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Spuren auf dem Albuch

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Scheffheim und der Untergang

der Burg Herwartstein über Springen

am Brenztopf

Teil II: 1300 n. Chr.

Teil III: Scheffheim

 

Es war Sommer und die Nacht war mild. Die aufgehende Sonne beschien den hinter dem heutigen Galgenberg liegenden, im Westen aufragenden Klosterberg. Die Ziegen und Schafe waren in Scheffheim schon gemolken. Zwischen anderen niedrigen Hütten und Häuschen stand ein kleines Haus, dessen Wände aus Holz und Weidenflechtwerk bestand, die mit Lehm abgedichtet waren. An dieses Haus war ein kleiner Schuppen angebaut, in dem eine einfache Töpferscheibe stand. Neben dem Haus befand sich eine gemauerte Vertiefung, in dem feuchter Lehm lag und unweit davon, neben einem Stapel aus Reisig, der höher aufragte als der Schuppen, war im Boden eine Brennkammer ausgemauert.

Am gegenüberliegenden Hang, über dem Wedelbach, dem felsigen Hang des heutigen Galgenberges, waren in die Felsen hinein Holzschuppen gebaut zur Lagerung von Heu und Stroh. Einige Familien hatten dort auch Ställe für Ziegen und Schafe. Trotzdem merkerte und gackerte es auch im Dorf und die beiden Esel, die den reicheren Bauern gehörten, schrieen in den Morgen hinein, wie wenn schwere Türen in rostigen Angeln bewegt würden. Und das Geschrei der Fuhrleute, die an diesem frühen Morgen schon über die Schäfhalde ins obere Brenztal unterwegs waren, hörte man vom Berg.

Die große Tochter des Töpfers, die Anna, sie war dreizehn, stellte zehn Teller aus gebranntem Ton auf einen Hocker neben der Feuerstelle im Haus. Dort brodelte in einem Bügeltopf aus Kupfer der Hirsebrei, den die Mutter sorgsam rührte. Ein vor kurzem geborenes Kindlein lag in ein Lammfell gewickelt nahebei, ein dreijähriger Junge spielte mit einigen gebrannten Tonscherben, das war seine Kuhherde, die er am Kloster drüben immer bewunderte. Seine drei älteren Brüder und eine Schwester waren noch oben im Wald, im Finkenbusch und sammelten Buchenblätter in Weidenkörbe; es durften sogar kleine Zweige dabei sein. Die Blätter trockneten jetzt, Anfang August, besonders gut. Und die Großmutter, die Ahne, wusste zu erzählen, dass das Laub die Tiere im Winter, wenn sie selber keine Kräutlein finden, bei Gesundheit erhält. Auch zur Füllung von Säcken, auf denen man schlief, hatte man nicht nur Stroh, sondern auch dieses Laub gerne.

Der Vater hatte gerade Schaufel und Hacke und einige alte Tuchfetzen auf einen einfachen Wagen geladen und trat nun in das Haus. Auch die Großeltern kamen. Und jetzt hörte man von weitem die Kinder den Weg vom Finkenbusch herunterkommen.

So war die ganze Familie auf der Holzbank um den Herd zum Frühstück versammelt. Jeder bekam einen Becher aus gebranntem Ton mit Ziegenmilch und die Mutter schöpfte am Herd den Hirsebrei in die Teller und die älteste Tochter verteilte sie, zuerst den Großeltern, dann dem Vater und dann den Kindern, dem Alter nach. Nur das Kleinste bekam anstatt des Hirsebreis und der Ziegenmilch die Brust der Mutter.

Wie Hochwürden von Steinheim sie gelehrt hatte, betete der Vater: "Herr, segne diese Speise - Danke!" und alle sagten: "Amen".

Wie jeden Tag, teilte der Vater die Arbeit der Kinder ein. Heute und wahrscheinlich auch morgen musste drüben im Ried Ton gestochen werden. Der Töpfertonvorrat ging zu Ende. Die Jungen waren im Zwiespalt, ob sie sich freuen oder ob sie missmutig sein sollten. An diesem schönen Tag wäre das Spiel drüben an der kleinen Lehmgrube mit dem Wassertümpel, in dem kleine Fische und Molche schwammen, besonders schön, aber die Arbeit war schwer und der Vater ließ ihnen nicht viel Zeit zum spielen. Die beiden großen Mädchen, die Anna und die Magdalena wussten schon, was sie zu tun hatten.

Sie hüteten jeden Tag die Enten, die Gänse und die Ziegen unten beim Wedelgraben.

Der Vater hatte den Esel seines Bruders ausgeliehen und so zog er, zusammen mit seinen drei Buben und zweien ihrer Freunde hinüber zur Lehmgrube. Der Vater hackte den Lehm los und die Kinder zertraten die harten Schollen am Rand des Tümpels mit ihren nackten Füßen bis sie weich waren und luden sie auf den Karren. Obwohl die Jungen nur mit einer Hose aus Leder bekleidet waren, wurde ihnen mit der Zeit so heiß, dass der Schweiß nur so lief. Schließlich stand die Sonne im Zenith und brannte auf die Arbeitenden so heiß nieder, dass der Vater die Arbeit beendete, den Ton mit den nassen Tuchfetzen abdeckte, den Esel einspannte und nach Hause fuhr. Die Jungen dagegen zogen die Hosen aus und sprangen in das flache Wasser des Tümpels. Danach waren sie erfrischt und rannten über den Berg, den heutigen Galgenberg, ihrem Dorf zu. Oben am Berg angekommen, sahen sie unten am Bach die beiden Schwestern mit der Herde der weißen Gänse und der braunen Enten. 

(Gänsehirte von Sabrina Feiler)

 

Einige Ziegen standen dabei. Dem Ältesten der Jungen, dem Jörg, kam die Idee: "Spielen wir Raubritter?" "Au fein!" war die Antwort. Sie brachen sich Stöcke aus Weiden unten im Ried, flochten schnell aus Binsen Zügel und steckten in die beim Brechen aufgeschlitzten Stöcke Büschel langen Grases als Mähne, und fertig waren die Streitrösser. Sie schwangen sich auf ihre Pferde und gallopierten über den Hügel, dabei brüllten die Jungen:

Ich, Adalbert vom Herwartstein

Ich schlage alles kurz und klein,

Ich nehm' mir was, dann ist es mein.

Ich raube alles, Gut und Geld,

Ich reite quer durch Wald und Feld,

Juhui, Juhui, wie's mir gefällt!

Und schon ritten sie hinein, mitten in die Gänseherde. Die Gänse und Enten stoben auseinander, dass die Federn flogen und die Ziegen dem Stall zu rannten.

(Bild von Jasmin Feiler)

 

Das ganze Dorf lief zusammen, meinten die Leute doch, ein tollwütiger Fuchs sei in die Herde gefahren.

Aber der Großvater hatte die Reiterattacke gesehen und rief die Jungen zu sich, die dann wie begossene Pudel vor ihm standen. Er sagte sehr ernst: "Dafür, dass ihr die Gänse und Enten aufgeschäucht habt,  soll euch euer Vater die Hosen stramm ziehen, aber die Geschichte mit dem Herwartsteiner werde ich Euch heute abend erzählen.

Am Abend, nach dem Abendbrot, rief der Großvater die Kinder zu sich und begann mit seiner Geschichte: "Als ich so alt war wie Anna heute, es war Ende August, waren wir beim Abernten unseres Hirsefeldes oben auf der Schäfhalde. Die Ähren standen schön auf den Halmen und wir hatten vielleicht die Hälfte des Ackers geschnitten. Plötzlich hörten wir ein wildes Gegröhle und Pferdegetrappel. Eine Gruppe Reiter kam aus dem Wald und hielt am Waldsaum an. Als sie uns ansichtig wurden, ritten sie straks auf uns zu und bedrängten uns so sehr, dass wir davonrennen mussten, um nicht umgeritten zu werden.

Dann ritten sie in die kreuz und in die quer und ritten über das geschnittene Korn. Sie gallopierten so lange über den Acker, bis er vollkommen verwüstet war. Als mein Vater demütig bat, sie möchten wenigstens einen kleinen Rest der Hirse unversehrt lassen, lachten sie laut und der Herwartsteiner sagte höhnisch, wir sollten froh sein, dass wir mit dem Leben davon gekommen seien. Darauf gab die Horde den Pferden die Sporen und unter Lachen und Gröhlen galloppierten sie weiter. In der ganzen Gegend trieben sie ihr Unwesen und wenn ein Waldbauer wütend wurde, zündeten sie ihm das Haus an.

Und drüben im Brenztal raubten sie regelmäßig die Kaufleute aus, die unten im Tal an der Burg vorbei mussten.

(Bild von Laura K.)

 

Ihr seht also, euer Vers, so lustig er auch erscheint, für uns war das Auftauchen des Ritters mit Angst und Schrecken verbunden und wir Menschen stoben genauso auseinander, wie die Gänse heute bei euch, wenn der Herwartsteiner mit seiner Horde erschien."

Nach einer kleinen Pause, den Jungen stieg die Schamröte in die Stirn, fuhr der Großvater fort:

"Aber dann wurde, vor über einem viertel Jahrhundert, Rudolf, der Habsburger, der Vater unseres mächtigen Königs Albrecht, zum König gekrönt. Jahre später hatte ich mein Geschirr drüben in Heidenheim  abzuliefern. Mit meinem Karren zog ich über die Schäfhalde und über die Höhe. Schon unterwegs begegneten mir, öfter als sonst, Berittene. So kam ich zum Galgenberg über Heidenheim. Ich traute meinen Augen nicht. Dort lag ein ganzes Ritterheer. Es waren bunte, hohe Zelte aufgebaut und die Knappen trugen Waffenhemden, Schwerter und Lanzen hin und wider. Einen der Knappen konnte ich nach dem Grund dieses Heerzuges fragen, er aber sagte, er wisse es nicht, nur gerüchteweise hieß es, es ginge gegen den Herwartsteiner.

Nach ungefähr einer Woche kam die Kunde, der König belagere die Burg Herwartstein.

Wir waren bald darauf wieder oben auf unserem Feld auf der Schäfhalde, als im Nordosten plötzlich eine gewaltige schwarze Rauchsäule über dem Wald aufstieg. Sie stieg so hoch, dass sie die Wolken erreichte. Tage später wussten wir: der König hatte die Burg Herwartstein erobert. Er hatte dem Herwartsteiner ein schlimmes Ende bereitet.

Und nun, ihr Kinder, wisst ihr, dass das Raubritterspiel einen sehr ernsten Hintergrund hat. Wir wollen den Herrgott bitten, dass er der Seele des Herwartsteiners gnädig ist."

Die Kinder haben das Raubritterspiel von da an nicht mehr gespielt und die Raubritterverse nicht mehr gesungen und so kommt es, dass heute das Lied vom Raubritter Adalbert nicht mehr bekannt ist.

 

Informationen zu “Scheffheim und der Untergang der Burg Herwartstein über Springen am Brenztopf“ 

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 6. Auflage 1994

Nr. 7226 –Oberkochen

Herwartstein im Planquadrat 00/82

In den Sagen hält sich übereinstimmend die Überlieferung, dass die Herren vom Herwartstein die Geißel der Bauern und die Schrecken der Wanderer waren; dabei taucht immer wieder der Name Ritter Adalbert auf, obwohl in der geschichtlichen Forschung dieser Name im Zusammenhang mit den Herwartsteinern nicht erscheint.

Graf Ulrich II. von Helfenstein trug die Burg Herwartstein nach dem Ende der staufischen Zeit zu Lehen. Bis zur Königswahl zugunsten des Habsburgers Rudolf I (1273) scheint Graf Ulrich II während des Interregnums die "Zeit der Raubritter" mitgestaltet zu haben. Des Helfensteiners Besitz schob sich zwischen die Herrschaft Lauterburg und die Anhausischen Besitzungen auf der Alb und das Hausgut der Dillinger im Donautal. Er war damit einer der mächtigsten Herren in Schwaben. Umsomehr fühlte er sich von König Rudolf bedroht und legte sich mit ihm kriegerisch an. 1287 wurde er auf der Feste Herwartstein belagert und zur Unterwerfung gezwungen. 1291 starb Graf Ulrich II. hoch verschuldet.

Herwartstein mit Springen

Dem Burgnamen kann keine Persönlichkeit zugeordnet werden. Aufgrund der geographischen Lage, hoch über dem Talpass des Kocher-/Brenztales ist eine "Hohe Warte auf dem Stein", die "Hehre Warte" denkbar.

Grabungen weisen auf eine alemannische Fliehburg aus dem 7. Jhdt. hin. Auf Anfang des 11. Jhdts. ist der Ausbau der Burg Herwartstein als Höhenburg zu datieren. In Springen, am Fuße der Burg, wird um 1030 eine Kirche erbaut, die durch die Bauweise auf einen hochherrschaftlichen Bauherren schließen läßt.

Das Zugehör der Herrschaft Herwartstein umfaßt 1302: Springen, Itzelberg (Utzelenberg), Weikersberg (incl. Zang), Hermannsweiler, Utzemannsweiler, Spichtensohl und Bibersohl. Schnaitheim mit Aufhausen dürften ursprünglich zu der Herrschaft Herwartstein gehört haben.

Die Herrschaft Herwartstein könnte über die Tochter Gisela (+1043) des Schwaben-Herzogs Hermann II. (+ 1003) an die Salier und erst über die Tochter des Salier-Kaisers Heinrich IV., Agnes, an die Staufer gelangt sein

Im frühen 11. Jahrhundert wird in Springen eine Pfarrei gegründet mit eigenem Zehntbezirk zwischen Schnaitheim (St. Michael), Steinheim (St. Peter) und Unterkochen (St. Maria). Es ist deshalb anzunehmen, daß Herwartstein um die Jahrtausendwende ein eigener Herrschaftsbereich war.

Urkundlich belegt:

·         1143 wird Herwartstein mit Springen und Itzelberg nach dem Tode des Pfalzgrafen Adalbert von Lauterburg von der Feste Lauterburg aus, staufisch verwaltet.

·         1240 Burgherren sind die "... pincernae dicti de herwartstain...", die Schenken von Herwartstein, die das Schenkenamt bei den Staufern verwalten. Diese sind Zeugen eines Vertrages, in dem das Kloster Ellwangen von den Dillingern im nahen Oberkochen Besitz erwirbt.

·         1268 Enthauptung des letzten Staufers Konradin in Neapel: damit fällt im Erbgang Herwarstein an die "Kärntner Herzöge".

Vermutlich schon vorher wird Graf Ulrich II. von Helfenstein mit Herwartstein belehnt und ist damit Burgherr.

·         1287 Mitte Sept. bis Mitte Oktober belagert König Rudolf I die Burg erfolgreich.

·         1302 kauft König Albrecht die Burg Herwartstein samt Springen, Itzelberg ... von Graf Ulrich III. von Helfenstein.

·         1310 wird die Burg Herwartstein offenbar als funktionsfähige Burg erwähnt.

·         nach 1310 wird die Burg abgetragen und im Kloster Königsbronn verbaut.

·         1325 werden Güter in Herwartstein (Springen) an das Kloster Königsbronn verkauft.

·         1554 wird der Seegartenhof bei Springen erbaut.

·         1818 führt der auf der rechten Seite der Brenz gelegene wesentlich ältere Ortsteil von Königsbronn amtlich den Namen „Springen“. Lange spricht man „vom Kloster Königsbronn mit Springen, dem Weiler, ...“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 7. Auflage 1994

Nr. 7326 – Heidenheim an der Brenz

Scheffheim Planquadrat 80/95

Schon lange abgegangener Ort am Fuße der "Schäfhalde" zwischen Rohr- und Linsenbrunnen,

In das 7. Jahrhundert fallen die Gründungen der "-heim-Orte" (Nord-, Ost-, Süd-(Sont-) und Westheim, an der Peripherie Scheffheim und Stockheim, mit einer Zentrumsfunktion des Ortes Steinheim).Die "orientierten -heim-Orte" gelten als besonderes Indiz für Königsbesitz. Wenn für die Gründung solcher Orte keine landwirtschaftlichen Gesichtspunkte maßgebend sind, können verkehrstechnische Gesichtspunkte die Anlage eines solchen Ortes begründet haben (siehe auch Stockheim). Sie dienen insb. in der merowingischen Zeit (629-639 unter König Dagobert) der Sicherung der Albübergänge.

Urkundlich belegt:

·         1463 "... abgegangen...

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