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Spuren auf dem Albuch

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Das Knillwäldchen

Teil II: 800 v. Chr., 1. Jhdt. v. Chr.

Teil III: Sontheim

 

Die alten Bauern in Steinheim sprachen immer davon, dass die Gewitter entweder über Zang ziehen oder aber das Stubental hinab, zur Brenz. Das Steinheimer Becken bleibt oft von schweren Gewittern, die von Westen kommen, verschont. Nur die bösen Gewitter, die Gewitter von Südosten, die vom Donautal heraufziehen, richten schwere Schäden an. Das war aber nicht immer so.

Drüben, auf dem Knill, deckt ein verwunschener Weissbuchenhain die höchste Erhebung. Dort wölbt sich im Hain ein wunderschöner grüner, lichtdurchfluteter Innenraum. Doch der Blick reicht auch, zwischen den Zweigen hindurch, hinüber über das Steinheimer Becken und hinab in das Stubental, bis weit zum Heidenheimer Totenberg über der Brenz.

Als die Kühe den Bauern noch die Leiterwagen gemächlich zu den Äckern am Knill zogen, begab es sich nicht nur einmal, dass sich plötzlich am Himmel, droben über dem Stockhau, ein Gewitter zusammenbraute und das Stubental herunterkam. Die Bauern spannten die Kühe vom Garbenwagen oder vom Pflug und brachten sie hinauf in den schützenden Weissbuchenhain. Hier warteten die Bauersleute mit ihren Kindern, bis das Gewitter über sie hinweg zum Brenztal hinunter gezogen war. Nie kam dabei jemand zu Schaden.

Und es begab sich auch, das nach einem solchen Gewitter in einer Ackerfurche ein kleines, daumennagelgroßes Schälchen aus purem Gold aufglänzte. Der Bauer nannte es das Regenbogenschüsselchen, weil er es dort gefunden, wo zuvor der Regenbogen den Acker berührt hatte.

(Bild von Adalbert Feiler, Das Regenbogenschüsselchen)

 

Doch vor sehr langer Zeit, als im Steinheimer Becken noch ein See silbrig glänzte und ein Bächlein in kleinen Schleifen gemächlich der Brenz zufloss, lebte oben im Knillwäldchen eine weise Frau mit langen, wallenden Haaren.

Am fahlen westlichen Morgenhimmel sah sie den Mond untergehen und sie empfing die aufgehende Sonne im Osten. Sie schaute, wie die Nebel aus dem Riedsee aufstiegen und sich mit den Nebelschwaden verbanden, die vom Brenztal das Stubental heraufwaberten. Weiße Wolkenfahnen quollen auch aus den nachtfeuchten Waldtälchen ringsum. In diesem Wallen und Weben der Wolken und Nebel erkannte die Frau die tiefsten Geheimnisse der Natur, der Gräser und Blumen, wie sie keimen, wachsen, blühen und Samen geben und von diesen Geheimnissen erzählte sie den Bauern, die darum fragten. Aber auch Fürsten scheuten sich nicht, bei ihr Rat zu holen.

Es geschah oft an Sommertagen: Die weise Frau saß unter dem grünenden Blätterdach des Knillwäldchens. Sie hielt in ihrem Arm eine Harfe, deren Saiten im Sonnenlicht aufglänzten und lauschte den himmlischen Klängen, die sie umgab. Sylphen und Elfen sangen ihre nicht enden wollenden Melodien und die weise Frau strich mit ihren Fingern behutsam über die Saiten der Harfe. So war der Hain erfüllt von geheimnisvollem Singen und Klingen.

Doch plötzlich durchzogen das harmonische Musizieren hässliche Misstöne. Schrille Pfeifentöne drangen in den Hain. Die Sylphen und die Elfen verstummten.

Draußen über den Feldern breitete sich Gewitterschwüle aus.

Windstösse, von der Brenz herauf, ließen die Blätter der Hainbuchen erzittern. Im Südosten türmten sich schwarze Wolkenberge.

Da erhob sich die weise Frau, legte die Harfe beiseite, trat vor den Hain und reckte ihre Hände gegen die drohenden Wolkengebilde. Sie rief dabei gegen die Wolken geheimnisvolle Worte in einer fremden Sprache. In unserer Sprache hätte das wohl so geklungen:

Bleibe ferne! Dunstgewaber!

Türm' dich dort auf! Nicht zerstöre

Hirse, Heu und hellen Haber!

Wassergüsse, Hagel, Blitze,

bleibet ferne von den Feldern,

tobt euch dort aus in den Wäldern.

Bittend hebe ich die Hände:

Mögt ihr, starke Urgewalten,

hier die Fruchtbarkeit gestalten.

Mächtiger Donner antwortete. Blitze zuckten jenseits des Tales und das Wasser ergoß sich in Strömen in die Wälder.

Die schrillen Pfeifentöne erstarben. Die Elfen und die Sylphen stimmten im Hain wieder ihre Lieder an und ein leichter, milder Regen feuchtete die Felder um Steinheim und die Früchte quollen und das Gras spross, dass es eine Freude war.

Es muss die Zeit gewesen sein, als Kaiser Karl der Große Flüchtlinge von Sachsen oben im Sachsenhardt ansiedelte und dem Kloster Fulda Steinheimer Ländereien schenkte. In dieser Zeit kamen Schüler des Klostergründers Bonifatius nach Steinheim und lehrten das Christentum. Vieles lernten die Bauern von den Mönchen, aber in dem Maße, wie die Bauern von den Mönchen lernten, die Felder zu bestellen, erstarb die Kraft der weisen Frau.

Seit dieser Zeit schaut mancher Bauer besorgt zum östlichen Himmel, wenn dort schwarze Gewitterwolken drohen.

 

Informationen zu „Das Knillwäldchen“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 7. Auflage 1994

Nr. 7326 – Heidenheim an der Brenz

Knillberg, Höhe 578,9 m, Planquadrat 79/94

Es werden die Quelle im Hungerbrunnental, wie auch das Knillwäldchen, als "starke Plätze", in mythischem Sinne, bezeichnet. "Ein alter Zauber" liegt auf dem Knillwäldchen östlich von Sontheim. Als "Heiliger Hain" wird er bezeichnet, als alte Orakelstätte - auch ohne archäologische Beweise. Tatsächlich umfängt die Menschen immer noch, wenn sie zwischen den hohen Bäumen hineingehen, eine Art heilige, ehrfürchtige Atmosphäre. Und es ist gut vorstellbar, daß schon in uralten Zeiten Menschen hier ihre Naturreligion ausübten. (Gisela Graichen)

Funde der Regenbogenschüsselchen (1. Jhdt. v. Chr.) gibt es von ... Steinheim ...

Diese Münzformen stehen am Beginn der Münzprägung und der Entwicklung des Geldwesens in unserem Raum (sie sind zu sehen im Heidenheimer Heimatmuseum auf Schloss Hellenstein).

 

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Zur Wanderung: Burgstall und Knillwäldchen

 

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