Vorgeschichtliches auf dem Albuch
Meinem
örtlich begrenzten Thema „Spuren auf dem Albuch“ möchte ich, so gut es
geht, treu bleiben. Dem „Vorgeschichtlichen“ kann man jedoch nur
einigermaßen gerecht werden, wenn man den Blick etwas erweitert: waren
unsere Vorfahren in der ausgehenden Würm-Eiszeit doch ein nomadisierendes
Volk, ein Volk der Jäger, das einen größeren Lebensraum beanspruchte,
allerdings mit kulturellen, festen Plätzen.
Aus diesem Grund erweitere ich für die Vorzeit unsere Aufmerksamkeit auf
das Gebiet, das die Helfensteiner Burgherren Mitte des 14. Jahrhunderts
beherrschten; diesen Raum umfasste, grob umrissen, die Linie entlang des
Brenztales nach Süden bis zur Brenzmündung in die Donau, dann nach Westen,
der nördlichen Ulmer Hoheitsgrenze entlang, bis in die Gegend um
Blaubeuren, dann nach Norden in den Geislinger Raum und wieder zurück, am
Albtrauf entlang, nach Osten zur Brenz.
In diesem Gebiet, dem Kernland der Ostalb, finden sich vielfältige Spuren
des archaischen Menschen, des Neandertalers, des „homo sapiens“, dessen
Kultur die Ausbildung des Steinwerkzeugs war. Wir finden hier Faustkeile,
dann aber auch Schaber und Spitzen und vereinzelt erste Werkzeuge aus
Tierknochen.
In Heidenheim wurden u.a. in der „Heidenschmiede“, in der Felsnische
unterhalb des Schlosses Hellenstein, handwerkliche Erzeugnisse des
Neandertalers aus der Zeit um 80.000 v. Chr. ausgegraben.
Der „moderne Mensch“, der „homo sapiens sapiens“, von Westen kommend,
drängte den Neandertaler offensichtlich nach Zentraleuropa ab. Es gibt
bisher keine Anhaltpunkte dafür, dass beide Menschenrassen jemals
aufeinandergetroffen sind.
In diesem Zeitraum müssen globale Ereignisse eingetreten sein, die auch
zum Aussterben des Neandertalers geführt haben können.
Das Aussterben des Neandertalers, des „nur“ handwerklich begabten
Menschen, fällt in eine Zeit, als der „Neue Mensch“ das erste Mal
zusätzlich künstlerisch schöpferisch tätig wurde und damit ein weiteres
menschliches Element zu dem rein handwerklichen Element hinzufügte.
Das älteste Fundstück dieser weiterführenden Kultur ist eine
Flöte aus
einem Flügelknochen des Singschwanes. Der Mensch spielt Flöte und nutzt
dabei die Akustik der kathedralenartigen Apsis einer Felsformation, sie
ist das hoch aufragende Felsenhalbrund des Geißenklösterle über dem Achtal,
dem ehemaligen Urstromtal der Donau bei Blaubeuren: Der Mensch atmet
kontrolliert und hört bewusst.
Nach weiteren zweitausend Jahren, einem weiteren Weltzeitalter, schnitzen
Menschen aus Mammutelfenbein in der Vogelherdhöhle im Urstromtal der Lone
kleine
Tierfiguren, einerseits absolut naturgetreu aber auch versehen mit „Mustern“
die das geistige Strömen des Lebendigen, die Wirkung der Wärme und des
Lichtes im Tier zeigen. Die Welt der Formen ist ins Bewusstsein gedrungen.
Wieder zweitausend Jahre später erscheint der „Löwenmensch“
im Hohlensteinstadel im Urstromtal der Lone, es ist die Menschengestalt,
die mit „Löwenmaske“ von der geistigen Welt berichtet.
Damit ist der Gang aufgezeigt der Entwicklung der Kultur in dem damaligen
Weltenjahr: der Mensch ist mit der geistigen Welt im Hören noch verbunden;
das Sehen des Menschen in geistige Zusammenhänge der Natur ist noch
selbstverständlich bis er sich langsam loslöst von der geistigen Welt: Die
Löwenmaske zeigt dem Menschen sinnbildlich die Kräfte des Kosmos dieser
Zeit, die Religion ist damit geboren. Der Mensch ist geistig und physisch
auf der Erde angekommen.
Wenn man sich in diese Eiszeitkunst vertieft, ist man versucht, die
Interpretation dieser Kunst in diesem Sinne zu empfinden.
Wer sich in die naturwissenschaftliche Thematik einarbeiten möchte, dem
empfehle ich die in englisch vorliegende Arbeit von Nicholas J. Conard und
Michael Bolus vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität
Tübingen, Schloss Hohentübingen, aus dem Jahr 2002 mit dem Titel „Radiocarbon
dating the appearance of modern humans and timing of cultural innovations
in Europe: new results and new challenges“.
Die beschriebene Zeit des frühen modernen Menschen umfasst die Epoche des Aurignacien, die in die Epoche des
Gravettien übergeht, mit insgesamt
ungefähr 26.000 Jahren, das ist ein Weltenjahr.
Mit
dem Bewusstwerden der Geschlechtlichkeit des Menschen, im Zeitalter des
Gravettien, entstehen auch entsprechende plastische Darstellungen bei uns
im Einzugsbereich der Donau. Im Hohlen Fels bei Schelklingen werden
Fragmente eines Phallus (19,2 cm lang, aus hartem Gestein), in Willendorf
in der Wachau an der Donau die sogenannte Venus von Willendorf (11 cm hohe
Figur aus Kalkstein) gefunden.
Hier
beginnt die letzte Eiszeit.
Nach einem weiteren halben
Weltenjahr, nach weiteren 13.000 Jahren, befinden wir uns schon um Christi
Geburt. Dieses halbe Weltenjahr umfasst bei uns die Zeiten der Mittel- und
Jungsteinzeit, die Bronce- und die Eisenzeit Diese Zeiten sind auf der
Ostalb reichlich dokumentiert und beschrieben.
Am Nordhang des Steinhirt in Steinheim wird 1985 bei Bauarbeiten von einem
Kind im Uferbereich eines ehemaligen kleinen Sees eine unversehrte
Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit (ca. 5000 v. Chr.) gefunden. Dies zeigt,
dass unsere Vergangenheit heute noch auf Schritt und Tritt gegenwärtig
ist, man muss die Spuren nur sehen.

Das
Gebiet des heutigen Albuch wird durch ein Dreieck von
bronzezeitlichen „Burgen“ eingegrenzt (vom
Beginn der Bronzezeit kann man gegen 2200 v. Chr. sprechen, diese dauerte
ungefähr 1000 Jahre bis zum Beginn der Hallstattzeit um 1200 v. Chr.). In
diese Zeit fällt gleichzeitig der Beginn der Entwicklung des israelischen
Volkes , ausgehend von Abraham über Isaak - und über Ismael der Beginn
des Volkes der Nabatäer, die im arabischen Volkstum aufgegangen sind.
Im
Nordwesten des Albuch wurde bei Lauterburg der erste Gold- und
Silberschmuck der Bronzezeit in Württemberg gefunden. Heute sehen wir noch
auf dem Mittelberg bei der hochmittelalterlichen Lauterburg, hoch über den
Lauterquellen im Lappertal, die „Teufelsmauer“. Im Nordosten, hoch über
den Quellen des Weißen Kocher, über Unterkochen, finden wir die
„Kocherburg“, eine bedeutende Anlage aus der Bronzezeit neben einer
mittelalterlichen Höhenburg. Auch im Süden, bei Herbrechtingen auf dem
Radberg und dem Buigen finden wir Wälle, dort kamen ebenfalls wesentliche
Funde der Bronzezeit zutage.
An der
Brenz, in den Seewiesen südlich Schnaitheim, bestand wohl ein
mittelbronzezeitliches Dorf an einem vermuteten Schnittpunkt von
Überlandwegen, einer der Wege führte von Westen her über die Steinheimer
Heide, die Schäfhalde.
Es ist
anzunehmen, dass einige der zahlreichen Hügelgräber auf der Ostalb, wie in
den Seewiesen, an Wegen während der Bronzezeit angelegt wurden.
Die
Menschen arbeiteten auch noch mit jungsteinzeitlichen Werkzeugen.
Bronzebarren (aus 90% Kupfer und 10% Zinn) dienten als Rohmaterial zur
Weiterverarbeitung, sie wurden aber auch als Geldersatz verwendet. Vieles
Schöne aus Bronze kam aus den Mittelmeerländern und aus dem nahen Osten,
wie auch aus Gold und Silber. Bernstein kam von der Ostsee. In dieser Zeit
scheint der Handel nördlich der Alpen aufgeblüht zu sein.
Aber
noch scheinen große Viehherden im Frühjahr vom Unterland, von den
Flussniederungen, auf die Hochflächen der Alb heraufgezogen zu sein und im
Herbst wieder hinunter, ausgetretene Tier-Wanderpfade finden wir noch im
Bereich des Albaufstiegs hinauf auf den Albuch. Ob diese Viehherden,
vermutlich Rentiere und Rinder, jemandem gehörten wissen wir nicht.
Von was könnte der Name "Albuch"
abgeleitet sein?
Alp
(Alb) ist ein keltisches Wort (Gerhard Herm) das die hochgelegenen
Sommerweiden ... bezeichnet. Albuch könnte "die hochgelegene Sommerweide
im Buchenwald" bedeuten.
In der
Lebensbeschreibung des Bischofs Otto von Bamberg (1102-1139), die der
Mönch Ebo um die Mitte des 12. Jahrhunderts verfasst hat, findet
sich erstmals der Name "Albuoch". Bühler schreibt: "Er wird als
"Adelbuch", Wald des Adelsgeschlechts, gedeutet. Ist dies richtig, so
fragt es sich, welches Adelsgeschlecht gemeint sein könnte". Nach der
Auswertung der Bühlerschen Forschung kann es nur eine Antwort geben, falls
der Name für unseren Albuch überhaupt so "jung" ist: "Der Buchenwald des
Adelsgeschlechtes der "Adalbertsippe". Diese Sippe (Stubersheim/Albeck/Ravenstein)
lässt sich auf Gotefried, den Herzog der Alemannen (gest. 709) über
Adalbert von Marchtal (gest. 954) zurückführen und reicht bis in das 13.
Jahrhundert hinauf.
Der
Totenberg in Heidenheim gehört zu den ältesten Kultstätten im Kreis
Heidenheim. Dort, wo heute die Friedhofkapelle steht - auch eine
frühmittelalterliche Peterskirche - sind bis zurück in älteste
Besiedelungszeiten religiöse Kulte gefeiert worden.
Es
werden die Quelle im Hungerbrunnental, wie auch das Knillwäldchen, als
"starke Plätze", in mythischem Sinne, bezeichnet.
Der
Messelstein über dem Lautertal am "Alten Postweg" gelegen, gilt als
alter Brandopferplatz der frühen Kelten. (Gisela Graichen)
Die
ehemalige Freistätte im Hungerbrunnental war ein vermarkter Platz
von 40 x 60 m, auf dem in regenreichen Jahren eine Karstquelle entspringt,
der Hungerbrunnen. Der Platz galt als Freiung für strafrechtlich
Verfolgte. Heuchlingen, Heldenfingen und Altheim waren "seit
unvordenklichen Zeiten" gemeinsame Eigentümer und hatten dort Weiderechte.
Dem Hungerbrunnental entlang verlief eine alte Hoheitsgrenze. Über den
Ursprung der Freiung ist urkundlich nichts bekannt, aber ein uralter
Kultplatz an dieser Karstquelle könnte diese Freistätte, dieses
"Kirchenasyl" begründen.
"Ein
alter Zauber" liegt auf dem Knillwäldchen östlich von Sontheim. Als
"Heiliger Hain" wird er bezeichnet, als alte Orakelstätte - auch ohne
archäologische Beweise. Tatsächlich umfängt die Menschen immer noch, wenn
sie zwischen den hohen Bäumen hineingehen, eine Art heilige, ehrfürchtige
Atmosphäre. Und es ist gut vorstellbar, daß schon in uralten Zeiten
Menschen hier ihre Naturreligion ausübten. (Gisela Graichen)
Die
Grabhügel um Steinheim - insb. im Grothau und südl. Küpfendorf im
Küpfendorfer Holz - aus der älteren (800-700 v. Chr.) und der jüngeren
Hallstattkultur (600 - 400 v. Chr.) sind vermutlich in Zusammenhang zu
sehen mit je einer keltischen Viereckschanze, die nicht mehr auszumachen
ist. Die Viereckschanzen waren mit größter Wahrscheinlichkeit keltische
Kultstätten. (Peter Goessler und Friedrich Hertlein - Prof. Kurt Bittel
ging davon aus, daß die Entfernung der Viereckschanzen zu den Grabhügeln
kaum mehr als 300 m betrug.)
Die
Hügelgräber südl. Küpfendorf könnten mit den Bohnerzlagern am Wellesberg
zusammenhängen (siehe auch Weiherwiesen).
Die
Grabhügelansammlung im Grothau liegt im Bereich einer vermuteten
zeitweise keltisch besiedelten Anhöhe (später Stockheim) an einem
Überlandweg, gleichzeitig Salzweg, von der Donau zum Neckar (zwischen dem
Vorderen Orient mit Griechenland sowie Hallstatt und Hochdorf,
Ludwigsburg, Hohenasperg).
Es
liegen mind. 8 Grabhügel ca. 1 km westlich der Weiherwiesen im
Wald, Richtung Lauterburg.
Bei
den Weiherwiesen wurde ein Rest eines Kreisgrabens von 15 m Durchmesser
festgestellt und vier Brandgräber, die zu einem späthallstattzeitlichen
Friedhof gehörten, der ursprünglich sicher mehr Gräber umfaßte. Die Gräber
lagen locker um den Kreisgraben und waren bei den Grabungen sehr schlecht
erhalten.
Die
Kelten waren nicht seßhaft, ihre Habe konnten sie jederzeit mit sich
führen.
Die
Bezeichnung "Druiden" für die geistigen Keltenführer läßt sich herleiten
aus dem griechischen Wort "drus" für Eiche und dem indogermanischen "wid"
für Wissen. Es bestand ganz offensichtlich auch eine kulturelle Verbindung
mit Osteuropa und Vorderasien (Galater = Kelten).
Barden
hatten im Volke als wandernde Sänger und Erzähler den Mythos lebendig zu
erhalten. Sie waren ein Bindeglied zwischen den Druiden und den Fürsten.
Eine
wichtige Rolle in den Handelsbeziehungen spielte das Salz.
Hal
ist die keltische Bezeichnung für das weisse Mineral. Bei Bad Nauheim
stand auf einem Gelände von 2 km Breite und mehreren hundert Metern Länge
ein Sudofen neben dem anderen. Rings um die Öfen lagerten Tongefäße mit
einem Fassungsvermögen von bis zu zweihundertfünfzig Litern. Darin wurde
die Sole aufbewahrt. Hatte sie die notwendige Konzentration erreicht,
füllte man den Inhalt der Großbehälter in kleinere Krüge um und schob
diese in die Öfen. Was darin zurückblieb, war ein Salzkuchen, der sich
mühelos stapeln und transportieren ließ, nachdem die Sud-Tontöpfe vorher
zerschlagen worden waren. (Noch im 16. Jahrhundert hatten leibeigene
Brautleute in unserer Gegend ihrer Herrschaft "...zu Breutleuff ein
Schyben Sallz ..." zu geben.)
Ein
wichtiges Getränk ist Honigmet.
Funde
der Regenbogenschüsselchen (1. Jhdt. v. Chr.) gibt es von ...
Steinheim ...
Diese
Münzformen stehen am Beginn der Münzprägung und der Entwicklung des
Geldwesens in unserem Raum (sie sind zu sehen im
Heidenheimer Heimatmuseum auf Schloss Hellenstein)
(ext.).

Irmannsweiler mit einer Irminsäule teilt vermutlich das Schicksal der
keltischen Eisengewinnung bei den Weiherwiesen.
Geologische Grundlage: Feuersteinreiche Lehmüberlagerung des Weißjura mit
Erzeinschlüssen (Bohnerz) und
anstehendes Stufenerz wie zum Beginn der Industriealisierung abbaubar im
Tiefen Stollen in Wasseralfingen.
Irminsäulen: "... demselben Gotte waren auch wohl die sogenannten
Irmensäulen (Irminsul) geweiht, wie im uneigentlichen Sinne dieser
Ausdruck zur Bezeichnung großer Säulenschäfte oder Standbilder von
fränkischen Schriftstellern bis ins 14. Jahrhundert gebraucht wird."