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Spuren auf dem Albuch

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(Bild von Jasmin Feiler)

 

Die Alemannen, die Schreiberhöhle und die Frühlingsenziane

 

Teil II: 450 n. Chr.

Teil III: Westheim, Ostheim

 

Es war wohl zur Zeit der Nibelungen, als dort, wo das Hirschtal in das Steinheimer Becken mündet, ein kleiner Ort am Aufstieg auf die Albhochfläche lag. Dies war der spätere Flecken Westheim.

Dorthin zog vom Brenztal herauf eine Karrenkarawane. Die Fuhrleute fluchten und knallten mit den Peitschen. Die Knechte mussten die Pferde an den Zügeln führen, denn der Weg war so ausgefahren und von der Frühjahrsfeuchte so aufgeweicht, dass man meinte, ein Bauer habe seinen Acker erst frisch mit dem Holzpflug aufgerissen.

Den Flecken Scheffheim, an der Schäfhalde, hatte die Karawane schon hinter sich gelassen. Ein Fuhrmann rief seinem Burschen zu, der das erste Mal die Reise über die Alb begleitete: "Schau da hinüber zu dem Berg!" und damit nickte er nach Westen, wo sich mitten aus dem Tal ein Berg erhob mit einer kleinen Ansiedlung am Osthang. "Dort, in Ostheim", sagte der Fuhrmann, "residiert der Fürst dieses Gebietes. Seine bewaffneten Mannen überwachen uns von Ferne, seit wir in dieses Hochtal eingefahren sind. Deshalb sind wir hier vor Raubgesindel sicher. Gleich hinter Ostheim, an der Nordseite des Berges, erblickst du Steinheim. Und dort, vor dem Felsen in der Ferne im Südwesten liegt der Flecken Südheim."

Zum Pferdeknecht gewandt rief der Fuhrmann: "Pass' doch auf! Zieh weiter nach rechts, hier fahren wir in den größten Morast hinein!"

Dann fuhr er zum Burschen gewandt fort: "Der hiesige Stammesfürst ist reich, dem gehört auch Westheim, wo wir heute Nacht bleiben werden. Das ist die letzte Station vor dem Aufstieg zur Albhochfläche."

Dann knallte der Fuhrmann mit der Peitsche und die Karawane zog auf dem Überlandweg weiter, an Ostheim und Steinheim vorbei, Nordheim lag rechts am Hang, und schließlich erreichte sie Westheim.

Der alte Flecken Westheim bestand aus wenigen kleinen Holzhäusern, wie die anderen Orte hier in der Umgebung auch. Der Fuhrmann lenkte den Tross nach rechts an die Berglehne zum Hohlen Stein, nahe des von Norden einmündenden Tälchens. Der Weg führte entlang einer Palisade. Vor dem Torhaus wurde der Wagentross von wild blickenden Kriegern aufgehalten. Der Wegevogt stellte sich breitbeinig vor die Zugpferde. Der Fuhrmann kannte das Gehabe das Vogtes schon. Er forderte den Wegezoll, der dem Fürsten zustand, denn der Fürst überwachte die Transporte des Salzes, der köstlich duftenden Gewürze und der prächtigen Stoffe, die von der Donau über die Alb ins Unterland gingen und die Wein- und Geschirrtransporte vom Neckar. Dafür ließ der Fürst diese Transporte sicher durch das hiesige Gebiet geleiten und er sorgte auch dafür, dass die Überlandwege, so gut es ging, befahrbar waren. Wenn ein Weg bodenlos geworden war und die Fuhrwerke bis zu den Achsen im Morast versanken, schlugen die Mannen neben dem alten Weg eine andere Schneise durch den Wald oder man fuhr neben dem alten Weg über die Heide.

Der Wegevogt frug: "Was habt ihr geladen?" worauf der Fuhrmann antwortete: "Diesmal sind es fünf Wagenladungen Salz!"  "Sonst nichts?" zischte der Vogt und der Fuhrmann antwortete: "Ist's Dir nicht recht? Iss doch Dein Fleisch ungesalzen! Wohl bekomm's!" Da lenkte der Vogt ein und sagte: "Wie üblich bekomme ich zwei Salzscheiben als Wegezoll!" "Wahnsinniger"! schrie der Fuhrmann, "da komme ich zum Ende mit leeren Karren am Neckar an!" So stritten sie hin und her, bis der Wegevogt mit einer Salzscheibe zufrieden war, die sogleich im Speicher des Fürsten eingelagert wurde.

Die Krieger gaben die Einfahrt in die Karawanserei frei. Der junge Bursche war froh, dass für heute Nacht keine Wagenburg gebaut werden musste.

Innerhalb der Palisadeneinfriedung standen Holzhäuser. Die Feuerstelle lag vor den Hütten, etwas überdacht.

Die Lastenkarren wurden in dem umfriedeten Hof abgestellt, die Pferde unter einem überhängenden Felsen angebunden, gefüttert und getränkt.

Nachdem die Pferde versorgt waren, sah sich der junge Bursche um: da war ein Hufschmied bei der Arbeit und ein Wagner reparierte gerade einen Lastenkarren, der arg zugerichtet hier angekommen war. Ein Fuhrmann wusch seine Stiefel und seinen Umhang, und Pferdeknechte rieben Rösser mit Stroh ab und flickten das Zaumzeug.

Die Fuhrleute, die sich hier trafen, kannten sich schon lange. Sie fuhren immer dieselbe Strecke: von der Donau zum Neckar und vom Neckar zur Donau. Sie kamen in einem Wagentross gemeinsam an und fuhren am andern Morgen gemeinsam weiter. Oft waren es vier oder fünf Karren. Und oft trafen zwei Trosse in Westheim aus den verschiedenen Richtungen zusammen. Die Fuhrleute schliefen bei ihren Pferden, wo sie etwas Stroh aufgeschüttet bekamen.

An diesem Abend saßen nach getaner Arbeit einige Fuhrleute um das offene Feuer unter freiem Himmel, brieten etwas Fleisch, wärmten sich und erzählten Geschichten. Geschichten gab es immer viele zu erzählen, trafen doch die Fuhrleute in Augusta Vindelicum, in Augsburg, oder in Castra Regina, in Regensburg, andere Fuhrleute, die vom Gebirge gekommen oder Schiffsleute, die die Donau heraufgezogen waren. Diese erzählten von rauhen Burschen, die in Kraxen die Ware im Gebirge über die Gletscher trugen und jene von kühnen Burgen mit prächtig gekleideten Rittern und adeligen Frauen am Gestade des mächtigen Donaustromes, und von den gefährlichen Wasserstrudeln beim Übersetzen.

Heute aber saß auch ein Mann mit einem langen Bart am Feuer, der war zu Fuß durch die Wälder von Norden am späten Vorabend hier angekommen. Dieser begann:

"Am gestrigen Nachmittag hatte es geregnet, doch die Wolken rissen auf und die Sonne lachte hell vom Himmel und an den noch kahlen Ästen der Bäume hingen die Wassertropfen wie farbige Edelsteine. Ich trat dort oben," dabei wies er mit seinem rechten Arm nach Norden, "gleich hinter dem Berg, aus dem Wald. Rechter Hand stieg dichter weißer Rauch auf. Nun wurde ich doch neugierig, was dessen Ursache war und ich ging vom Wege ab. Kurz darauf erblickte ich eine Höhle, die senkrecht in der Erde verschwand. Aus der Höhle und ringsumher stieg der weiße Nebel auf und in der Höhle, tief drunten, hörte ich es sachte klopfen und mir schien, als würde jemand heraufsteigen. Ich verbarg mich hinter einer weiß blühenden dichten Schwarzdornhecke. Tatsächlich entstieg der Höhle ein kleines Männchen, das in einem Weidenkorb schön gearbeitete Gürtel aus Leder mit goldenen Schnallen, Schmuckstücke aus Gold und schöne Kämme aus Bronze und Horn trug. Es schaute ungeduldig bald nach Süden, bald nach Westen, wie wenn es auf jemand warten wolle. Nach kurzem hörte ich Hufschlag und wer kam, der Fürst. Er nahm schöne Stücke aus dem Korb, dann sprachen die Beiden leise miteinander, worauf der Fürst von dannen ritt. Dies wäre soweit noch verständlich und nicht der Rede wert, aber der Zwerg setzte sich an einen Stein, nahm ein rohes Lederstück zur Hand, schnitt es zu und verzierte es mit den schönsten kleinen Nägeln, die blau in der Sonne glänzten. Als er eine goldene Schnalle einfädeln wollte, blendete mich deren Widerschein, und die tiefstehende Sonne schien mir so unglücklich in die Augen und auf die Nase, dass ich meinte niesen zu müssen. Ich versuchte dies zu unterdrücken, aber auf einmal brach es aus mir heraus. Der Zwerg warf alles von sich und verschwand. 

(Bild von Sabrina Feiler)

 

Neugierig wie ich war, lief ich herzu und was fand ich dort, wo er seine Arbeit hingeworfen hatte? Auf der ganzen Wiese waren Schustersnägele verstreut, die blauen Frühlingsenziane - und wo die goldene Schnalle hingefallen war, flog ein Goldhähnchen auf. Vom Leder blieb nur ein Stück Eichenrinde übrig. Und was soll ich euch sagen: den Schmuck, den der Fürst gestern vom kleinen Männchen bekommen hatte, trug heute zum Mittagsmahle die Fürstin."

Und damit beendete der Wanderer seine Erzählung.

Wenn ihr euch aber im Frühling in der Nähe der Schreiberhöhle, im oberen Doschentäle, umschaut, seht ihr noch heute alles blau übersät mit Schustersnägele, und wenn ihr aufmerksam die großen Fichten betrachtet, bemerkt ihr vielleicht das Goldhähnchen, wie es von einem Zweig zum andern huscht, meistens aber hört man sein leises Gezwitscher. Und die Archäologen haben bei Ausgrabungen in Ostheim, das ist dort, wo heute am Klosterberg die Kühe vom Wiesenbauer grasen, in alemannischen Gräbern den Schmuck der Fürstin gefunden, denn der wurde, als sie alt und gestorben war, mit ihr begraben.

 

Informationen zu „ Die Alemannen, die Schreiberhöhle und die Frühlingsenziane“

Um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. wird die Verbindungsstraße vom Rhein zur Donau ausgebaut, die über Cannstatt durchs Filstal und die Messelsteige auf die Alb heraufführt (heute "der Alte Postweg" genannt) ... und über Aquileia nach Faimingen an der Donau verläuft.

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 6.. Auflage 1994

Nr. 7226 – Oberkochen

Im oberen Teil des Doschentales liegt die Schreiberhöhle, Planquadrat 76/97

Topographische Karte 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Baden Württemberg, 7. Auflage 1994

Nr. 7326 – Heidenheim an der Brenz

Ostheim), Planquadrat 78/95,

Namensdeutung siehe "Nordheim".

Südöstlich des alten Ortskerns von Steinheim (Ostheim) , südlich der Heidenheimer Straße (heute Viehweide) liegt ein ausgedehntes alemannisches Gräberfeld einer durchschnittlich wohlhabenden Bevölkerung, belegt mindestens seit dem Ende des 6. Jhdts.

Ehemals selbständige Siedlung ö von Steinheim, am Fuß des Klosterberges, heute in Steinheim aufgegangen.

Urkundlich belegt:

·         1471: "... zu osthaim im marcktrecht (von Steinheim) gelegen.

Nordheim, Planquadrat 78/96

"Siedlung im Norden"

Wüstung n von Steinheim

In das 7. Jahrhundert fallen die Gründungen der "-heim-Orte" (Nord-, Ost-, Süd-(Sont-) und Westheim, an der Peripherie Scheffheim und Stockheim, mit einer Zentrumsfunktion des Ortes Steinheim).

Die "orientierten -heim-Orte" gelten als besonderes Indiz für Königsbesitz (siehe auch Scheffheim).

Urkundlich belegt:

·         1508 "... zuo Northaim ..."

Scheffheim Planquadrat 80/95

Schon lange abgegangener Ort am Fuße der "Schäfhalde" zwischen Rohr- und Linsenbrunnen,

In das 7. Jahrhundert fallen die Gründungen der "-heim-Orte" (Nord-, Ost-, Süd-(Sont-) und Westheim, an der Peripherie Scheffheim und Stockheim, mit einer Zentrumsfunktion des Ortes Steinheim).Die "orientierten -heim-Orte" gelten als besonderes Indiz für Königsbesitz. Wenn für die Gründung solcher Orte keine landwirtschaftlichen Gesichtspunkte maßgebend sind, können verkehrstechnische Gesichtspunkte die Anlage eines solchen Ortes begründen (siehe auch Stockheim). Sie dienten insb. in der merowingischen Zeit (629-639 unter König Dagobert) der Sicherung der Albübergänge.

Urkundlich belegt:

·         1463 "... abgegangen..."

Sontheim im Stubental (Südheim) Planquadrat 78/93

"Siedlung im Süden", (siehe auch unter Nordheim und Scheffheim)

Stubental = Stube = Brunnenstube, aber auch Holzbau zum Stauen des Wassers.

Teilort von Steinheim

Im 3. Jhdt. alemannische Siedlung

In das 7. Jahrhundert fallen die Gründungen der "-heim-Orte" (Nord-, Ost-, Süd-(Sont-) und Westheim, an der Peripherie Scheffheim und Stockheim, mit einer Zentrumsfunktion des Ortes Steinheim).

Die "orientierten -heim-Orte" gelten als besonderes Indiz für Königsbesitz.

Stockheim Planquadrat 75/93-94,

Die übliche Ortsangabe: "sö von Steinheim" ist falsch (siehe Bühler: ISBN 3-87437-390-8, Seite 1146).

Namensdeutungen:

a) "...bei der Rodung des Waldes stehengebliebene Wurzelstöcke".

b) Alter Grenzbereich (Grenzstock), südlich von Neuselhalden, sw von Steinheim (Stockbrunnen, Stockfeld, Stockhau), zwischen Herrschaftsbereichen. Kontroll- und Pferdewechselstation am Albübergang (am "Alten Postweg" und am "Alten Zigeunerweg").

Stockheim kann somit als kleine aber wichtige Ansiedlung an einer Wegekreuzung aufgefasst werden.

Im heutigen Sprachgebrauch ist im süddeutschen Raum noch das Wort "Stockung" für einen Stau im Verkehr (vor einer Grenze) üblich. Der Name "Stockfeld" ist häufig in grenznahen Gebieten anzutreffen.

Im Stockhau weisen Abteilungsnamen wie Sautrieb und Sohl auf die spätere Schweinemastnutzung dieses Gebietes hin.

Die Ausführungen unter "Scheffheim" untermauern die These über diese Ansiedlung.

In das 7. Jahrhundert fallen die Gründungen der 

"-heim-Orte" (Nord-, Ost-, Süd-(Sont-) und Westheim, an der Peripherie Scheffheim und Stockheim, mit einer Zentrumsfunktion des Ortes Steinheim.

Die "orientierten -heim-Orte" gelten als besonderes Indiz für Königsbesitz.

Urkundlich belegt:

·         1471 "... vff Stockhaimer wege ..."

Westheim Planquadrat 77/95,

Siedlung im Westen", (siehe Nordheim und Scheffheim)

Ehemals selbständige Siedlung w von Steinheim. In Steinheim aufgegangen.

Aus merowingischer Zeit (7. Jhdt.) sind um Steinheim (Westheim) zwei Reihengräberfelder bekannt.

In das 7. Jahrhundert fallen die Gründungen der 

"-heim-Orte" (Nord-, Ost-, Süd-(Sont-) und Westheim, an der Peripherie Scheffheim und Stockheim, mit einer Zentrumsfunktion des Ortes Steinheim).

Die "orientierten -heim-Orte" gelten als besonderes Indiz für Königsbesitz.

Urkundlich belegt:

·         1446 "... von ihrem Dorff Westhain, das an die Marcktrecht zu Stainhain stosset und in das Halsgericht gehöret ..."

Das Kloster Königsbronn gibt bekannt, daß das Steinheimer Halsgericht mit verständigen Leuten aus dem Dorf Westhaim zu besetzen ist.

·         1471 ... königsbronnische Anwesen in Westheim ...

·         1586 wird in einem Lagerbuch die Kapelle, die dem heiligen Wendelin geweiht war, nicht mehr aufgeführt, nach der die heutige Steinheimer Kappelstraße benannt ist. Sie wurde wohl in der Reformationszeit aufgegeben. (siehe Abt Wendelin 1015)

 

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