Mittelalterliche Überlandwege
Teil II: 1301 n. Chr.
Teil
III: Scheffheim
Am
nördlichen Ortsrand von Scheffheim lag am Fuße der Schäfhalde eine
Pferdestation. Die durchziehenden Fuhrleute konnten vor ihre schweren
Lastenkarren, für den Aufstieg zur Höhe, dort, wo heute noch die
Lindenalle in die Höhe führt, zusätzlich Pferde spannen lassen. Natürlich
wollten die Fuhrleute, wenn sie schon anhielten, auch etwas zu trinken. So
bestand die Pferdestation aus einem Wirtshaus mit einer Eingangstür, die
so niedrig war, dass die Fuhrleute sich bücken mussten, um in die
Wirtsstube zu gelangen. Die Zimmerdecke war aus roh behauenen Baumstämmen,
zwischen denen der Staub herunterrieselte, wenn ein Gast die Tür kräftig
zuschlug. Neben dem Haus lagen einige Stallungen. Ein großer Holztrog
stand vor der Tür am Wegrand, in den kaltes, frisches Wasser vom
Rohrbrunnen aus einem Holzrohr floss. Und das ganze Anwesen wurde
überschattet von mächtigen Linden, unter denen einige einfache Bänke und
Tische aus Eichenstämmchen standen.
Eines
Tages, kurz nach Mittag, es war im Jahr 1302, saß der Wirt und Fuhrmann
der Steige unter einer Linde, in der Nähe des Brunnens und blinzelte über
den im Sonnenlicht gleißenden Talkessel hinweg. Eigentlich hätte er gerne
ein Mittagsschläfchen gemacht, doch irgendwie fand er keine Ruhe dazu. Da
bemerkte er drüben am Ortsrand von Westheim, auf der Landstraße, eine
Staubwolke. Das konnte nicht nur ein Wagen sein, das war ein ganzer Tross.
Bald konnte er auch Reiter mit blinkenden Helmen und glänzenden Lanzen
erkennen. Und der Zug kam schnell näher. Vornedraus ritt ein Lanzenträger
mit einer farbigen Standarte. Der Wirt überlegte krampfhaft, zu welchem
Adeligen die Farben gehören. Er wusste, er hatte sie schon einmal gesehen.
Es war auf jeden Fall niemand aus der näheren Umgebung. Er kannte gut die
Farben des Helfensteiners, derer von Oettingen, auch die Farben des
Pfalzgrafen, oder gar die Farben des Königs, aber diese?
Aus
diesen Gedanken wurde der Wirt durch einen daherjagenden Knappen
aufgeschreckt. Dieser sprang vom Pferd und rief: "He, Alter, wir brauchen
Vorspannpferde für acht Wagen, aber flugs!"
Der
Wirt wollte wegen der Forschheit etwas entgegnen, doch der Jüngling
forderte in freundlichem aber selbtsicherem Ton: "Beeile er sich, wir sind
spät und seine Majestät, König Albrecht, erwartet uns heute Abend noch auf
Hellenstein!" und er fügte hinzu: "Wir sind der Tross des Reichsvogts, des
Herzogs von Rechberg, er wird höchstselbst bald durchkommen!" Der Wirt
rief seine Knechte und fluchte und schalt, weil es ihm nicht schnell genug
ging. Die Pferde mussten eingeschirrt und vier Pferde zuvor noch auf der
Weide eingefangen werden. Und schon hatte der Tross angehalten. Die
Fuhrknechte des Trosses tränkten schnell ihre Pferde, währenddessen
vorgespannt wurde. Und schon zog das erste Gespann an, unter lauten
Anspornrufen des Gespannführers. Auch der Wirt musste mit Hand anlegen, er
rannte neben seinen besten Pferden den Berg hinan. Außer Atem spannte er
oben aus und lehnte sich zuerst einmal an einen Baum: Wie war das noch
mal? Der reiche Rechberger wird vom König auf Hellenstein empfangen?
Gestern weilte der Graf von Helfenstein in Steinheim und ritt heute früh
nach Heidenheim in seiner besten Wehr, und in letzter Zeit sah man hier
mehr Königliche, als die letzten fünf Jahre zusammen. Da musste sich
irgend etwas ereignen.
Inzwischen war auch der letzte Wagen oben auf der Höhe angekommen, die
Vorspannpferde waren ausgeschirrt und der Tross setzte sich wieder in
Bewegung. Da sprengte der Jüngling mit seinem Ross heran und warf dem Wirt
eine Münze zu, dabei sagte er: "Vorzüglich gearbeitet, Alter!" Der Wirt
traute weder seinen Augen noch seinen Ohren. Sonst hörte er immer nur
Fluchen, und die Abrechnung war ein endloses Feilschen. Aber was hielt er
in der Hand? Ein halbes Vermögen, einen Dukaten. Den drehte und wendete er
in der Sonne hin und her, dass er funkelte. Versonnen, fast liebevoll,
betrachtete er das Bildnis auf der einen Seite: es war der Christus in der
Mandorla, dem Strahlenkranz. Dann wendete er das Goldstück und auf der
anderen Seite segnete ein Heiliger einen Fürsten. Dann war rundum noch
etwas geschrieben, das er aber nicht lesen konnte. Der Wirt hatte noch nie
zuvor eine Goldmünze in der Hand gehalten, meistens waren es Heller und
Pfennige, manchmal, wenn er gut gearbeitet hatte, war auch ein Solidus,
ein Groschen, darunter.
Seine
Pferdeknechte waren gerade damit beschäftigt, die Vorspannpferde in die
Stallungen zu bringen, da sprengten drei Reiter in prächtigen Gewändern
und in wertvollem Waffenschmuck einher, die von fünf Bediensteten
begleitet waren. Die Bediensteten halfen den Herren aus dem Sattel und
banden die Pferde am Wassertrog fest. Der Wirt rief seine älteste Tochter:
"Schnell, Marie, Getränke für die hohen Herren!" Und die Tochter brachte
drei Krüge mit kühlem Wein und reichte sie den Herren mit einem artigen
Knicks, so wie sie es den edlen Fräulein abgeschaut hatte.
Einer
der Herren erkundigte sich noch, ob die Wagen wohlbehalten durchgezogen
seien, warf jedem noch einen Heller zu. Dann schwangen sie sich auf die
Pferde und ritten schnell davon.
Informationen zu „Mittelalterliche Überlandwege“
Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden
Württemberg, 7. Auflage 1994
Nr.
7326 – Heidenheim an der Brenz
Scheffheim Planquadrat 80/95
Schon
lange abgegangener Ort am Fuße der "Schäfhalde" zwischen Rohr- und
Linsenbrunnen,
In das
7. Jahrhundert fallen die Gründungen der "-heim-Orte" (Nord-, Ost-,
Süd-(Sont-) und Westheim, an der Peripherie Scheffheim und Stockheim, mit
einer Zentrumsfunktion des Ortes Steinheim).Die "orientierten -heim-Orte"
gelten als besonderes Indiz für Königsbesitz. Wenn für die Gründung
solcher Orte keine landwirtschaftlichen Gesichtspunkte maßgebend sind,
können verkehrstechnische Gesichtspunkte die Anlage eines solchen Ortes
begründet haben (siehe auch Stockheim). Sie dienten insb. in der
merowingischen Zeit (629-639 unter König Dagobert) der Sicherung der
Albübergänge.
Urkundlich belegt:
·
1463 "... abgegangen...
Die
kriegsbedingte Verschuldung des Ulrich II. führt dazu, dass Ulrich III. im
Dienste König Albrechts I. ( Sohn des Habsburgers Rudolf I.) 1295 am
Feldzug nach Thüringen teilnimmt, wofür der König Ulrichs Gläubiger
zufriedenstellt.
Die
Helfensteiner sind bei den Rittern von Rechberg mit 800 Mark Silber
verschuldet (1 Mark = 233,856 g Silber, 800 Mark = 187,085 kg Silber).
Auch deshalb ist dann Graf Ulrich gezwungen, Herwartstein zu verkaufen.
König Albrecht kauft die Burg mit den dazugehörigen Wäldern, Wiesen,
Weiden und Feldern, mit Bännen, Gerichtsbarkeit und allen sonstigen
Rechten, auch Springen, mit dem Patronatsrecht der Kirche und die Weiler
und Burgen ... Spicht , Weikersberg, Utzmannsweiler, Hermannsweiler,
Bibersohl, ... Itzelberg, Zahnberg und außerdem die Vogtei des
Klösterleins (Chorherrenstift) zu Steinheim mit all seinen Besitzungen und
Rechten. Dies kauft König Albrecht nicht als König - er betrachtet wohl
Herwartstein ohnehin als Reichseigentum – sondern als Privatperson, um
frei darüber verfügen zu können. Dagegen verpfändet König Albrecht I. die
Burg Hellenstein mit der Stadt und dem Dorf Heidenheim an Herzog Albrecht
von Rechberg, Verwalter der Reichsvogtei im Unterland.
Graf
Ulrich soll die Güter dem Abt des Zisterzienserklosters in Salem
übertragen, der den Plan des Königs auszuführen und die neue Abtei damit
auszustatten hat. Salem am Bodensee wird dadurch Mutterkloster von
Königsbronn.
Graf
Ulrich III behält sich seine Dienstleute sowie das Jagdrecht vor, doch
soll auf den genannten Gütern nicht mehr gejagt werden.
1284
wird in Venedig der Zecchino, der sog. Dukat, ein Goldstück (3,49 g, 0,986
fein) geprägt, der vom Wert her dem Gulden entspricht. Der Dukat ist eine
der stabilsten Münzen über Jahrhunderte. Die Reinheit des Metalls, das
Gewicht und die Prägung bleiben gleich. Der Name Dukat leitet sich von
der Umschrift der venezianischen Münze ab: Sit tibi Christe datus quem tu
regis iste d u c a t u s (dieses Herzogtum, das Du regierst, sei Dir,
Christe, geweiht).