Die schöne
Lau
Teil II: 1300 v. Chr.
Teil
III: Steinheim
Kennt
ihr die Erzählung, die Historie von der schönen Lau? Nein? Eduard Mörike
hat sie im Märchen vom Stuttgarter Hutzelmännchen aufgeschrieben. Dieses
Märchen müssen wir ein anderes Mal lesen.
Die
schöne Lau war die junge Frau des Donau-Nix, König an der großen
Donaumündung, dort, wo der breite, mächtige Donaustrom sich in viele Arme
teilt und nach einem großen Sumpfgebiet, dem Donaudelta, das Schwarze Meer
erreicht. Die Königin, die schöne Lau, musste lange Zeit in ihrem Palast
im Blautopf bei Blaubeuren leben, weil sie dem König keine Kinder schenken
konnte. Der Grund war ihre große Traurigkeit. Erst als die schöne Lau in
Blaubeuren das Lachen gelernt hatte, holte sie der König zurück an seinen
Hof am Schwarzen Meer. Alle drei Jahre, so hat sie der Wirtin Jutta am
Blautopf versprochen, wird sie von sich Nachricht geben und wohl auch den
Palast im Blautopf besuchen. Dieser Palast ist unbeschreiblich schön. Die
Wände sind aus schönstem weißem Gestein, die Säulen sind glitzernde
Tropfsteine. Feinste, zarteste blaue Gewebe fluten im kristallklaren
Wasser wie Gardinen im Wind. Alle Säle und Zimmer sind mit weichen
hellgrünen Kissen ausgepolstert und schwere dunkelgrüne Vorhänge schließen
einen Raum vom andern ab. Und wenn die Sonne ihre Lichtstrahlen bis auf
den Grund des Blautopfes sendet, ist der Palast mit einem Goldhauch
überzogen. In Ufernischen bewachen große Hechte als Wächter die Eingänge
und flinke Forellen huschen hin und wieder: sie sind die Diener der
Königin.
Als
vor vielen Jahrhunderten die Quellen auf der Alb noch reichlich sprudelten
und zwischen den Albbergen in jedem Tälchen noch ein wilder oder ein
gemächlicher Bach floss, gehörte unser Land zum Garten des Palastes der
schönen Lau. Zuweilen bekam die Königin Besuch vom Nixenkönig am Schwarzen
Meer oder vom Nixenfürsten vom Rhein. Dann zog sie mit dem ganzen Gefolge
die Brenz herauf und bewirtete die Gäste in ihrem Landschloss, dem
Brenztopf bei Springen, am Fuße des Herwartstein.

(Die
Schöne Lau von Adalbert Feiler)
Die
Leute an der Brenz fürchteten diese Besuche, denn, so wird erzählt: "Bei
jedem Besuch schwellten die Flüsse und Bäche in gar kurzer Zeit so hoch
mit ihren Wassern, dass sie mit allem Seegetier, Meerrossen und Wagen
befahren werden konnten."
Aber
das Hochwasser überflutete die Keller, die Straßen und die Felder der
Menschen.
Wenn
aber die Königin allein sein wollte, liebte sie nichts mehr, als an einer
kleinen Quelle zu sitzen und beim Plätschern des Quellwassers zu träumen.
Manchmal sah man sie am Eschentalbrunnen, manchmal am Linsenbrunnen oder
auch am Türkenbrunnen. Doch ihr liebster Platz war eine kleine Quelle am
Fuße eines Felsens auf dem Steinhirt. Dort saß sie, wenn sie nach der
großen Donau am Schwarzen Meer Heimweh hatte, denn ihr Blick reichte von
dort weit hinaus über das Land, weit nach Osten, wo ihre Heimat lag. Zum
Steinhirt gelangte sie auf geheimen Wasserwegen durch den Berg, herauf vom
tiefen See im Ried. Begleitet wurde sie von ihrer liebsten Kammerjungfer
Aleila. Es konnte geschehen, dass sie oberhalb der Quelle in einem Teich,
der Lettenhülbe, nach dem alten Karpfen schaute, der die Königin jedesmal
demütig grüßte und dann sangen auch die Frösche ihre schönsten Lieder.
Aber kein Mensch wagte es, sich ihr zu nähern und sie zu stören, denn
jeder wusste, solange die Königin im Lande ist, gibt es genügend Wasser
für die Pflanzen, die Tiere und die Menschen.
Aber
dann kam eine Zeit, da wussten die Kinder von der Königin nichts mehr,
denn die Eltern der Kinder hatten sie auch vergessen, weil die Großen nur
noch für ihren eigenen Nutzen arbeiteten. Wenn dann die Kinder zu einer
Quelle oder an einen Teich kamen, lärmten sie, zertraten die Blumen und
Kräuter am Ufer und warfen Steine in das Wasser und husch, war die Königin
verschwunden. Fortan musste die Königin mit ihrer Leibgarde, die mit Pfeil
und Bogen bewaffnet war, ihre Ausflüge machen. Die Kinder sahen sich jetzt
vor, denn das Schilf und das Wasserkraut wuchsen jetzt am Ufer der Teiche
und dazwischen sah man die Pfeilspitzen der Leibwache.
Vor
bald siebenhundert Jahren kamen Zisterziensermönche nach Steinheim. Diese
wussten, wie sumpfiges Land in fruchtbares Ackerland verwandelt werden
kann. Die Mönche ließen Wassergräben ausheben und das Wasser des Riedsees
floss nun hinunter zur Brenz. Zurück blieb nur eine kleine sumpfige Senke,
die schließlich mit Binsen und Seggengras zuwuchs. Als die Königin zu
dieser Zeit wieder einmal zu ihrem Lieblingsplätzchen wollte, zu der
Quelle unter dem Felsen am Steinhirt, fand sie den See im Ried leer.
Darauf erboste sie so sehr, dass sie die Bäche auf der Alb vertrocknen und
das Wasser der Quellen und der Teiche in unterirdische Klüfte und
Schluchten absinken ließ. Seither sind die Teiche auf der Alb meistens
halb leer.
Wenn
in unserer Zeit die Königin, die schöne Lau, ab und zu ihren Palast in
Blaubeuren besucht und dann auch nach ihrem Garten auf der Alb schaut,
lässt sie das Wasser so anschwellen, dass wieder alle Quellen sprudeln und
die Teiche randvoll mit Wasser sind.
Die
Leibgarde der Königin wacht aber noch immer jeden Sommer in unseren
Teichen. Dann ragen wie Pfeilspitzen die gestielten Luftblätter des
Pfeilkrautes und wie Speerspitzen das Schilf aus dem Wasserspiegel. Und
wenn ihr genau hinseht, bewegt sich im Wasser etwas. Sind es die
Leibwächter der schönen Lau, oder sind es Fische, Molche oder
Gelbrandkäfer, oder ist es nur der Wind, der über das Wasser streicht?
Informationen zu „Die schöne Lau“
Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden
Württemberg, 7. Auflage 1994
Nr.
7326 – Heidenheim an der Brenz
Lettenhülbe auf dem Steinhirt, Planquadrat 78/94
Die
Zisterzienser: Am 21. März 1098 lässt sich Robert von Molesme, bis dahin
Prior eines Benediktinerklosters, mit 21 Gefährten an einem unwirtlichen
Flecken, nahe Dijon, in Citeaux nieder. Er gründet einen neuen Orden. Zu
den Regeln des rasch von Rom anerkannten Ordens gehören die Verpflichtung
zu Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam, körperlicher Arbeit sowie Gründung neuer
Klöster in abgelegenen Gegenden. Der Name Zisterzienser leitet sich ab von
dem Mutterort Citeaux.
Die
Zisterzienser leisten Pionierarbeit bei der Kultivierung des Landes,
betreiben Fischzucht und errichten Mühlen, Schmieden sowie Brauereien.
Anfang
des 14. Jahrhunderts bestehen bereits 700 Klöster.
Die
Hauptklöster der "weißen Mönche" waren in Süddeutschland Maulbronn (1139),
Salem (1139), Herrenalb (1149), Schöntal (1157) und Bebenhausen (1190).
Königsbronn ist das letzte in Schwaben gegründete Kloster des
Zisterzienserordens, der die Regel des heiligen Benedikt (siehe Benedikt
529 n. Chr.) in der strengsten Form wieder aufgenimmt und die Rückkehr zur
Einfachheit und Armut des ursprünglichen Klosterlebens erstrebt. Die
Stiftungsurkunde des Königs Albrecht I. von Habsburg ist datiert am 1. Mai
1302. Das Kloster Königsbronn kann sich jedoch auf die alte Tradition des
Augustiner-Chorherrenstifts Steinheim (1190) berufen, die Bestandteil der
königsbronner Klostergründung ist.