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Spuren auf dem Albuch

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Am Gurteich

Teil II: 10.000 v. Chr.Teil III:
Steinheim und Ostheim

 

Es mag bald nach der letzten Eiszeit gewesen sein, vielleicht vor zehntausend Jahren, vielleicht auch vor fünfzehntausend Jahren, als mit dem Zurückweichen der Gletscher auch wieder Menschen in unsere Gegend kamen. Die Wissenschaft spricht von Jägern und Sammlern. So muss man annehmen, dass unsere Gegend nach der Eiszeit erst langsam wieder eine Graslandschaft wurde mit beginnendem Waldwuchs. Und dieser Buschwald bestand zunächst aus Weiden, Erlen und Birken in feuchten Niederungen und aus Haselnuss, Weißbuche und Eiche auf den mehr trockenen Hochlagen.

Die Senke des Steinheimer Beckens war wohl weitgehend feucht. Auf der Südseite des Steinhirts entsprangen auf halber Höhe zwei oder drei Quellen, auf der Nordseite aber zog sich von oben, vom Gesteinsfeld des Steinhirt bis ins Tal, ein breiter, sumpfiger Gürtel. Auf halber Höhe, an der heutigen Gurstraße, zwischen dem Belemnitenweg und der Pfarrstraße, lag ein kleiner See, wohl einen Hektar groß. Er war Teil eines großen Feuchtgebietes. In diesem See sammelte sich das Hangwasser des Steinhirt und floss dann in einem kleinen Bach hinunter in den nächsten See, der die Osthälfte des Steinheimer Beckens ausfüllte. In diesen See floss auch der Bach aus dem Wental. Das Tal bis hinunter zur Brenz war eine Bachniederung, in der sich offenes Wasser mit Sumpfgebieten abwechselte. Das gab Nahrung für Enten, Gänse und Fischreiher, aber auch für das Birkhuhn und das Rebhuhn, den Hasen und für das Reh. 

Die Höhlen in den Felsen im nahen Brenztal hatten die Menschen wohnlich eingerichtet mit Holz, Heu und Fellen. In der Brenz, die mehr Wasser führte als heute, konnten die Menschen viele verschiedene Fische und Krebse fangen. Daneben reiften Grassamen auf den Höhen, aus denen Brotfladen gebacken wurden. Wurzeln der wilden Möhre, frische Brennnessel- und Löwenzahnblätter, auch Blütenköpfe der Silberdistel ergaben gutes Gemüse und Brunnenkresse für feinen Salat wuchs in vielen kleinen Quellen im Talgrund. Ein besonderer Leckerbissen war der Honig der Wildbienen aus gefüllten Waben in hohlen Bäumen. Und die Raupen der Maikäfer, die Engerlinge, die man aus dem vermoderten Laub am Waldrand scharrte, wurden auf heißen Steinen geröstet. Außerdem schmeckten die Weinbergschnecken besonders gut, wenn sie auf kleinen Spießchen am Feuer knusprig braun gebraten waren.

Der weise Alte der Sippengemeinschaft wanderte vom Brenztal immer wieder hinauf zum heiligen Berg, mitten im Tal, zum heutigen Totenberg. Dort sprach er mit der Gottheit und erbat Weisung darüber, wann für die Ernte die richtige Zeit und die Jagd erfolgreich sei, und erhielt diese Weisung aus der Stellung der Sonne und der Gestirne am Himmel. An bestimmten Tagen, bei Sonnenaufgang, rief er sein Volk, das in feierlicher Prozession zum heiligen Berg emporstieg. Er sandte die Frauen zum Sammeln der Kräuter aus und die Männer zum Jagen. Und so wussten die Jäger vom Alten, wann die Vögel im Seengebiet des Steinheimer Beckens einfallen werden - die Vögel, die im Herbst vom Norden kommen und die Vögel, die im Frühling vom Süden kommen. Und die Männer versorgten sich mit Pfeilen in der Steinhauerei im Hohlen Stein, der Heidenschmiede unter dem Hellenstein. Sie luden Stangen, Häute und ihre Zelte auf Ihre Rücken, nahmen Zunder und Feuersteine zu sich und machten sich auf den Weg zur Seensenke unter dem Steinhirt. Der Weg ging nicht durch das sumpfige Tal, sondern über die Berge bis zum Nordrand des Steinheimer Beckens. Von dort stiegen die Jäger herab, überquerten den Wedelbach und bahnten sich ihren Weg durch Weidengebüsche bis zu dem kleinen Gursee. Hier hatten sie jedes Jahr ihr Jagdlager für einige Tage.

Zur Jagd auf Wildschweine, Hirsche und Wildpferde zogen immer nur erfahrene Jäger. Aber zu der Jagd auf durchziehende Kraniche, Wildgänse und Wildenten, die in der Steinheimer Senke die letzte Rast vor dem Überfliegen des großen Gletschers machten, durften auch die Buben mit. Deren Aufgabe bestand darin, Holz für die Feuerstelle zu sammeln und in Lederhäuten frisches Wasser zu holen. Und dann durften sie auch, das erste Mal, mit echten Jagdpfeilen auf einfallende Enten und Gänse schießen. Diese Pfeile waren kostbar und deshalb durfte kein Schuss daneben gehen. Pfeile, die nicht getroffen hatten, mussten wieder eingesammelt werden.

Nun begab es sich aber bei dieser Jagd, dass nicht nur unten im großen See, sondern auch im kleinen Gursee Wildgänse eingefallen waren. Die erfahrenen Jäger waren schon unterwegs zum großen See und nur zwei Jungen waren am Gursee zurückgeblieben. Obwohl die Jungen aufgeregt waren, verhielten sie sich ganz ruhig. Die Gänse schwammen einige Zeit hin und her. Der kleinere Junge wollte gleich schießen, aber der größere hielt ihn zurück. Langsam ruderten die Gänse auf die Jungen zu, die am Ufer versteckt lagen. Die Gänse watschelten zur Sumpfwiese und weideten dort. Plötzlich bemerkte aber der Gänserich die Jungen, warnte mit einem lauten Schrei die Gänse und dann ging alles zu plötzlich: die Gänse flogen rasch auf und beide Jungen schossen ihre Pfeile ab. Eine Gans blieb getroffen liegen. Da fehlte aber der zweite Pfeil. Keiner der Jungen wusste, wer nun die Gans getroffen hatte und keiner wusste, wessen Pfeil verloren gegangen war. So suchten sie gemeinsam nach dem Pfeil auf der Wiese, im Gebüsch und zwischen dem Schilf am Ufer, bis die Jäger zurückkamen - ohne Erfolg. Die Freude der Jungen über das Jagdglück war getrübt durch den Verlust der kostbaren Waffe.

Bei Bauarbeiten, am Rande des kleinen Sees, der jetzt nicht mehr zu sehen ist, fand ein Kind die Pfeilspitze unversehrt nach über zehntausend Jahren.

 

Informationen zu „ Am Gurteich“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 7. Auflage 1994

Nr. 7326 – Heidenheim an der Brenz.

In Steinheim  zwischen Pfarrstraße, Gurstraße und Belemnitenweg, Planquadrat 78/95

Auf dem Albuch sind Besiedlungsspuren nachzuweisen ab der Mittleren Steinzeit - Mesolithikum (10.000 - 3.000 v. Chr.).

Am Nordhang des Steinhirt wird 1985 bei Bauarbeiten von einem Kind im Uferbereich eines ehemaligen kleinen Sees eine unversehrte Pfeilspitze aus der Steinzeit (ca. 10.000 v. Chr.) gefunden.

Der Totenberg in Heidenheim gehört zu den ältesten Kultstätten im Kreis Heidenheim. Dort, wo heute die Friedhofkapelle steht - auch eine frühmittelalterliche Peterskirche - sind bis zurück in älteste Besiedelungszeiten religiöse Kulte gefeiert worden.

 

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