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Spuren auf dem Albuch

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Die Köhlerlisbeth vom Steinhirn

 

Teil II: 1400 n. Chr.

Teil III: Hitzingsweiler, Steinhirn

 

 

Ihr wisst, dort, auf dem Sattel der Königsbronner Steige, liegt rechter Hand, nach Süden, eine Hülbe und linker Hand dehnt sich im Buchenwald eine grüne Fläche. Im Frühjahr blühen dort die blauen Sterne des Immergrün. Wandert ihr von der Steinheimer Heide über die Mühlhalde dort hinüber, findet Ihr an der Grenze zum Steinhirn Reste von Kohlenmeilern. Seit einigen Jahren arbeitet in der Nähe der Kreuzung der Königsbronner Straße und der Zanger Straße, im Hitzingsweiler Wald, eine neue Köhlerei.

Schon vor vielen hundert Jahren ging, gleich hinter der Hülbe, ein Köhler seiner schweren Arbeit nach. Er schichtete die Holzscheite zu einem runden Hügel und bedeckte diesen mit Gras, mit Moos und schließlich mit Erde. Oben, in der Mitte des Meilers, ließ der Köhler ein handgroßes Loch offen. Dort entzündete er das aufgeschichtete Holz. Zuerst stieg der Rauch dick und schwarz aus der Öffnung und breitete sich schwer über den Waldboden aus. Dann stieg gelber Rauch in die Baumkronen und schließlich wurde der Rauch weiß und zuletzt stand nur noch ein bläuliches Wölkchen über dem Meiler. Immer wieder öffnete oder schloss der Köhler da und dort den Erdmantel und durch seine Kunst verwandelte sich das Holz in schöne schwarze, seidigglänzende Holzkohle. Doch nicht immer gelang dem Köhler seine Arbeit, denn immer wieder waren die Löcher am Meiler verstopft und die Glut war im Meiler fast erstickt oder die Löcher waren zu weit offen, sodass der Meiler fast lichterloh gebrannt hätte. Und niemand wusste von dem Übeltäter.

Zu dieser Zeit begab es sich, dass die Gräfin Anna mit ihrem Gefolge von ihrer Burg, der Burg Hellenstein hoch über der Brenz, nach Irmannsweiler hinüber ritt. Als die Reitergruppe in der Nähe der Hülbe an der Köhlerei vorüberziehen wollte, stolperten und scheuten die Rösser und die Reiter konnten sich nur mit Mühe im Sattel halten. Sodann blieben die Pferde wie angewurzelt stehen und sträubten sich, den Weg weiter zu gehen.

(Gräfin Anna zu Pferde von Jasmin Feiler)

 

Es mag ein weiteres Jahr ins Land gegangen sein, da sammelte die junge Lisbeth, des Köhlers Töchterlein, Kräuter und Beeren im umliegenden Wald. Von Ferne klangen Pferdehufe. Plötzlich vernahm Lisbeth leise Stimmen, wie wenn Kinder zaghaft einen Reim sängen:

Knollennase

hockt im Grase,

wartet heiter

auf die Reiter,

wirft mit Erde

auf die Pferde:

und sie purzeln

über Wurzeln!

Lacht von Ferne

Knollennase,

spottet gerne

dort im Grase!

Und die Pferde kamen näher, scheuten und stiegen mit den Vorderfüßen weit in die Luft, worauf sie  auch diesmal wie angewurzelt stehen blieben. Die Reiter mussten absteigen und nur mit Mühe konnten sie die Pferde beruhigen und wegführen.

Lisbeth hörte, wie die kleinen Geschöpfe im hohen Waldgras ein großes Gelächter vollführten und das klang, wie wenn die Gnomen sich kugelten vor Schadenfreude. Sehen konnte Lisbeth die Geschöpfe jedoch nicht, aber sie hörte aus der Gnomenschar einen davon besonders herzhaft lachen.

Eines Tages saß Lisbeth an der Wasserhülbe und pflückte Brunnenkresse. Wieder hörte sie Pferdegetrappel und wieder erklang der Vers der kleinen Gnomen:

"Knollennase

hockt im Grase,

wartet heiter

auf die Reiter,

wirft mit Erde

auf die Pferde:

und sie purzeln

über Wurzeln!"

Doch als der Vers zu Ende ging:

"Lacht von Ferne

Knollennase,

spottet gerne

dort im Grase!"

erklang aus dem Schilf eine liebliche Stimme:

"Doch es bannt

seine Hand

Seidelbast,

den er hasst!"

Die Gnomenschar trollte sich schnell.

Eine kleine Nymphe zeigte geschwinde ihr anmutiges Gesichtchen und verschwand. Über den Teich zog ein Duft wie von Hyazinthen - eben Seidelbastduft.

(Daphne von Sabrina)

 

Im nächsten Frühjahr, da und dort lag noch Schnee, entwuchsen vielen kleinen Ruten im Unterholz, dicht an dicht, purpurfarbene Blütchen. Der Duft verbreitete sich im Wald.

Wieder erklangen in der Ferne Pferdehufe. Lisbeth erinnerte sich an die Worte der kleinen Nymphe. Sie pflückte einige blühende Zweiglein vom Seidelbast, ging den Berittenen entgegen und überreichte der Gräfin Anna das Sträußchen.

Wieder hörte Lisbeth den Gnomenchor singen:

„Knollennase

hockt im Grase,

wartet heiter

auf die Reiter

...“

aber da brach der Gesang ab und Lisbeth sah plötzlich die Gnomenschar. Die kleinen Zwerge eilten davon, voran Knollennase. Sie stolperten und fielen über Stock und Stein.

Und in diesem Jahr wuchs der Seidelbast rund um die Köhlerei und der Kohlenmeiler drohte nicht mehr zu ersticken oder gar abzubrennen.

Die Gräfin Anna aber ließ als Dank der Lisbeth einen Korb senden mit den seltensten Blumen aus ihrem Burggarten.

(Die Köhlerhütte von Jasmin)

 

Sorgsam pflanzte Lisbeth das Immergrün mit den blauen Blütensternen rund um die Köhlerhütte. Dort blüht im Frühjahr noch immer das Immergrün, nur die Köhlerhütte ist inzwischen zerfallen.

 

Informationen zu „“Die Köhlerlisbeth vom Steinhirn“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 6. Auflage 1994

Nr. 7226 –Oberkochen

Schuleneshülbe im Planquadrat 80/97

Heidenheim wird 1378 Verwaltungsmittelpunkt der "Herrschaft". Die Helfensteiner übersiedeln von Giengen auf den Hellenstein. Gräfin Anna von Helfenstein hält den Besitz so gut es geht zusammen. Ihr Sohn, Graf Johann wird 1387 mit dem Reichslehen Hellenstein belehnt. Noch im Jahr 1405 erwirbt Gräfin Anna Güter.... Sie stirbt 1411.

Auf dem Albuch künden verlassene Köhlerplatten, auch Kohlplatten genannt, von der einstigen Tätigkeit der Köhler. In unserer Nähe finden wir diese zwischen dem Steinhirn und der Mühlhalde. An der Straßenkreuzung der Königsbronner- und der Zangerstraße, oben am Walddistrikt Hitzingsweiler, ist eine ständige Köhlerplatte wieder in Betrieb.

Eine Köhlerplatte ist eine in der Mitte etwas erhöhte kreisrunde Erdplatte mit einem Durchmesser von 6 bis 8 m. Darauf wird der Meiler gebaut: meterlange Laubholzprügel werden senkrecht oder leicht geneigt in zwei Etagen aufeinandergeschichtet und mit einer luftabschließenden feuerfesten Decke abgedichtet. Diese Decke hat zwei Schichten: das "Rauhdach" aus Gras, Laub und Moos und darüber das Erddach aus Erde und einer Erdmischung früherer Kohlungen. Ein Meiler fasst ca. 25 Raummeter Holz. Der Meiler wird oben in der Mitte entzündet. Der Abbrand erfolgt kegelförmig mit der Spitze nach unten und von der Mitte nach außen. Erst steigt weisser Rauch (Wasserdampf) auf, dann gelblicher mit stechendem Geruch. Schließlich brennt eine blaue Kohlenoxidflamme.

Der Meiler brennt 4 bis 6 Tage. In dieser Zeit muß er ständig sorgfältig gewartet werden. Durch Öffnungen wird mit entsprechender Sauerstoffzufuhr der Abbrand reguliert. Zum Abkühlen wird der Meiler mit dem Störhaken auseinandergezogen.

Abhängig von der Holzart, vom Wetter, insbesondere vom Wind und vom Können des Köhlers verbleiben als Holzkohle, fast reiner Kohlenstoff, etwa 50-60% des ursprünglichen Holzvolumens oder 25% des ursprünglichen Holzgewichtes.

Steinhirn

Steinhirn ist ein auf die Siedlung übertragener Flurname mit der ursprünglichen Bedeutung a)"morastiges Gebiet mit Steinen".

(hürwe = Kot, morastiger Boden)

b) "Hurnia" ist die Gegend mit Hirnen, d.h. steinigen, flachen Geländeerhebungen.

Wüstung nö von Steinheim, anschließend an die Mühlhalde.

Urkundlich belegt:

·         1463 Stainhürn ist im Lagerbuch als Weilerstätten auf dem Albuch, die mit Holz verwachsen sind, verzeichnet.

·         1471 "... zu Stanihuren ..."

·         1474 "... made auff dem Aalbuch zu Stainhüren ..."

·         1492/94 "... Körben und  S t a i n h ü r n ..."

·         1538 zinsen Bauern von Aufhausen und Steinheim dem Kloster Anhausen aus der Steinhirn-Nutzung.

·         1555 "... der Abt von Anhausen verkauft den Stammen und das wachsende Holtz (die Nutzung für Köhlereizwecke) genannt das Steinhirnn an Georg Besserer und Walter Ehinger von Ulm".

·         1585 Flurname Steinhüren

 

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