www.feilerseiten.de

 

Spuren auf dem Albuch

Zurück Nach oben Weiter

 

Das Höllental

Teil II: 800 n. Chr.

Teil III: Steinheim

 

Es war wohl zu der Zeit Anfang des 9. Jahrhunderts, Steinheim gehörte seinerzeit zum Kloster Fulda, als zwei Mönche von Norden durch den Albuch nach Steinheim wanderten. Sie waren im Fuldaer Klostergut Hammerstadt bei Aalen im Frühnebel aufgebrochen und stiegen hinauf auf die in der Morgensonne liegenden Albberge. Den Volkmarsberg ließen sie links liegen und zogen auf der Höhe, den Saumweg entlang, nach Süden. Ein Waldbauer lud die Mönche unterwegs zu etwas Brot und Wasser aus der sprudelnden Quelle ein. Und so saßen sie vor der armseligen Waldbauernhütte im Schatten einer großen Ulme. Der Waldbauer war froh, wieder einmal etwas von der großen, weiten Welt zu hören. Hatte sich doch letzten Winter, am Weihnachtstag, Karl der Große in Rom zum Kaiser krönen lassen, und allein schon die Schilderung des lieblichen, südlichen Landes, in dem auch im Winter alles grünt und blüht, und im Sommer ganz unbekannte Früchte reifen, nahm viel Zeit in Anspruch.

So verspäteten sich die Mönche und eilten ihrem Ziel, dem Klostergut Steinheim, entgegen. Doch schon bald senkte sich der Abend hernieder. Die Sonne hing tief im Westen und es schien, als habe sie dort die Abendwolken und den Wald entzündet: Von Westen bis fast nach Norden war ein einziges Fließen von Rot, Gold und Silber, der Zenith war tiefblau - und im Osten dräuten schwarze Wolken. Bald jedoch versank der Farbenzauber und eine fahle Bläue stieg aus den Talmulden in der Ferne.

Zwischen den Bäumen und dem Unterholz schlich die Nacht herbei und so konnten die beiden Wanderer kaum noch ihren Weg erkennen.

Nebelschwaden stiegen milchigweiß aus den Hülben, Frösche quakten und Unken flöteten.  Nun ging es durch einen dichten Wald, Käuzchen riefen schauerlich ihr "uuh uuh" und im Unterholz knisterte und knackte es von flüchtendem Wild. Den Mönchen wurde bang, der Jüngere betete einen Rosenkranz. Doch dann sah der andere Mönch zwischen den Baumstämmen ein schwaches Licht in der Ferne, drüben über dem Tal. Das musste der Flecken Steinheim sein. Sie beschleunigten ihre Schritte so gut es bei dieser Dunkelheit ging und tatsächlich, bald führte der Pfad steil bergab. Der schluchtartige Talweg war gesäumt von mächtigen Bäumen, deren Zweige ein dichtes Laubdach bildeten. Die Nacht war plötzlich so finster, dass man die Hand nicht mehr vor den Augen sehen konnte. Es war totenstill und die Luft stand warm und feucht im Talgrund. Es roch nach Stinkmorcheln und Moder.  Da erschien eine blassleuchtende, hohe, grünliche Gestalt mit schwarzen Augenhöhlen am Wegesrand. Den Mönchen erstarrte das Blut in den Adern. Sie bekreuzigten sich. In seiner Herzensnot rief der alte Mönch: "Gelobt sei Jesus Christus!" und der Jüngere schrie aus Leibeskräften: "in Ewigkeit, Amen!" - . Was dann geschah, weiß niemand.

(Bild von Adalbert Feiler)

 

Als die Mönche wieder zu sich kamen, standen sie am Waldesrand und drüben über dem Turm der Kirche zum Heiligen Peter leuchtete ihnen hell aus der Milchstraße als Kreuz das Sternbild des Schwans entgegen.

Totenblass erreichten sie die Behausung der Fuldaer Mönche und klopften an das Tor.

In derselben Nacht wurde in der Kirche zum Heiligen Peter noch eine Messe gelesen, hatte sich den beiden Mönchen doch der Leibhaftige im Höllental gezeigt.

 

Informationen zu “Das Höllental“

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 6. Auflage 1994

Nr. 7226 –Oberkochen

Höllental, Planquadrat  78/96+97

Der fränkische König Pippin (751/768) - vielleicht auch Karl d. Gr. (768-814) - schenkte dem Kloster Fulda (Gründung des Bonifatius 744 n. Chr.) in Steinheim verschiedene Güter. Das Güterverzeichnis (datiert um 800) weist aus: "...ad Steinheim familie 3, Hube 14, liti 10, prata ad carradas 40, boves 30".(3 Paare Leibeigene, 14 Hufen, 10 Hörige, 40 Fuder Heuertrag, 30 Ochsen)

Die Hufe bezeichnete die Fläche, die eine Familie bearbeiten und von deren Erträgen sie sich ernähren konnte. Die Größe hing stark von der Bodengüte ab und war dadurch regional sehr unterschiedlich. Man rechnete 1 Hufen von 50.000 qm bis 250.000 qm.

(1 Fuldaer Hufen (Hube) = 55.310,58 qm)

Die Steinheimer Peterskirche ist eine der Peterskirchen, die man häufig an alten Römerstraßen findet, an Orten also, die früh, wegen ihrer Lage, eine gewisse politische Bedeutung erlangt haben. Karl der Große hatte vom Papst  in Rom Petrus-Reliquien erhalten, worauf viele Peterskirchen zu seiner Zeit gegründet worden sind und zwar vor allem auf Reichsgut (Heidenheim, Giengen, Steinheim). Das über die Peterskirchen gesagte gilt in großem Maße auch für die Martinskirchen.

 

 

bullet

Zur Wanderung: Weiherwiesen

Zurück Nach oben Weiter