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Spuren auf dem Albuch

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Die Burg Michelstein,

die Edelfräulein und der Minnesänger

 

Teil II: 1155 n. Chr.

Teil III: Michelstein, Sontheim

 

Der Felsrücken über dem Stubental lag in der goldenen Frühlings-Morgensonne. Es muss im Mai 1155 gewesen sein. Die kleine Burg Michelstein stand mit ihrer bescheidenen Schildmauer auf hohem Fels über den wenigen Häuschen von Sontheim. Durch die Fenster des Palas überblickte man den Reit- und Fahrweg, der sich durch das Tal von der Brenz herauf und hinauf nach Stockheim zog und den größeren Weg, der von Westheim im Nordwesten über Sontheim nach Ulm führte. Nach Norden lag eine liebliche Wiesensenke, die sich zwischen dem Steinhirt und der Burg dehnte. In der Wiesensenke lag ein kleiner See, von dem aus ein ruhiges Bächlein gemächlich zum Stubental floss. 

(Bild von Adalbert Feiler)

 

In dieser Jahreszeit blühten dort am Ufer die goldenen Sumpfdotterblumen, das blaue Vergissmeinnicht, die Himmelschlüssel und die kleinen roten Blutstropfen. Hier unten, wo das Bächlein am Burgfels eine Höhlung ausgewaschen hatte, haben heute früh das Edelfräulein mit ihren zwei Jungfern frisches Wasser geschöpft und in zwei blitzblanke Krüge aus Kupfer gefüllt, die Martin, der Burgjunge, mit dem geduldigen Esel dann zur Burg hinaufgetragen haben. Die Morgenarbeit war beendet und so fand das Edelfräulein, sie hieß wohl Uta, etwas Zeit, um am sonnigen Abhang der Burg Würzkräuter und Pilze für das Mittagsmahl zu sammeln. Die Mutter hatte sie schon in früher Kindheit gelehrt, welche Wildpflanzen würzen oder gar Schmerzen vertreiben. Die Jungfern mussten nicht weit gehen. Am Nordhang des Bergrückens weideten Kühe, Ziegen und Schafe das erste Grün ab und der alte Viehhüter vom Dorf grüßte mit einer tiefen Verbeugung herüber. Der Südhang des Berges war übersät mit frischem Thymian und Bibernelle und die ersten gelben Sternchen der Blutwurz waren aufgeblüht. Die Krametzvögel hatten vom Winter noch einige Handvoll Wachholderbeeren übrig gelassen, die das Edelfräulein aber von ihren Jungfern pflücken ließ, weil die Nadeln so sehr stachen. Dann sahen die Mädchen die Hexenringe, von denen abends am Feuer schauerige Geschichten erzählt wurden. Doch jetzt standen darin Maipilze dicht an dicht. Ein ganzes Körbchen füllten sie und als sie aufblickten, leuchteten ihnen aus der sonnenbeschienenen  Heide violette Blütenkelche entgegen.

Die Mädchen hatten diese Blumen noch nie in dieser Fülle gesehen und sie setzten sich mitten hinein in die Küchenschellenpracht. Sie wären keine echten Edelfräulein gewesen, wenn sie sich nicht Kränzchen daraus gebunden hätten. Mitten in dieser Arbeit blickte Uta auf und rief aus: "Mir geht das Lied nicht aus dem Sinn, das der edle Ritter von Kürenberg uns gesternabend sang. Hoffentlich kommt er heute gut auf dem Hohenstaufen an, er ist ja heute schon sehr früh weitergeritten. Ich habe die Hufschläge gehört, als er über die Torbrücke hinaus ritt. Vielleicht trifft er beim Staufer meinen Bruder, der ihm als Knappe dient. Aber der junge Kaiser Barbarossa ist ja immer im Reich unterwegs.

Schade, dass Kürenberg nicht doch noch einen Tag bei uns verweilen konnte". Eine der Jungfern meinte, man könne doch versuchen, das Lied des Minnesängers aus der Erinnerung zu singen. Erst zaghaft, dann immer sicherer sangen sie dann ins Tal:

Ich zog mir einen Falken

länger denn ein Jahr.

Als er von mir gezähmt

und ganz nach Wunsche war

und ich um sein Gefieder

goldene Bänder band

stieg hoch er in die Lüfte

und flog in ein ander Land.

Fortan sah ich den Falken

herrlich schwingen

er trug an seinem Fuße

seidene Schlingen,

es glänzte sein Gefieder

um und um von Gold.

Gott sende sie zusammen

die sich sehnend hold.

Dabei flog dem Edelfräulein ein Röte über das Antlitz und Tränen standen ihr in den Augen.

Doch sie besann sich, sammelte schnell die Küchengewürze auf und sie gingen leichten Fußes, geschmückt mit ihren Kränzchen aus violetten Glocken und Maßliebchen hinüber zur Burg Michelstein.

 

Informationen zu „Die Burg Michelstein, die Edelfräulein und der Minnesänger“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 7. Auflage 1994

Nr. 7326 – Heidenheim an der Brenz

Burgstall bei Sontheim im Stubental  im Planquadrat 78/93

Der "Burgstall" bei Sontheim im Stubental, ein Felshügel in der Umrahmung des Steinheimer Beckens, trägt Reste der mittelalterlichen Burg Michelstein. Edelfreie von Michelstein, verschwägert mit denen von Albeck und von Metzingen, sind seit 1101 bezeugt. Sie nannten sich auch nach Tapfheim (bei Donauwörth) oder doch eher nach Dapfen bei Münsingen (?) und Böbingen (bei Schwäbisch Gmünd).

Einen Hauptteil dieser Güter besaßen später die Herren von Albeck, die dann noch später an das Haus Helfenstein gingen.

Das Haus Michelstein (Böbingen-Tapfheim (Dapfen?) und die Burg Michelstein

Rudolf von Achalm (+ vor 1055) und Adelheid von Wülflingen (+ nach 1052) scheinen die Stammeltern zu sein. Aus der Ehe der Tochter Willibirg (+ nach 1053)  mit Werner III. von Grüningen (+1065) wird eine Tochter geboren, die mit Rudolf von Tapfheim vermählt ist. Rudolf von Tapfheim ist der Stammvater des Hauses Michelstein.

Michelstein ist die "große Burg" (michel = groß), die im Zentrum des Herrschaftsbereiches der großen Sippen liegt, derer von Albeck, von Stubersheim, der Böbinger und derer von Achalm um Essingen.

Michelstein muß unter dem Aspekt der Straßensicherung des Albüberganges gesehen werden und zwar die Sicherung der Nord-Südachse (Alter Zigeunerweg) wie auch der West-Ost-Achse (Alter Postweg, erneuert im 2. Jhdt.).

Urkundlich belegt:

Rudolf von Tapfheim 1067 (Stammvater)

·         1101 Edelfreie von Michelstein, auch genannt von Tapfheim und von Böbingen, verschwägert mit denen von Albeck.

·         1101 Regenhardus de Michelenstein

·         1102 Reginhardus de Michilnstein

·         1120 Tiemo/Reginhart de Michelsteine

·         1266 Berkerus nobilis de Michillenstain

·         1333 Chunrat der Bäbinger von Michelstain

·         1343 "... burge Michelstain gelegen uf dem Aoulbuch"

·         1344-72 "... dominus Alber. de Ötingen recepit castrum Michelstein prope Lutemburg uffem Albuch."

·         1346 Counrat von Bäbingen-Mychelstain, Rechtsnachfolger der Grafen von Achalm.

·         1349 Haintze von Baeubingen von Michelstain

·         1471 "... daß Burgstall zu Sunthain genant Michelstain."

"der von Kürenberg" lebt 1150 in Oberösterreich und ist einer der frühesten und zugleich innigsten Minnesänger.

Jagdfalken (Edelfalken - Wanderfalken) wurden zur "Beize" abgerichtet. Bei "Parzival" (Wolfram von Eschenbach: Dichtung ungefähr in der Mitte der staufischen Zeit von 1152-1250) wird berichtet, dass Gawan auf der Fähre mit der Herzogin von Logrois speiste und zwar zwei gebratene Lerchen, die "ein Sperberchen erflogen hat".

 

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Zur Wanderung: Burgstall und Knillwäldchen

 

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