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Spuren auf dem Albuch

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Die Irminsäule zu Irmannsweiler

 

Teil II: 50 n. Chr.

Teil III: Irmannsweiler, Machalmeswilare, Fachensol

 

In der Eisenschmiede zu Springen saßen zwei Schmiede beim Mittagbrot. Das Mittagsmahl hatte ein Laienbruder vom nahen Zisterzienserkloster in irdenen Töpfen herübergebracht. Beim Essen sprach der alte Meister von uralten Zeiten und der junge Geselle lauschte aufmerksam seinen Worten:

"Du weißt", sprach der Alte, "oben bei Yrmelboltzweiler, wo die Bohnerzfelder liegen, spannt sich ein mächtiger Himmel über die wellige Hochfläche der Alb. Von dort erzählten sich meine Vorfahren eine Begebenheit, die sich in ferner, dunkler Vergangenheit zugetragen haben soll:

Einsam lag die kahle Kuppe von Yrmelboltzweiler in der Sonne. Die Wälder leuchteten herbstlich. Weithin war die Stele des Irmin, die Säule des Schlachtengottes, zu sehen. Sie stand auf der höchsten Erhebung.

In der Ferne, von Norden her, waren Stimmen und Waffengeklirr zu hören. Es war der Germanenstamm, der jedes Jahr im Herbst von seinem Wohngebiet, unter den Albbergen, hier heraufzog. Der Fürst des Stammes führte den Zug an, er war der Einzige zu Ross, umgeben von Waffenträgern. Es folgten Krieger, bewaffnet mit Lederschild, Schwert und Spieß. Junge Männer umgaben einen weißhaarigen Alten und dann folgten, bunt gemischt, die Familien mit Ziegen und Schafen. Eine bewaffnete Nachhut schloss den Zug ab.

Der Fürst zügelte am Waldsaum sein Pferd. Die Menschen im Zug verstummten. Nur das Blöcken und Meckern der Schafe und Ziegen, und das Kreischen der Eichelhäher im Wald, unterbrachen die Stille. Der Alte trat würdevoll auf den weiten offenen Platz, unterhalb der Hügelkuppe, gefolgt von den Jünglingen. Diese kleine Gruppe löste sich aus der Menschenansammlung. Sie ging gemessenen Schrittes. Sie folgte dem Lauf der Sonne von Osten nach Süden und verschwand hinter der Bergkuppe im Westen. Von Norden kehrte sie zum Stamm zurück. Sie hatte schweigend das Heiligtum des Irmin, des Schlachtengottes, umrundet.

Der Alte sprach: "Ihr Kämpfer, Ihr Getreuen, lasst uns hier lagern und die Vorbereitungen treffen zu unserem gemeinsamen Tun, bis der erste Schnee fällt. Baut auf, eure Behausung, nahe der Quelle. Sammelt eifrig das Bohnerz und bereitet die Kohle. Brennt die Ziegel für die Schmelzöfen und errichtet die Essen bei den Ambossen, auf dass wir zur richtigen Zeit im Heiligtume unsere Waffen schmieden."

Hier unterbrach der Schmiedemeister seine Erzählung. Er stand auf, schaute nach dem Eisen im Feuer, ließ den Gesellen etwas Kohle nachlegen und hieß ihn, mit dem Blasebalg die Glut wieder anzufachen. Danach setzten sich die Beiden wieder.

"Wir haben noch etwas Zeit," sagte der Meister, "bis das Eisen durchglüht ist, will ich mit der Geschichte fortfahren:

Der ganze Stamm lagerte sich nach seiner Ordnung und der Alte zog mit den jungen Männern feierlich hinauf zur Irminsäule. Die Dämmerung war inzwischen hereingebrochen. Der Alte blickte unverwandt zum Himmel, der sich immer mehr verdunkelte. Aus dem Violettblau des Himmels leuchtete, erst schwach, dann immer stärker, weit über der Säule, ein roter Stern. 

Jetzt verkündete der Alte weitrufend:

"Ihr Getreuen, aus Sternenhöhen offenbart sich der Gott des Kampfes, der Gott des glühenden Eisens. Wir sind nicht umsonst gekommen. Tut eifrig, was ich Euch geheißen."

Nach vielen Tagen waren Schmelzöfen errichtet, die Kohle und das Erz waren eingeschichtet und die Schmiede hatten ihre Werkstatt bereitet.

Die Menschen fühlten die Nähe des Gottes. Erfurchtsvoll harrten sie auf die Weisung des Alten.

Eines Abends erhob sich der Alte - am Himmel zogen schwere Wolken auf und am Horizont zuckten Blitze und ferner Donner grollte -  und er schritt zur Säule des Gottes. Dort wandte sich der Alte um und rief mit lauter Stimme:

Kommet Ihr Kämpfer zu Irmin dem Kampfgott! -

Reiht Euch, Ihr Recken in riesiger Runde! -

Still steht um Irminens steinerne Stele! -

Hoch steigt sein Stern auf, rotstrahlend am Himmel! -

Wollen uns waffnen mit Schwert und mit Wurfspieß! -

Und die Männer sammelten sich um die Irminsäule. Der Alte aber fuhr fort:

Erze aus Erde sind emsig entnommen,

Kohle aus glostenden Knüppeln gewonnen,

Schlaget die Steine! Es sprühen die Funken!

Flammen aus Funken wir fauchend entfachen,

Blähet ihr Bläser den Balg und dann blaset:

Feuer flammt auf, Fanale der Funken,

Leuchtende Lohen, lichtlebende Lunten

Heben sich hoch in die himmlischen Höhen! 

 

(Bild von Adalbert Feiler)

 

Und die Eisenschmelzer und die Schmiede, eingetaucht in das rote Licht des Feuers, begannen mit ihrer Arbeit. Der Gewittersturm raste jetzt heulend gegen den Berg und ließ die Kohle im Brennofen hell aufglühen.

Und der Alte fuhr fort mit mächtiger Stimme:

Kohle weißglastend glüht Eisen gigantisch

Schlagende Schlegel die schmieden den Stahlstab!

Flach wird die Form zum vollendeten Fechtschwert,

Scharf wird die Schneide und schön wird der Schaftgriff.

Hart wird die Klinge im Wallen des Wassers.

Und die Männer umringten, auf ihre Schilde schlagend, die Stele des Irmin, um deren Fuß die Schmelzöfen der Eisenschmelzer und die Essen der Schmiede standen. Und sie sprachen mit ihren rauhen Stimmen den ersten Vers des Alten:

Kommet Ihr Kämpfer zu Irmin dem Kampfgott!

Reiht Euch, Ihr Recken in riesiger Runde,

still steht um Irminens steinerne Stele.

Hoch steigt sein Stern auf, rotstrahlend am Himmel.

Wollen uns waffnen mit Schwert und mit Wurfspieß!

Und hinein in das Zischen des geschmolzenen Eisens und das Schlagen

der Schmiedehämmer und das Klingen des Stahles zuckten Blitze und der Donner rollte weithin, dass es aus den Wäldern wiederhallte."

Die Mittagszeit war vorüber. Der alte Schmiedemeister strich sich die Krümel aus dem Bart und stand auf. Doch der junge Geselle frug ihn, wie die Geschichte weitergegangen war. Der Meister entgegnete: "Mein Großvater hat nur einmal die Geschichte weitererzählt. Es sei, so sagte er, eine Zeit gekommen, wo der Alte im Herbst den Stern des Kampfgottes am Himmel nicht mehr gefunden habe. Des Alten Anrufe seien ungehört geblieben – .

Bald sind Krieger vom Süden gekommen, eintausend gutgerüstete römische Reiter. Und die kriegerischen Germanenstämme vermissten wehklagend die Hilfe ihrer Götter und wanderten weit weg - dem Norden zu.

 

Informationen zu „Die Irminsäule zu Irmannsweiler“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 6. Auflage 1994

Nr. 7226 –Oberkochen

Irmannsweiler im Planquadrat 02/75

Das vorchristliche Irmannsweiler teilt vermutlich das Schicksal der keltischen Eisengewinnung bei den Weiherwiesen.

Geologische Grundlage: Feuersteinreiche Lehmüberlagerung des Weißjura mit Erzeinschlüssen (Bohnerz).

Irminsäulen: "... demselben Gotte waren auch wohl die sogenannten Irmensäulen (Irminsul) geweiht, wie im uneigentlichen Sinne dieser Ausdruck zur Bezeichnung großer Säulenschäfte oder Standbilder von fränkischen Schriftstellern bis ins 14. Jahrhundert gebraucht wird."

Irmannsweiler 

"Siedlung des Irminbold"

Es ist nicht ausgeschlossen, dass durch germanische Einflüsse, auf der höchsten Erhebung, eine Irminsäule stand.

Weiler mit abgegangener Burg nnw von Steinheim (in der Nachbarschaft Erchenbrechtesberc, Fachensol, Machalmeswilare, Wenelenwilare, Hohensol, Louveswilare, Babenwanc, Chorben)

("... dazu kommen im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts eine Anzahl von "...weiler-Orten", sowie Siedlungen mit den Grundwörtern "-berg" und "-sohl").

Mehrere Orte der Ausbauzeit sind wohl nach Angehörigen der alemannischen Herzogsfamilie benannt (Beispiel: Geroldsweiler war benannt nach dem Bayernpräfekten Gerold (+799), einem Urenkel Huochings. In Itzelberg steckt der Name Utzilo, den ein Bruder Gerolds trug).

Urkundlich belegt:

·         1143 "... in locis ... Irmboldeswilare" Besitz des Klosters Anhausen - wohl schon seit 1125 oder gar seit 1113 (siehe unten „Das Haus der Pfalzgrafen)

·         1349-1364 - Diemar der Essinger von Irmboltzweiler - Irmannsweiler ist dem Ritter Diemar von Essingen versetzt, der auf der dortigen Burg seinen Wohnsitz hatte.

·         1354 löst Gräfin Maria von Helfenstein die Pfandschaft für Irmboltzwiler ein.

·         1356 Yrmelboltzwiler

·         1358 verzichtet der Abt von Anhausen auf die Rechte an „Irmboltzwiler, Rehwasser, Rächenzell, Vachensohl und Mackmanswiler, die damit endgültig an die Herrschaft Helfenstein kamen.

·         1463 Irmansweyler

·         1492/94 "... Uff dem Albuch liegt ein Burgkstal und weylerstat genant Irmanssweyler."

·         1556 hat Gertraud Rossnagel „der Herrschaft aigen wayd Irmezwyler sampt Rechenwasser und Rechenzell ... inne“

·         1557 Ermanschweiller

 

Das Haus der Pfalzgrafen

hält neben dem Haus Stubersheim den reichsten Besitz auf dem Albuch, der großenteils in die Anhauser Klosterstiftung eingeht.

Der Besitz gruppiert sich vorwiegend um die Feste Lauterburg und reicht bis an den Südrand des Albuch (Heuchlingen) und schließt das alte Dorf Heidenheim mit Moropolis ein.

Der Sohn des Staufers Friedrich von Büren und vermutlich dessen zweiter Frau, einer Tochter des "Duria-Grafen", ist Manegold d. Ä. (1070-1095) Pfalzgraf in Moropolis, verheiratet mit Adelheid (1089) aus dem Geschlecht der schwäbischen Adalberte (Haus Stubersheim). Er führt die eigenständige Pfalzgrafenlinie an. Deren Kinder sind

·         Manegold, Pfalzgraf (+ vor 1125)

·         Ulrich (1125- v. 1143)

·         Adalbert, Pfalzgraf von Lauterburg (1125-1143)

·         Walter, Bischof von Augsburg (1133-1153, +1154), Das Kirchenpatronat von Steinheim und Heubach könnte auf ihn zurückzuführen sein.

·         Guta, Witwe Manegolds von Rohrdorf

Mit Pfalzgraf Adalbert von Lauterburg endet diese Linie.

 

 

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Zur Wanderung: Weiherwiesen

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