zum Haselnussstrauch, unter dem die Hühner gewöhnlich scharren, aber dort war die Picksuse nicht. Uta wandte sich um und ging hinauf zum Lindenbaum, in dessen Krone das Huhn gelegentlich sitzt. Doch inzwischen war es so dunkel geworden, dass Uta die Suche nach ihrem verlorengegangen Huhn beenden musste. Und so machte sie sich auf den Weg nach Hause.

Nahe des Teiches hörte Uta plötzlich schauerliches Geheul. Nein, Hunde waren das nicht, auch keine Füchse - Wölfe! Es schien Uta, als wenn jemand mit eisigen Fingern nach ihrem Herzen griffe. Und da sah sie auch schon, wie grüne Augenpaare sie aus dem Unterholz fixierten. Es waren zwei, nein vier, nein, es war ein ganzes Rudel Wölfe. Uta wollte schreien, doch die Angst schnürte ihr den Hals zu. Und wer sollte sie auch hören? Hilfe konnte sie nicht erwarten, waren doch alle Männer zur Sauhatz weggezogen. Da erinnerte sich Uta an die vielen faustgroßen Steine, die den Wegrand hinunter zu ihrer Hütte säumten. Unter der dünnen Schneedecke  fand sie einige handliche Steinbrocken, die sie in ihren aufgeschürzten Rock sammelte. Aber die Wölfe kamen näher, voran eine mächtige Wölfin.

Inzwischen war der Vollmond aufgegangen. Er tauchte das mit Schnee überzuckerte Land in sein fahles Licht. Drunten am Forsthaus wurde zur Jagd aufgebrochen. Im Neuschnee fanden sich bald Wildschweinspuren, die sich jedoch drüben, gegen das Kochertal, in unwegsamen Tälern verloren.

Doch plötzlich schlugen die Jagdhunde an, ihr Fell sträubte sich und sie rannten kreuz und quer durcheinander, die Nase dicht über dem Waldboden.

Einer der Jäger sprang vom Pferd und forschte nach der Ursache für dieses seltsame Verhalten. Er sah Fährten im Schnee von einem Dutzend Tiere, die nach Westen gezogen waren. Er kniete nieder, um die Spuren noch deutlicher zu prüfen. Als der Jäger sich wieder aufrichtete, wandte er sich mit ernstem Gesicht zum Jäger mit dem roten Wams: "Majestät, es sind der Wölfe zwölfe, darunter ein Prachtstier!"

Lange stand Uta schon mit dem Rücken am Fuße einer großen Buche. Sie hatte einen Stein mit ihren Fingern umklammert, bereit, jeden angreifenden Wolf damit abzuwehren. Die Wölfe schlichen im Unterholz hin und her, nur das Leittier, die Wölfin, stieß knurrende Laute aus und fixierte Uta mit ihren grünen Augen. So standen sie sich, Uta und die Wölfin, in einigem Abstand gegenüber.

Plötzlich wurde die Wölfin unruhig, Uta spürte, wie der Waldboden erzitterte und dann vernahm sie Hufschläge. Eine Hundemeute brach durch das Unterholz. Wütendes Hundegebell und das Aufheulen der Wölfe zerschnitt die Waldesstille. Und dann geschah es: Die Wölfin sprang, Uta schleuderte mit aller Kraft ihren Stein gegen das Tier, doch gleichzeitig durchbohrte ein schwerer Sauspieß die Wölfin.

Der Jäger mit dem roten Wams zügelte neben Uta sein Pferd und sprang aus dem Sattel. Die Jagd war beendet.

Früh am andern Morgen spazierte Picksuse, das Huhn, in aller Seelenruhe über den Vorplatz der Hütte zu ihrem Nest und legte ihr Ei, wie jeden Tag, als wäre nichts geschehen.

Die Jäger riefen Uta von nun an mit dem Namen Louve, das hieß Wölfin. Und die Leute nannten deshalb den Weiler, wo Louve lebte, Louveswilare. Der Wald aber, in dem Uta der Wölfin gegenüberstand, heißt heute noch Loosbuch, der Buchenwald der Louve.

 

Informationen zu „Die Wölfin“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 6. Auflage 1994

Nr. 7226 –Oberkochen

Losbuch/Gemeintalhütte, Planquadrat  00+01/75

Louveswilare

Lovueswilare

"Siedlung des Louwi"

auch möglich: "Siedlung der Wölfin" (Fränkische Ausbauzeit d.h. fränkischer Wortstamm: louve = die Wölfin, village = ländliches Dorf, Weiler). Ganz in der Nähe, östlich der Gemeintalhütte liegt heute im Distrikt Weikersberg das Waldstück "Wolfselde".

Noch Mitte des 16. Jahrhunderts sprechen die herzoglichen Urkunden von "Wolfhatz".

Wüstung s von Irmannsweiler.

"... dazu kommen im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts eine Anzahl von "...weiler-Orten", sowie Siedlungen mit den Grundwörtern "-berg" und "-sohl".

Urkundlich belegt:

·         1143: "... in locis ... Louveswilare..." - unter den Gütern des Klosters Anhausen wohl schon seit 1125 oder gar seit 1113 - (Louwesbuoch) Louwes Buchenwald, grenzt an das Gießenholz, "diu holtzmarck ze zang", die  Graf Ulrich d.J. von Helfenstein anno

·         1372 von den Güssen von Brenz erwirbt.

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