Alemannische Zeit
Phol
ende Uuodan vuorun zi holza
du
uuart demo Balderes volon sin vuoz birenkit.
thu
biguolen Sinthgunt, Sunna era suister;
thu
biguolen Frija, Volla era suister,
thu
biguolan Uuodan so he uuola conda:
sose
benrenki sose bluetrenki sose lidirenki:
ben
zi bena, bluot zi bluoda,
lid
zi geliden, sose gelimida sin!
Phol
(Baldur) und Wodan fuhren zu Holze.
Da
ward dem Fohlen Baldurs sein Fuß verrenkt.
Da
besprach ihn Sinthgunt, Sunna, ihre Schwester,
Da
besprach ihn Freija, Volla, ihre Schwester,
Da
besprach ihn Wodan, wie er's wohl verstand:
So
Beinverrenkung wie Blutverrenkung wie Gelenkverrenkung:
Bein
zu Bein, Blut zu Blut Gelenk zu Gelenk,
als
ob sie geleimt wären.
(indogermanische Wurzel: aus Merseburger Zaubersprüche)
Völkerwanderung (350 - 500 n. Chr.)
Alemannen (400 - 800 n. Chr.)
Ackerbau wird auf dem
Zeta-Plattenkalk (auf der Flächenalb, der "Heidenheimer Alb")
betrieben, während dem Wald und der Weide (auf der Kuppenalb, dem
Albuch) der weitverbreitete kalkarme Verwitterungslehm mit
Kieselknollen überlassen bleibt. Die Kulturgrenzen decken sich weitgehend
mit diesen Formationsgrenzen.
In
dieser Zeit finden wir auf dem Albuch nur Weileranlagen und Einzelhöfe
zwischen den beweideten Waldungen, während auf der Heidenheimer Alb
größere Dörfer mit großen Gewannfluren bewirtschaftet sind.
Der
große Alemannensturm von 259 scheint die römische Siedlung in
Heidenheim entvölkert, aber nicht zerstört zu haben. Es scheint, dass
keines der römischen Gebäude im Brand untergegangen ist. Ein Münzhortfund,
der ehestens um 350 in den Boden kam, schafft der Möglichkeit Raum,
Heidenheim-Aquileia könnte, wenn auch in einem sicher bescheidenen Maße,
bis weit ins 4. Jahrhundert römisch besiedelt geblieben sein.
Das
Landesdenkmalamt gräbt 1973/74 in Sontheim im Stubental, Flur
Hochfeld, Teile einer Siedlung aus frühalemannischer Zeit aus. Nach
Ausweis der Funde beginnt die Besiedelung im späten 3. Jahrhundert und
endet in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Die Siedlung liegt
dicht nördlich der Römerstraße Urspring-Heidenheim, hinter dem Bergsporn
des sog. Burgstalls. Von Heidenheim und Urspring sind etwa gleichzeitige
Siedlungsfunde bekannt. Der östliche höhergelegene Teil der Siedlung ist
mit einer Palisade gesichert, an deren Südseite mit einer mit Holzturm
versehenen Toranlage. Der Innenraum ist, soweit bisher untersucht, nur
locker bebaut. Der tiefergelegene Westteil der Siedlung scheint nicht
befestigt zu sein.
Zum
Augustinerorden: Am 13. November 354 ist Aurelius Augustinus in
Thagaste in der römischen Provinz Numidien (heute Algerien) geboren. Er
wird Lehrer der Rhetorik, hängt zunächst dem Manichäismus an, wird
todkrank und zweifelt an der Möglichkeit der Wahrheitserkenntnis. Er lehrt
sodann in Rom, geht aber dann nach Mailand, wo er "zu Bischof Ambrosius
kommt". Dort lernt er an der christlichen Wahrheit - ganz im Sinne der
platonischen Zweistufenlehre - die sinnliche Form und den geistlichen
Inhalt zu unterscheiden. Ambrosius eröffnet ihm die Sicht auf einen
christlichen Platonismus. Es beginnt ein langwieriger Prozess der
geistigen und sittlichen Annäherung an die intuitiv erfasste neue
Wahrheit.
Er
lernt, das Absolute als rein geistige Transzendenz zu denken. Der
Römerbrief (13, 13-14) bewegt ihn zutiefst und er entscheidet sich, sich
ganz dem christlichen Leben zu widmen (August 386, d.h. im 32.
Lebensjahr). Im Jahr 387 erhält er in Mailand die Taufe. In dem Gespräch
mit seiner Mutter, einer Christin, "an einem Fenster geführt", vollziehen
sie den Aufstieg der Seelen durch die Körper- und Geistwelt bis zur
ekstatischen Vereinigung mit der ewigen Weisheit.
Wieder
in Afrika, erhält er 395 die Priesterweihe und schließlich 396 das
Bischofsamt. Er muss erfahren, dass sich die christliche Existenz nicht in
einem beschaulichen Leben erschöpft, sondern dass sie zu öffentlicher
Tätigkeit aufgerufen ist.
Die
Vandalen bestürmen seine Bischofstadt, im dritten Monat der Belagerung, am
28. August 430 stirbt Augustin, ehe im neunten Monat die Stadt erobert und
verwüstet wird.
Es
herrscht 434-453 König Etzel, Attila, der Hunnenkönig, in dessen
Herrschaftsbereich die Nibelungen (Nibelungenlied - Siegfriedsage)
untergehen.
Durchgehend enthalten alle Verfüllungsschichten des römischen
Kastellgrabens des Weiherwiesenkastells handgemachte frühalemannische
Keramik der Völkerwanderungszeit. In der Verfüllung des Kastellgrabens
liegen immense Mengen Eisenschlacke, die auch in dieser Zeit in den
Graben gelangte. Die Schlacken müssen also frühalemannisch oder älter
sein. Die größeren Brocken geben sich als Überreste von kuchenförmigen
Gebilden zu erkennen, die im Zentrum 15 cm stark sind, zum Rand hin
ausdünnen und ursprünglich einen Durchmesser von ungefähr 50 cm haben.
Dazwischen stecken zahlreiche Bruchstücke von Düsenziegeln und verziegelte
Ofenwandungsteile. Die Ziegel haben eine Kantenlänge von mindestens 11 cm,
die lichte Weite der Düsenöffnung beträgt 2 cm. Die Verhüttungsöfen, die
diesen Abfall produzieren, stehen sicher in unmittelbarer Nähe. Von diesen
ist nichts mehr erhalten. Die obersten Verfüllungsschichten des
Kastellgrabens zeigen dicht bepackt wie ein Pflaster Schlacken.
Erst
im 5. Jahrhundert werden Alemannen im Brenztal sesshaft
und bestatteten ihre Toten auch in Ruinen
der zu dieser Zeit nun verlassenen und zerfallenen Römersiedlung. Dies
erfolgt offensichtlich schon unter fränkischer Oberhoheit (um 500, unter
Chlodwig, aus dem Hause der Merowinger), mit deren Hilfe es zu einer
Errichtung eines alemannischen Herzogtums für den einheitlich
zusammengefassten Stamm im Gebiet von den Vogesen bis zum Lech kommt. (Der
Einfluss des Ostgotenkönigs Theoderich reicht nicht bis zu den Alemannen
unserer Gegend).
Kerngebiet der einheitlichen Herzogsgewalt ist vor allem die westliche
Bodenseelandschaft.
Hand
in Hand mit der politischen Eingliederung des alemannischen Stammes in das
fränkische Reich der Merowinger und Karolinger verläuft ein Prozess von
tiefgreifender geschichtlicher Wirkung: Die Christianisierung und die
Übermittlung alles dessen, was die Franken in Gallien an spätantikem Leben
aufgenommen und fortgebildet haben.
Die
Christianisierung der Alemannen setzt vor dem Ende des 6. Jahrhunderts,
überwiegend durch iroschottische Mönche, ein (Reichenau, St. Gallen,
etc.).